13.12.2004 · Mit nahendem Jahresende haben es die Vermögensberater eilig, ihren Kunden rasch noch das ein oder andere Steuersparmodell ans Herz zu legen. Anleger sollten allerdings vor einem Abschluß genau abwägen, was sie sich ins Depot legen.
Von Hanno BeckIm Sauseschritt eilt das Jahr seinem Ende entgegen, und so eilig, wie die Zeit daherrast, haben es mittlerweile auch die Vermögensberater, ihren Kunden rasch noch das ein oder andere Steuersparmodell ans Investmentherz zu legen.
Vor allem die Versicherungsbranche ist in diesen Tagen noch einmal unterwegs, um auch dem letzten steuermüden deutschen Anleger die Vorzüge einer steuerlich begünstigten Altersvorsorge zu preisen, bevor vom kommenden Jahr an die Herrlichkeit ihr Ende findet. In der Fondsbranche hofft man natürlich auf das kommende Jahr: Wenn die Steuervorteile der Versicherungsprodukte fallen, so die Hoffnung, dann werden die Kunden endlich ihr Augenmerk auf Fonds als Altersvorsorge richten. Wie immer, ist auch hier des einen Eule des anderen Nachtigall.
Nicht nur die Rendite zählt, sondern auch das Risiko
Dem zur privaten Altersvorsorge entschlossenen Anleger stellen sich nun zweierlei Fragen: Soll ich, muß ich noch rasch in diesem Jahr handeln? Und zweitens: Fonds oder Lebensversicherung? Letztere Frage sieht die Fondsbranche hinreichend beantwortet und verweist zur Begründung auf die Renditeunterschiede zwischen Fonds und Versicherungsprodukten. So hat man beim BVI, der Interessenvertretung der Fondsbranche, einmal ausgerechnet, wie sich ein Sparplan auf zwanzig Jahre alternativ in Fonds oder Versicherungen verzinst. Ein Anleger, der in einem konservativen Mischfonds spare (80 Prozent Renten, 20 Prozent Aktien), könne bei einer Sparleistung von 100 Euro monatlich am Ende auf eine Nettosumme nach Steuern und Kosten von 39.450 Euro hoffen - vorausgesetzt, die Renten werfen durchschnittlich 5,8, die Aktien 8 Prozent ab. Bei einer Lebensversicherung nach altem Steuerrecht kann der Anleger laut BVI bei einer angenommenen Verzinsung der Guthaben von 6 Prozent auf 36.462 Euro nach Steuern und Kosten hoffen; nach neuem Steuerrecht wären es sogar nur 33.970 Euro.
Doch reicht dieser Renditevorsprung aus, um den Versicherern den Schneid respektive das Geschäft abzukaufen? Hier sind einige Fragezeichen angebracht. An erster Stelle stehen natürlich das Sicherheitsbedürfnis der Kunden und die klare, einfache Botschaft der Versicherer: Am Ende der langen Sparbemühungen steht zumindest die Garantieverzinsung. Die meisten Anleger sind bei ihrer Altersvorsorge wenig risikofreudig, und das Angebot des Versicherers, daß am Ende zumindest kein Minus steht, klingt besser als das Angebot des Fondsanbieters, daß am Ende der Sparphase, zumindest theoretisch betrachtet, auch der Totalverlust stehen kann.
Wer also weniger risikofreudig ist, wird dieses Jahr also noch rasch mit einer Lebensversicherung liebäugeln. Wer allerdings keine Hinterbliebenen zu versorgen hat, der wird statt der Kapitallebensversicherung, bei der er eine Risikoabsicherung bezahlen muß, die er nicht benötigt, eine Rentenversicherung vorziehen. Fondsgebundene Lebensversicherungen wiederum, bei denen man einen Fondssparplan in einen steuerbegünstigten Versicherungsmantel packt, machen eher Sinn für Anleger mit hohem Steuersatz, die auf diese Art rasch noch ihr Rentenportfolio in die Oase der Steuerfreiheit bringen wollen - bei Aktienfonds, deren Erträge mehrheitlich nach Anlauf der Spekulationsfrist steuerfrei sind, macht diese Strategie weniger Sinn. Zudem muß sich der steuermüde Anleger stets fragen, ob die Kosten für die Risikoabsicherung - so sie denn nicht gewünscht ist - von den Steuerersparnissen aufgewogen wird. Unstrittig ist allerdings, daß ab dem kommenden Jahr fondsgebundene Lebensversicherungen rasch zu einem Schuß ins Knie mutieren können: "Wer dann mit einer fondsgebundenen Lebensversicherung in Aktien spart, muß dann auf die kompletten Erträge aus den Aktienfonds Steuern zahlen, die andernfalls nach Ablauf der Spekulationsfrist größtenteils steuerfrei gewesen wären", sagt Wolfram Erling von Union Investment. Mit anderen Worten: Der Anleger würde dann steuerfreie Erträge in die Steuerpflicht verschieben.
Ein Blick auf die Kosten der Anlageprodukte ist immer ratsam
Daß sich einfache Fondssparpläne ohne Versicherungsmantel nicht so verkaufen, wie es sich die Branche erhofft, hat über diese Argumente hinaus auch etwas mit dem Vertrieb von Finanzprodukten zu tun. Während bei Versicherungen der Makler oder Berater unmittelbar beim Abschluß sich bereits über ein üppiges Provisionssümmchen freuen kann, tröpseln die Früchte der Vertriebsbemühungen bei Fondssparplänen in jährlichen kleinen Häppchen ein. Die Fondsbranche ist gewillt, das für das kommende Jahr zu ändern, und schon macht das Wort vom gezillmerten Fonds die Runde, dessen Vertriebsprovisionierung ähnlich gestaltet werden soll wie bei einer Versicherung. Das muß für den Kunden nicht notwendigerweise teurer werden, bringt aber zwei Nachteile mit sich: Zum einen wäre man mit dem Fondssparplan nicht mehr so flexibel - wer frühzeitig kündigt, hat dennoch die Vertriebsvergütung für die gesamte Sparplanzeit gezahlt. Das würde ein Storno ähnlich unattraktiv machen wie bei Versicherungen. Ein wesentlicher Vorteil der Fondssparpläne gegenüber Versicherungen - ihre uneingeschränkte Flexibilität - wäre dahin. Zudem schmälert eine solche Zillmerung, bei der zu Anfang des Sparprozesses ein Großteil der Sparsumme als Vertriebsvergütung nicht den Weg in den Spartopf findet, die Rendite des Sparplans dadurch, daß der für Sparprozesse extrem wichtige Zinseszinseffekt schwächer ausfällt.
Ganz so negativ mag man das Modell in der Fondsbranche auch nicht sehen, bewahre es den Kunden doch vielleicht vor renditeschädlichem "Fondshopping", meint Volker Kurr, Geschäftsführer von SEB Investment: "Ein solches Provisionsmodell zwingt den Anleger, disziplinierter mit seinem Sparplan umzugehen. So würde er sich dann möglicherweise Renditeverluste durch die dabei anfallenden Wechselgebühren ersparen", meint er. Dieser Blick auf die Gebühren ist nie verkehrt und sollte den Anleger vor allem bei Sparplänen nie verlassen: Schließlich wird man nicht reich durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |