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Fondsperformance Im Jahr 2004 gewann die Substanz

10.01.2005 ·  Manchmal setzt sich auch Qualität durch - sogar an der Börse. Unter den erfolgreichsten internationalen Aktienfonds des Jahres 2004 finden sich verblüffend viele, deren Manager den Ruf eines exzellenten Value-Investors genießen.

Von Catherine Hoffmann
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Manchmal setzt sich auch Qualität durch - sogar an der Börse. Unter den erfolgreichsten internationalen Aktienfonds des Jahres 2004 finden sich verblüffend viele, deren Manager den Ruf eines exzellenten Value-Investors genießen. Vermögensverwalter wie der Münchener Jens Ehrhardt, der in New Yorker lebende Michael Keppler und das renommierte Team von Tweedy, Browny sind gleich mit mehreren Fonds auf den besten Plätzen vertreten.

Was sie vereint: Sie investieren in Substanzwerte, grundsolide und ertragsstarke Unternehmen mit möglichst wenig Schulden, sauberen Bilanzen, stabilen Gewinnen, deren Aktien sie möglichst billig kaufen und teuer verkaufen - so zumindest das Ideal. Diese Strategie war nicht immer gefragt. "2003 liefen die ganz unsoliden Aktien", sagt Jens Ehrhardt, "2004 haben die Anleger innegehalten und riskante Investments gemieden." Er ist überzeugt: "Auch 2005 wird ein Jahr der defensiven Aktien." Es könnte sich also lohnen, auf die Fondsfavoriten des Vorjahres zu setzen.

„Value-Investing“ schlug im Jahr 2004 den Markt

Platz eins belegt in unserer Rangliste der besten weltweit anlegenden Aktienfonds der International Value Fund von Tweedy, Browne. Der Rolls-Royce des Value-Investing gewann 2004 rund 25 Prozent. Im Durchschnitt schafften er und die 380 Konkurrenten lediglich 4,11 Prozent, während der MSCI Welt Aktienindex in Euro immerhin 6,5 Prozent gutmachte. Die Lieblingsfonds der Anleger, Schwergewichte mit mehreren Milliarden Fondsvermögen, liegen abgeschlagen (siehe Graphik).

Aber wie gut ist das Kriterium Rendite überhaupt? Sollten Anleger einen Fonds kaufen, nur weil er in einem einzigen Jahr eine Spitzenpositionen belegt? "Nein", sagt Lars Kolbe, Fondsanalyst bei Feri Trust. "Im nächsten Jahr landet er vielleicht auf den hinteren Rängen." Wahre Qualität zeigt sich erst, wenn ein Fonds viele Jahre in Folge immer wieder unter den besten auftaucht - und wenn er seine Rendite mit angemessenem Risiko erzielt. Solche Fonds bekommen von Feri die Note "A" oder "B", nur sie haben in unserer Hitliste (siehe Tabelle) einen Platz. Sie alle sind wenigstens fünf Jahre am Markt. Eintagsfliegen und Zufallsgewinner bleiben außen vor.

Selbstverständlich gibt es auch den einen oder anderen vielversprechenden Fonds, der jünger ist und 2004 vorn mitspielte. Oft handelt es sich dabei um Dividendenfonds (siehe Kasten). Aber die Dividende ist längst nicht das ganze Geheimnis einer Value-Strategie. Wer dauerhaft mit Substanzwerten gewinnen will, verläßt sich auf einen Strauß von Kennzahlen.

Tweedy, Browne macht es so. Die New Yorker Gesellschaft, die 1920 gegründet wurde, gilt längst als Klassiker des Value Investments. Ihre Anlagestrategie geht auf Benjamin Graham zurück, den Altmeister des Genres, der in den dreißiger Jahren zu Ruhm und Ansehen gelangte. Wie Graham interessieren sich die Fondsmanager ausschließlich für unterbewertete Aktien. Sie suchen Unternehmen, die an der Börse weit unter ihrem "inneren Wert" gehandelt werden, also unter dem Preis, den ein strategischer Investor zu zahlen bereit wäre, beispielsweise im Zuge einer Übernahme. So ist sichergestellt, daß die Aktien sowohl Kurspotential als auch einen Risikopuffer besitzen. Leider sind günstige Aktien aus Sicht von Tweedy, Browne derzeit rar. Deshalb wurde der Fonds vorübergehend geschlossen.

"Es liegt zuviel Optimismus in der Luft"

Ganz so skeptisch sieht Jens Ehrhardt die Investmentmöglichkeiten nicht. "Es gibt zwar nur noch wenige Aktien, die so günstig sind, daß man sie zwingend kaufen muß", sagt Ehrhardt. "Wenn die Zinsen steigen, sehen Aktien aber immer noch besser als Anleihen aus." Der Fondsmanager ist seit mehr als 30 Jahren im Geschäft, er hat die größte bankenunabhängige Vermögensverwaltung in Deutschland aufgebaut. Im Ranking ist er mit zwei Fonds vertreten: Astra FI und FMM liegen mit einem Zuwachs von je knapp 20 Prozent gut im Rennen. Viele der - überwiegend deutschen! - Aktien im Portfolio sind 2004 um zehn oder 20 Prozent gelaufen. Als im Sommer viele Anleger enttäuscht das Handtuch warfen, hat Ehrhardt kräftig investiert. Derzeit drängt es ihn nicht danach. "Es liegt zuviel Optimismus in der Luft", wittert der Profi.

Ein gutes Händchen bewies auch Michael Keppler. Der gebürtige Bayer machte sich 1992 nach vielen Jahren bei der Commerzbank in New York selbständig. Er berät den Global Advantage Funds Major Markets High Value und den Klassik Aktien A, die 2004 mit mit 17 und 13 Prozent im Plus lagen. Seine Fonds sind eine kleine Rarität, sucht er doch als einziger der Spitzenmanager zuerst nach attraktiv bewerteten Märkten in den Industrieländern und erst in zweiter Linie nach preiswerten Aktien. Bei der Analyse greift auch er auf die Wertpapieranalyse a la Graham zurück, allerdings in einer moderneren Variante. "Wir spekulieren nicht, wir investieren", gibt deshalb Keppler als Motto für seine Strategie aus. Wen wundert es da, daß Warren Buffetts Berkshire Hathaway mit Abstand der größte Posten im Global Advantage Fund ist? Buffett ist Graham-Schüler.

Ein Bewunderer Grahams und Buffetts wiederum ist Hendrik Leber, der Manager des Acatis Aktien Global UI. Leber mixt die Erkenntnisse der beiden Bilanzanalytiker mit einem Schuß moderner Verhaltensforschung über das Wesen der Börsianer. "Wir beschäftigen uns mit den Schmuddelkindern der Börse", sagt der Manager. Er vertraut darauf, daß aus Aschenputtel bald eine schöne Braut wird. Meist geht die Rechnung auf - wie beim Senkrechtstarter MPC. Mitunter dauert es aber etwas länger, wie bei Karstadt Quelle, die er zu früh gekauft hat.
Bleibt die Frage, ob Anleger unbedingt jetzt Substanzwerte-Fonds kaufen sollten, nachdem sie einen so guten Lauf hatten. Perlensucher wie Keppler finden die Frage müßig. "Seit 1928 haben Value-Aktien Wachstumstitel um mehr als drei Prozentpunkte pro Jahr geschlagen." Also Trend hin oder her: Substanzwerte schneiden tendenziell besser ab als Wachstumstitel. Ob das auch 2005 so ist, weiß aber niemand.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.01.2005, Nr. 1 / Seite 39
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