08.11.2006 · Fonds, die auf Aktien von europäischen Immobilienfirmen setzen, liegen seit Jahresbeginn obenauf. Doch wie lange kann die Hausse noch Bestand haben? Schließlich steckt in den Kursen schon viel Phantasie.
In diesem Jahr sind bei den Länderfonds China, Spanien und Indonesien führend. Doch sie werden noch geschlagen von Fonds, die auf eine lange vernachlässigte Anlagekategorie setzen: Aktien europäischer Immobilienunternehmen.
In der FAZ.NET-Rangliste der besten Fonds liegt die S&P-Kategorie „Immobilien Euroland“ mit einem Plus von 33 Prozent seit Jahresbeginn ganz vorne, gefolgt von der Kategorie „Immobilien Europa“ mit 32 Prozent.
Großbritannien hoch gewichtet
Bei Aktien aus dem Euroland verzichtet der Anleger auf einen der wichtigsten Immobilienmärkte Europas: den britischen. In den Fonds der Kategorie „Immobilien Europa“ macht Großbritannien oft genug die Hälfte des Volumens aus.
FAZ.NET hat sich fünf dieser Fonds angeschaut, die bereits seit mehr als fünf Jahren am Start sind. Alle diese Fonds markieren in diesen Tagen ein Rekordhoch nach dem anderen, die charttechnischen Trends weisen klar nach oben.
Henderson hält British Land als größten Wert
Auf Sicht von fünf Jahren weist der „Henderson Horizon Pan European Property“ (Isin LU0088927925) mit einem Plus von 227 Prozent die höchste Wertsteigerung aus (siehe FAZ.NET-Tabelle). Mit einem Volumen von knapp 1,3 Milliarden Euro ist dieser Fonds zugleich das Schwergewicht unter den fünf untersuchten Fonds. 54,2 Prozent der Gelder sind in Großbritannien investiert, gefolgt von Frankreich (15,5 Prozent), Schweden (6,2 Prozent) und den Niederlanden (3,8). Deutschland macht nur 2,7 Prozent des Portfolios aus.
Größter Einzelwert ist British Land (9,2 Prozent) vor Land Securities (8,8 Prozent) und Unibail aus Frankreich (6,2 Prozent). Diese drei Aktien sind häufig auch in anderen Portfolios hoch gewichtet - und nicht ganz billig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von British Land etwa beträgt 38,2 für dieses und 33,4 für das kommende Geschäftsjahr. Land Securities (KGV 34) und Unibail (KGV 26,5) sind ebenso keine Schnäppchen.
Deutschland spielt bei Morgan Stanley keine Rolle
Nummer zwei auf Sicht von fünf Jahren ist der „Morgan Stanley Sicav European Property“ (LU0078113650) mit einem Plus von 181 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten liegt der Fonds mit 43 Prozent dagegen vorne. Größter Wert ist, anders als bei Henderson, Land Securities (9,4 Prozent) vor British Land (8,8 Prozent). Das Fondsmanagement gibt im Monatsbericht auch das durchschnittliche KGV an - es beträgt 19,5 und liegt damit deutlich über dem des Gesamtmarktes.
Die 622 Millionen Euro sind zu 51 Prozent in Großbritannien investiert, gefolgt von Frankreich, Niederlande und Spanien. Deutschland spielt im Portfolio keine nennenswerte Rolle. Das ist interessant, wenn man den Investmentansatz des Managements betrachtet: Für die Auswahl der Einzeltitel werden nämlich zunächst „die Auswirkungen makroökonomischer, zyklischer und demographischer Faktoren auf die Immobiliensektoren und Länder untersucht“. Morgan Stanley sieht den deutschen Immobilienmarkt also nicht so positiv wie viele andere Beobachter.
Credit Suisse nimmt die höchsten Gebühren
Auch der „Credit Suisse EF European Property“ (LU0129337381), auf Sicht von fünf Jahren auf Rang drei, hat das meiste Geld in Land Securities (9,7 Prozent) und British Land (9,2 Prozent) investiert. Die knapp 200 Millionen Euro des Fonds liegen zu 51,6 Prozent in Großbritannien, die Niederlande machen 13 Prozent aus, Frankreich 6,9 Prozent. Deutschland spielt auch hier keine große Rolle.
Negativ fällt auf, daß Credit Suisse mit Abstand die höchsten Gebühren verlangt: Die jährliche Managementgebühr beträgt 1,92 Prozent. Die anderen Fondsgesellschaften verlangen nur zwischen 1,2 Prozent (Henderson und ING) und 1,4 Prozent Morgan Stanley).
ING nimmt den geringsten Ausgabeaufschlag
Der ING Invest European Real Estate (LU0119205192), die Nummer vier auf Sicht von fünf Jahren, gewichtet Großbritannien nur mit 23,4 Prozent. Deutschland macht immerhin acht Prozent des Portfolios aus, was damit zu erklären ist, daß die deutsche IVG der zweitgrößte Wert im Portfolio ist. Nur Frankreich (20 Prozent), Niederlande (17,8 Prozent) und Schweden (8,3 Prozent) sind noch höher gewichtet. Größter Wert im Portfolio ist Unibail (9,8 Prozent).
Für den ING-Fonds spricht der vergleichsweise geringe Ausgabeaufschlag von drei Prozent, die anderen Fonds verlangen fünf Prozent, Morgan Stanley sogar 5,75 Prozent.
Hauck & Aufhäuser setzt auf Deutschland
Der „E&G Immobilienaktien Europa“ (LU0117418607) von Hauck & Aufhäuser ist der einzige der genannten Fonds, der Deutschland neben Großbritannien mit je 14 Prozent hoch gewichtet. Auf Sicht von fünf, drei und einem Jahr sowie sechs Monaten liegt dieser Fonds deutlich hinter den bisher genannten Fonds.
Das Management kann nicht nur in Aktien investieren, sondern auch in Wandelschuldverschreibungen, Bezugsscheine, Investmentzertifikate oder Optionsscheine. So finden sich unter den größten Werten im Portfolio komplexe Derivate, die sich zum Beispiel auf Land Securities, IVG oder die Deutsche Euroshop beziehen.
Kann die Hausse noch lange Bestand haben?
Wer weiterhin auf europäische Immobilienaktien setzen möchte, sollte mit dem Henderson-Fonds gut bedient sein. Das Management hat bewiesen, daß es solide Erträge erwirtschaften kann, außerdem ist der Fonds vergleichsweise günstig. Wer Großbritannien weniger stark gewichtet wissen will, sollte dagegen den ING-Fonds näher unter die Lupe nehmen.
Allerdings bleibt die Frage, wie lange die Hausse der Immobilienaktien noch Bestand haben kann. Wer sich die Charts von British Land und anderen Gesellschaften ansieht und die hohe Bewertung im Hinterkopf hat, merkt schnell, daß schon jede Menge Phantasie in den Kursen steckt. Die Charts sprechen noch für ein Investment, die hohe Bewertung ganz klar dagegen. Zudem sollten Anleger bedenken, daß ein großer Teil der seit Jahren steigenden Gewinne vieler Gesellschaften aus der Neubewertung des Immobilienportfolios stammen, also nur Buchgewinne sind. Sinken die Preise am Immobilienmarkt wieder, wird es mit den Aktienkursen ganz schnell nach unten gehen.
Wie "Neuer Markt" => Finger weg!!!
Karsten Krug (kkrug)
- 09.11.2006, 13:19 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |