Fondsmanager Edwin David Walczak hat eine einfache, gleichwohl in den vergangenen Jahren unter Anlegern wenig beliebte Investmentstrategie: „Am besten beginnt man die Analyse eines Unternehmens mit dem Blick in dessen Vergangenheit.“ Die Folge: Walczak favorisiert, offenbar als überzeugter Gefolgsmann des legendären Investors Warren Buffett, unterbewertete amerikanische Standardaktien, so genannte Value Stocks.
Mit diesem Investmentansatz erzielte der Vontobel-Experte im Jahresvergleich einen Wertzuwachs von knapp 42 Prozent. So gut war während des gleichen Zeitraums kein anderer Fonds mit gleichem Anlageschwerpunkt. In unterschiedlichen Mehr-Jahres-Bilanzen rangiert der Fonds jedoch deutlich schlechter. Mit einem Wertzuwachs von knapp 200 Prozent in den vergangenen fünf Jahren beispielsweise auf Rang 13.
Buffett-typische Auswahlkriterien
„Value Stocks“ mit konstanter Gewinnentwicklung leben nicht vom Prinzip Hoffnung, sondern von harten Fakten. Fondsmanager Walczak entscheidet anhand einer Reihe unterschiedlicher Kriterien, ob eine Aktie gekauft wird oder nicht. „Ich lege Wert auf einen vergleichsweise gut vorherzusagenden und möglichst hohen Cashflow“, nennt der Fondsmanager einen seiner Auswahlfaktoren. Weitere Vorgaben an das Unternehmen: Es müsse eine starke Marktposition haben, ein Management mit deutlicher Shareholder-Value-Orientierung sowie Führungskräfte, die direkt oder - etwa über Aktienoptionen - indirekt selbst Eigentümer des Unternehmens seien.
„In den ersten Wochen des Jahres haben wir eine typische Gegenreaktion erlebt“, beschreibt Fondsmanager Walczak die Börsenentwicklung in jüngster Zeit. Vor allem Großanleger hätten verstärkt Technologiewerte und zyklische Aktien erworben und dadurch weitere Zinssenkungen durch die amerikanische Zentralbank vorweg genommen. Im Gegenzug seien die Gewinner des vergangenen Jahres, nämlich defensive Pharma-, Versicherungs- und Finanztitel verkauft worden. Walczak selbst hat sich nach eigenen Angaben genau entgegengesetzt positioniert: „Wir haben konjunktursensitive Werte wie den Möbelhersteller Ethan Allen abgebaut und den Anteil defensiver Unternehmen im Fondsportfolio erhöht.“ Als Beispiele nennt er den Finanzdienstleister Fanny Mae und das Gesundheitsunternehmen Health Management Associates.
Derzeit enthält der Vontobel-Fonds lediglich 25 unterschiedliche Werte. Am stärksten gewichtet ist Warren Buffetts Value-Aktie Berkshire Hathaway mit einem Anteil von gut zehn Prozent am Fondsvermögen. Es folgen die Finanzdienstleister Freddie Mac und Fanny Mae. Branchenspezifisch liegt das Schwergewicht mit einer Quote von fast 70 Prozent eindeutig auf Finanzwerten. Auf den Plätzen mit weitem Abstand dauerhafte (16 Prozent) und zyklische Konsumgüter (fünf Prozent). In jüngster Zeit hat Walczak den Anteil von Versicherungstiteln deutlich zu Lasten zyklischer Werte hochgefahren.
Der Fonds (Wertpapier-Kennnummer: 972 719) wurde am 21. November 1991 aufgelegt. Das Volumen beträgt derzeit rund 140 Millionen US-Dollar. Anleger zahlen 4,5 Prozent Ausgabeaufschlag und eine jährliche Managementgebühr von 0,75 Prozent des Fondsvermögens. Akzeptiert werden Einmalanlagen ab 3.000 Euro. Sparpläne werden nicht angeboten.