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Frankfurt oder Paris? : Banken suchen Brexit-Exil

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Quo Vadis? Wo in Europa es die in London ansässigen Banken nach dem Brexit hinzieht, steht zum Teil schon fest. Bild: dpa

Paris, Frankfurt, Dublin, Amsterdam und andere buhlen um die Brexit-Flüchtlinge aus London. Bald müssen in Großbritannien tätige Banken ihre Planungen für den Brexit bei der Bank of England einreichen. Manches ist schon entschieden.

          Nach dem geplanten EU-Austritt Großbritanniens brauchen in London ansässige Finanzinstitute eine eigene Gesellschaft mit Banklizenz in einem Land der Europäischen Union, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten vertreiben zu dürfen. Paris, Frankfurt, Dublin, Amsterdam und andere buhlen um die Brexit-Flüchtlinge. Bis Freitag (14. Juli) müssen in Großbritannien tätige Banken ihre Planungen für den Brexit bei der Bank of England einreichen. Der Standortvermarkter Frankfurt Main Finance erwartet, dass danach weitere Banken ihre Brexit-Pläne öffentlich machen werden. Was bisher über die Planungen der Banken bekannt ist:

          Wie viele Banker ziehen um?

          Wie viele Arbeitsplätze verlagert werden, hängt insbesondere von den Vorgaben der Aufsichtsbehörden und der Ausgestaltung des Brexit ab. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin fordert von den Banken, bei einem Umzug auch wesentliche Teile ihres Managements von Großbritannien nach Deutschland zu verlagern. Auch der EU-Finanzaufsicht ESMA sind Briefkastenfirmen ein Dorn im Auge, bei denen Banken nur formal ihren Sitz verlagern, aber der Vorstand, die IT und das Controlling weiter in London oder einem anderen Land außerhalb der EU sitzen.

          Der Verband der Auslandsbanken erwartet, dass durch den Brexit in den nächsten zwei Jahren 3000 bis 5000 Arbeitsplätze in Frankfurt entstehen. Der Standortvermarkter Frankfurt Main Finance rechnet damit, dass bis 2021 rund 10.000 Stellen von der Themse an den Main verlagert werden, falls auch die Europäische Bankenaufsicht (EBA) von London nach Frankfurt sowie das Euro-Clearing verlagert werden.

          Wer wählt Frankfurt?

          Deutsche Bank

          Die Deutsche Bank will laut Finanzkreisen Teile des Wertpapiergeschäfts nach Frankfurt verlagern. Am Firmensitz soll ein Buchungszentrum entstehen, in dem große Teile des Europa-Geschäfts mit institutionellen und Firmenkunden verarbeitet und abgewickelt werden, wie ein Insider Anfang Juli sagte. Dort sollen auch Überwachungs- und Kontrollaufgaben erledigt werden, die bisher in Großbritannien angesiedelt sind. Vorstandsmitglied Sylvie Matherat hatte bereits im Mai eine Zahl von rund 4000 Mitarbeitern genannt, die nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU aus London abgezogen werden könnten. Dort arbeiten derzeit fast 8600 Menschen für die Deutsche Bank.

          Der Umbau soll laut Finanzkreisen in den nächsten 18 Monaten über die Bühne gehen. Die Bank behalte sich vor, die Pläne zu ändern, wenn die Brexit-Verhandlungen zu einem Ergebnis kämen, das einen Verbleib vieler Funktionen in London ermögliche.

          JP Morgan

          Die größte amerikanischen Bank wird sich wohl für Frankfurt als rechtlichen Sitz für sein Europageschäft entscheiden, da die Tochter am Main die erforderlichen Lizenzen schon besitzt. „Aber die Mitarbeiter könnten in Paris, den Niederlanden oder Madrid sitzen. Wir haben uns noch nicht entschieden“, sagte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon am 11. Juli.

          Standard Chartered

          Die britische Großbank will den Standort Frankfurt zu ihrer Europa-Basis ausbauen und sich damit nach dem Brexit den Zugang zur Europäischen Union sichern. „Die Wahl ist wie selbstverständlich auf Frankfurt gefallen, da wir dort eine Niederlassung haben und da auch das Euro-Clearing machen“, begründete Chairman Jose Vinals im Mai die Entscheidung. Bislang hat das Geldhaus in Frankfurt rund 100 Mitarbeiter. Wie viele Beschäftigte das Institut am Ende in der Main-Metropole haben wird, hängt vom Ausgang der Brexit-Verhandlungen ab.

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