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Fondsvergleich Auf Spitzenfonds ist kein Verlaß

09.10.2006 ·  Viele Fondsanleger kaufen die Tops von heute. Doch diese sind oft die Flops von morgen. Rankings beziehen sich nur auf die Vergangenheit, sind also für Prognosen ungeeignet. Je kürzer die Zeitspanne, desto sinnloser ist das Unterfangen.

Von Catherine Hoffmann
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Es ist wie im Supermarkt: Nichts geht voran an der Kasse, für die man sich entschieden hat. Nur in der Schlange nebenan, da ist Bewegung; zügig rücken die Kunden vor. Also schnell gewechselt und nach vorn gedrängelt. Nun gerät erfahrungsgemäß auch dort alles ins Stocken. Ein leises Fluchen: schon wieder in der falschen Reihe.

So geht es auch einem Anleger, der seine Investitionsentscheidung allein danach ausrichtet, welcher Fonds im vorausgegangenen Jahr die beste Wertentwicklung erzielt hat. „Zwischen dem Platz im Ranking und dem späteren Abschneiden eines Aktienfonds gibt es keinen großen Zusammenhang“, sagt Christian Michel, Fondsanalyst von Feri Rating & Research. „Es lohnt sich nicht unbedingt, in die Spitzen-Fonds des Vorjahres zu investieren.“

Vermeintliche Spitzenmanager

Ein Produkt mit einem Top-Ranking ist oft genausowenig zum Kauf zu empfehlen wie das Schlußlicht. Denn beide vereint in der Regel: Sie verfolgen eine extreme Anlagestrategie - sonst hätten sie es nicht bis an die Spitze geschafft und wären auch nicht bis ganz nach unten durchgereicht worden. Die meisten Anleger aber handeln anders. Wenn ihnen nicht gerade ihr Bankberater einen Fonds empfiehlt, greifen sie am liebsten zu einem Vehikel, das es auf die ersten Plätze in einer Rangliste geschafft hat.

Doch die Leistung der vermeintlichen Spitzenmanager ist vergänglich. Ein Blick in die Fondsstatistik zeigt es. Von den besten zehn Aktienfonds aus dem Jahr 2005, die weltweit investieren, findet sich in diesem Jahr nur noch ein Drittel im obersten Viertel des Fondsuniversums - Analysten sprechen vom ersten Quartil. Sechzig Prozent sind dagegen ins vierte und damit schlechteste Quartil abgestürzt. Für die Europa- und Deutschlandfonds sieht die Bilanz nur wenig besser aus.

Vom zweiten auf den 294. Platz

Der Weisenhorn Europa ist ein Beispiel für einen Fonds, der im vergangenen Jahr hervorragend abschnitt und in diesem Jahr weit zurückfiel: Statt Platz zwei unter allen Europa-Aktienfonds hat er nur noch Platz 294 von 328. Immerhin mußten die Anleger keine Verluste einstecken, sie kamen mit einem blauen Auge davon. Die Fondsmanagerin Elisabeth Weisenhorn erzielte ein Plus von 5,5 Prozent - rund acht Prozentpunkte weniger als der Markt, gemessen am MSCI-Europa-Aktienindex.

Der Fonds, der seit 2001 besteht, hat schon einiges Auf und Ab erlebt. Vor drei Jahren war Weisenhorn Siegerin in ihrer Fondskategorie, 2004 ganz hinten. 2005 berappelte sich der Fonds, jetzt hinkt er wieder hinterher. „Weil wir viel Geld in mittelgroßen und kleinen Werten anlegen, wurden wir abgestraft, als im Mai die Korrektur an den Börsen kam“, erklärt die Fondsmanagerin. Es läuft nicht rund bei Elisabeth Weisenhorn, die sich nicht auf einen bestimmten Anlagestil festgelegt hat, Bluechips genauso kauft wie Nebenwerte und Firmen mal nach Wert- und mal nach Wachstumskriterien beurteilt.

„Kein glückliches Händchen“

Der Fonds hat verglichen mit anderen Europa-Fonds ein ungewöhnlich starkes Gewicht an deutschen Aktien (65 Prozent). Er wird jährlich mit 1,8 Prozent Verwaltungsvergütung belastet. „Das ist viel“, kritisiert Fondsanalyst Werner Hedrich von der Ratingagentur Morningstar. Hinzu kommt eine erfolgsabhängige Vergütung, die ebenfalls Rendite kostet.

Nicht viel besser erging es Anlegern mit dem Main First Avantgarde Stock Fund. Der Niederländer Anko Beldsnijder versucht bei der Frankfurter Privatbank Main First, die besten Aktien Europas zu finden. Er kauft für seinen Avantgarde-Fonds Aktien von 60 bis 80 großkapitalisierten und wachstumsstarken Unternehmen. „Bei der Auswahl der Einzeltitel hat er in diesem Jahr kein glückliches Händchen gezeigt“, sagt Hedrich und nennt drei Beispiele: die Aktien des Internet-Wettbüros Bwin, des Herstellers mobiler Navigationsgeräte Tom Tom und der Immobiliengesellschaft Vivacon, die allesamt herbe Kursverluste erlitten. Es kam an den Aktienmärkten nicht zu dem lang ersehnten Revival von Wachstumswerten. Das ist nicht von Vorteil für Beldsnijder.

Vorsicht zahlt sich manchmal aus

Andere Fondsmanager kämpfen mit anderen Problemen. Heidrun Heutzenröder enttäuschte in diesem Jahr mit dem Flaggschiff der Cominvest für deutsche Aktien, dem Adig Fondak. Der 2,5 Milliarden Euro schwere Fonds investiert zu 70 Prozent in Dax-Aktien. Der Rest sind Unternehmen aus dem M-Dax und Nebenwerte. Just diese Beimischung von Aktien mit mittlerer Marktkapitalisierung hat den Fonds nach hinten gezogen. Als im Mai und Juni die Angst an den Börsen umging, hat es Werte aus dem M-Dax besonders böse erwischt. Ein so großer Fonds wie der Fondak kommt aus diesen Werten nicht schnell heraus, selbst wenn er möchte. Da mangelt es den Papieren an Liquidität. Deshalb rutscht der Fondak an turbulenten Börsentagen schon mal ins Mittelfeld - von Platz eins im Jahr 2005 auf nur noch Platz 39 unter 78 Deutschland-Fonds in diesem Jahr.

Tiefer noch sackte der Main First German Classic Fonds ab - von Rang acht auf Rang 73. Fondsmanager Hans-Peter Schupp genießt einen guten Ruf - wie übrigens viele andere Vermögensverwalter auch, die sich in diesem Jahr nicht bewährt haben. Schupp weiß, warum er zurückgefallen ist: „Ich war zu vorsichtig. Alle taten so, als sei der Konjunkturzyklus außer Kraft gesetzt, und setzten auf Stahl- und Immobilienaktien.“ Der Fondsmanager hatte sie dagegen längst verkauft. 1999/2000 landete er mit seinem Fonds schon einmal auf den hinteren Tabellenplätzen. Das hat sich dann ganz schnell gedreht. Vorsicht zahlt sich manchmal eben aus - langfristig.

Rankings für Prognosen ungeeignet

Wer sich nur nach Top-Rankings richtet, muß deshalb nicht zwangsläufig Pech haben. Einige erfolgreiche Fondsmanager konnten ihre guten Plätze im Ranking auch verteidigen - vor allem mit Deutschland-Fonds. Hier ist die DWS gleich mit vier Spitzenfonds vertreten, die auch in diesem Jahr eine gute Figur machen. „Es gab ein paar ausgeprägte Trends in diesem Jahr. Wenn man die erwischt hat, lief es gut“, erklärt Henning Gebhard von der DWS. „Wir haben zum Beispiel auf Industriewerte gesetzt und nicht auf Telekomaktien. Beides war richtig.“

Es wird gern gesagt und immer wieder geschrieben: Rankings beziehen sich nur auf die Vergangenheit, sind also für Prognosen vollkommen ungeeignet. Die historische Wertentwicklung erlaubt es Anlegern nicht, zwischen Können und Glück eines Fondsmanagers zu unterscheiden. Die Betrachtung begrenzter Zeiträume im Rückspiegel ist nicht aussagekräftig. Je kürzer die Zeitspanne, desto sinnloser ist das Unterfangen. Anleger sollten die simple Weisheit bei ihrem nächsten Fondskauf beherzigen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.10.2006, Nr. 40 / Seite 53
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Delta Lloyd L New Energy Fund B

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Earth Exploration Fund UI (EUR R)

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Craton Capital Precious Metal Fund A

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