07.07.2005 · Zum Ende des ersten Halbjahres sind Performance-Rückblicke beliebt. Die „besten“ Fonds werden „gefeiert“, die anderen belächelt. Allerdings sind manche Betrachtungen oberflächlich. Ein genauer Blick ist nötig.
Anleger sollten Fondsranglisten mit einer gewissen Vorsicht betrachten. Denn sie sagen wenig über die tatsächliche Qualität von Fonds und ihren Managern, sondern sie geben nur eine Momentaufnahme wieder.
Das zeigt sich wieder einmal beim Blick zurück auf die ersten sechs Monate des laufenden Jahres. Nimmt man eine der verfügbaren Datenbanken und läßt sich die Performance-Gewinner und -verlierer in dieser Periode ausgeben, so fällt sie schon einmal deswegen unterschiedlich aus, weil kaum eine Datenbank alle Daten der im Markt möglicherweise verfügbaren Fonds im Bestand hat.
Zeitpunktvergleiche führen manchmal zu bizarren Ergebnissen
Das heißt, von Objektivität kann alleine schon aus dieser Sicht keine Rede sein. Abgesehen davon führen solche Zeitpunktvergleiche zu manchmal ziemlich bizarren Ergebnissen. Das zeigt sich beispielsweise daran, daß eine auf Bloomberg gezogene Liste für alle in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Produkte vom DAC European Growth Fonds angeführt wird. Mit einem Plus von etwas mehr als 40 Prozent in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres scheinen die Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft in Luxembourg und ihre teilweise recht umstrittenen Berater auf den ersten Blick einen guten Job gemacht zu haben.
Der zweite Blick führt allerdings zu einer deutlichen Ernüchterung. Denn er zeigt, daß der Fonds schon länger auf dem Markt ist und in den vergangenen Jahren zum Teil massive Kursverluste von bis zu 96,5 Prozent hinnehmen mußte. Die Anteilsscheine konnten in den vergangenen Tagen von einem Basiseffekt profitieren und sich leicht von den noch im Herbst des vergangenen Jahres erreichten Tiefstständen erholen. Das heißt, die Performance der vergangenen sechs Monate ist alles andere, nur kein Gütekriterium. Im Gegenteil. Es ist eine Unverschämtheit, für so ein schlecht verwaltetes Produkt auch noch einen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent zu verlangen.
Selbst die Performance guter Fonds hätte sich mit günstigen Indexfonds replizieren lassen
An zweiter Stelle liegt der 3 Banken Österreich-Fonds von Generali in Wien. Hier kann der Chart und damit die Performance der vergangenen Jahre deutlich besser überzeugen. Die Anteilsscheine haben seit der Erstauflage im Oktober des Jahres 2002 etwas mehr als 183 Prozent zugelegt. Allerdings sollte auch das nicht überbewertet werden. Denn immerhin hat der ATX und damit der breite Markt in Österreich noch leicht besser abgeschnitten. Das heißt, man hätte mit einem breiter diversifizierteren, damit weniger riskanten und auch noch deutlich günstigeren Indexfonds oder -zertifikat genauso stark profitieren können. Immerhin will der 3 Banken Fonds einen Ausgabeauschlag von drei Prozent und er vereinnahmt eine Verwaltungsvergütung von einem Prozent.
Auf den weiteren Plätzen folgen eine Reihe von Rohstoff- und Energiefonds, was sich angesichts des Booms in diesem Bereich in den vergangenen Monaten erklären lassen dürfte. Auch hier deutet jedoch ein Blick auf die Performance in den vergangenen Jahren die Volatilität der Produkte an. Sollte es zu einer Konsolidierung bei der Preisentwicklung der Rohstoffe kommen, dürften auch die Aktien der Branche und damit auch die Fonds nachgeben.
Insgesamt wird einmal mehr deutlich, daß es nicht genügt, sich als Anleger einen beliebigen Fonds ins Depot zu legen. Sondern eine sorgfältige Auswahl nach fundamentalen Kriterien ist notwendig. In manchen Bereich dürften auch Flexibilität oder ein gutes Nervenkostüm notwendig sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |