Zumindest Raucher dürften die Risikohinweise nicht schrecken: „Der Bundesminister der Finanzen warnt", steht auf den Verkaufsprospekten für die neuen Hedge Fonds, vor einem "Totalverlust". Der Trauerrand um den Hinweis fehlt nicht. So viel Vorsicht scheint doch übertrieben. Schließlich wollen die Investmentgesellschaften die Gesundheit der Kundendepots fördern und ihr nicht schaden.
Zu Jahresbeginn sind die Schranken gefallen: Endlich dürfen auch deutsche Anleger staatlich zugelassene Hedge Fonds kaufen. Jetzt sind die ersten Produkte von DWS und Lupus Alpha am Start. „Das Investmentmodernisierungsgesetz ist ein großer Wurf, eines der liberalsten überhaupt", lobt Ralf Lochmüller, Geschäftsführer von Lupus Alpha. „Jetzt sind alle Möglichkeiten gegeben, in Deutschland ein professionelles Hedge-Fonds-Management aufzubauen."
Einerseits ist ein sinnvoller Anlegerschutz gewährt, andererseits sind nun auch in Deutschland endlich intelligente Investmentstrategien erlaubt. Lochmüller zweifelt nicht daran, daß sie auch genutzt werden, schließlich sei man hierzulande nicht dümmer als in anderen Ländern.
Noch Nachholbedarf beim Image
Für viele deutsche Anleger sind die Hedge-Fonds immer noch Sinnbild von Skandalen und hochspekulativen Wetten. Im Ausland gelten sie längst als hoffähig. „In der angelsächsischen Welt sind Hedge Fonds seit Jahrzehnten Bestandteil eines professionell gemanagten Portfolios", sagt Jürgen Nott, Leiter Alternative Anlageprodukte bei der DWS. „Wir erwarten, daß das hierzulande genauso kommt." Auf 750 bis 800 Milliarden Dollar schätzt Oliver Schupp, Chef von CSFB Tremont Index, das weltweit in Hedge Fonds verwaltete Vermögen. „2003 flossen rund 70 Milliarden zu, im ersten Quartal dieses Jahres waren es 30 bis 35 Milliarden Dollar."
Vor allem bei institutionellen Anlegern und Reichen steht das exotische Investment ganz oben auf der Agenda. Bernardino Branca, Sproß der italienischen Spirituosendynastie, die durch den Magenbitter Fernet Branca bekannt ist, vertraute einen großen Teil seines Vermögens Hedge-Fonds-Managern an. Denn Verluste wollte er nicht dulden. Seit 1997 verwaltet er für Aquila Capital selbst einen Off-shore-Hedge-Fonds - mit viel eigenem Geld und beachtlichem Erfolg: In seinem schlechtesten Jahr verdiente Branca vier Prozent, im besten zwölf - bei einer Volatilität von nur 3,5 Prozent. Damit ist das Investment sogar noch risikoärmer als Staatsanleihen.
Im Idealfall lockt Kombination aus ansehnlicher Rendite und begrenztem Risiko
Genau diese Kombination aus ansehnlicher Rendite und begrenztem Risiko macht den Reiz guter Hedge Fonds aus. Mit ihrer Hilfe läßt sich mit einem gegebenen Risikobudget eine höhere Rendite erreichen, als dies allein mit Aktien und Anleihen möglich wäre. Diese Eigenschaft wissen vor allem Versicherungen zu schätzen.
Hinzu kommt: „Die Risikostreuung allein mit Aktien und Anleihen funktioniert immer schlechter", sagt Matthias Schellenberg, Leiter Alternative Investments bei Pioneer. Da ist es gut, daß die Strategien der Hedge-Fonds-Manager weitgehend unabhängig vom Auf und Ab an den Börsen sind.
Das könnte sich in den kommenden Jahren besonders gut auszahlen. Behalten die Skeptiker recht und setzt sich der Trend steigender Zinsen fort, ist in den kommenden Jahren weder mit Renten noch mit Aktien viel Geld zu verdienen. Dann brauchen Anleger dringend eine alternative Anlage, die positiv absolute Renditen verspricht.
Kein Allheilmittel
Können die jungen Fonds die hohen Erwartungen erfüllen? Lochmüller dämpft überzogene Erwartungen: „Hedge Fonds sind kein Allheilmittel gegen schlechte Performance." Viele Fondsgesellschaften streben nur geringe Zielrenditen an.
So rechnet die DWS mit fünf bis acht Prozent Zuwachs bei einer Volatilität von höchstens fünf Prozent. Das Ziel scheint nicht besonders ehrgeizig, wenn man weiß, daß Dachfonds in den vergangenen Jahren im Durchschnitt Renditen von rund zehn Prozent geschafft haben bei einer Volatilität von sechs Prozent. Klar: Die Anbieter wollen vor allem Enttäuschungen und Verluste vermeiden, deshalb geht ein geringes Risiko vor einer attraktiven Wertentwicklung.
Gefördert wird das durch den Gesetzgeber: Die hohen Transparenzanforderungen an die Zielfonds, in die der Dachfondsmanager investiert, begrenzen das Angebot. Deshalb setzen Gesellschaften wie die DWS oder Pioneer vorwiegend auf Single-Fonds aus dem eigenen Haus, ein Vorgehen, das unabhängigen Beratern ein Dorn im Auge ist. Die Sicherheit kostet Rendite. Aquila Capital würde gern einen Dachfonds auflegen, sieht derzeit aber kaum Chancen, ansprechende Gewinne zu erwirtschaften. „Mit den zur Verfügung stehenden Single-Hedge-Fonds ist das nicht möglich", sagt Roman Rosslenbroich von Aquila Capital. „Die meisten der für Deutschland momentan in Frage kommenden Zielfonds fallen bei uns unten durch."
Nicht zuletzt sind auch die hohen Gebühren eine Renditebremse. Zwei Prozent Verwaltungsgebühr plus zehn bis zwanzig Prozent erfolgsabhängige Vergütung für die Manager auf Einzel- und Dachfondsebene lasten schwer. All das ist zwar nicht tödlich, ein Jungbrunnen fürs Depot werden die neuen Fonds damit aber nicht.