20.06.2005 · Wer hört schon gerne, daß er sein Geld nicht wert ist? Die deutschen Rentenfondsmanager mußten: Die biedere Bundesobligation sei günstiger und besser als ein Rentenfonds, bekamen die hochbezahlten Anleiheexperten vorgerechnet.
Von Hanno BeckWer hört schon gerne, daß er sein Geld nicht wert ist? Die deutschen Rentenfondsmanager sicherlich nicht, die in der vergangenen Woche kräftig einen eingeschenkt bekamen: Die biedere Bundesobligation sei nicht nur günstiger als ein Rentenfonds, sondern auch besser, bekamen die hochbezahlten Anleiheexperten vorgerechnet.
Wer vor fünf Jahren 10.000 Euro in eine Bundesobligation (Bobl) angelegt hat, verfügt heute über ein Vermögen von genau 12.537,88 Euro. Mit einem durchschnittlichen Rentenfonds ist das Vermögen in diesem Zeitraum nur auf 12.337,72 Euro gestiegen - rund 200 Euro weniger, rechnet der Informationsdienst für Bundeswertpapiere (IBW) in Düsseldorf vor. Sind Rentenfondsmanager ihr Geld nicht wert?
Normaler Rentenfonds kann mit dem „Direktkauf“ nicht mithalten ...
Zumindest in einer Hinsicht können Rentenfonds ihren unscheinbaren Konkurrenten mit Sicherheit nicht das Wasser reichen: Sie haben die höheren Kosten. So können Anleger seit Februar 2003 bei der Bundeswertpapierverwaltung (BWPV) in Bad Homburg die aktuelle Bundesobligation spesen- und gebührenfrei direkt - unter Umgehung ihrer Hausbank - kaufen, und zwar zum täglich ermittelten Börsenkurs. Auch die Verwahrung erfolgt dort kostenlos, wenn der Sparer ein "Schuldbuchkonto" hat oder eröffnet.
Ein normaler Rentenfonds kann da nicht mithalten: Er kostet seine Anleger neben den Depotgebühren auch noch die unumgängliche Verwaltungsgebühr, und dem Ausgabeaufschlag kann er nur durch den Gang zur Online-Bank oder hartes Feilschen mit seinem Berater entgehen. Das Ergebnis ist also zwangsläufig: Rentenfonds, die nur in erstklassige Staatspapiere investieren, können alleine aufgrund der Gebührenbelastung mit den in Bad Homburg geparkten Bundespapieren nicht mithalten. Aber ganz so einfach geben sich Rentenfonds dann doch nicht geschlagen: Erhält der Kunde denn auch einen Gegenwert für seine Gebühren, der selbige rechtfertigen würde? Hier nennen Fondsmanager zwei Argumente: das sogenannte Durationsmanagement und das Kreditmanagement.
Beim Durationsmanagement geht es darum, die Laufzeitenstruktur des Fonds beständig an die Marktlage anzupassen: Drohen steigende Zinsen, so verkürzt der Fondsmanager die Laufzeiten im Fonds, um die aus den Zinssteigerungen resultierenden Kursverluste zu begrenzen, bei sinkenden Zinsen verlängert er die Laufzeiten. Damit hat ein Rentenfonds ein anderes Risikoprofil als die verglichene Bundesobligation - deren Laufzeit beträgt am Anfang der Sparphase fünf Jahre, am Ende aber nur noch ein Jahr bis wenige Tage. Insofern greift der reine Vergleich der Wertentwicklung zu kurz, monieren Rentenmanager. Jedoch sind die Erträge, die ein guter Rentenfondsmanager aus dem Durationsmanagement erwirtschaften kann, recht begrenzt, und beim derzeitigen Zinsniveau schlagen die Verwaltungsvergütungen zu stark auf die Fondsergebnisse durch: Vor zehn Jahren, bei einem Zinsniveau von fast 10 Prozent, fielen die damals erhobenen 20 Basispunkte kaum ins Gewicht - bei einem Zinsniveau von heute 3 Prozent tun die nun verlangten 60 bis 80 Basispunkte Verwaltungsvergütung überproportional mehr weh.
... da nützen alle Gegenargumente nur wenig
Nicht zuletzt wegen der niedrigen Zinsen und der geringen Möglichkeiten im Durationsmanagement versuchen die meisten Fondsmanager, ihren Fonds über das Kreditrisiko aufzupeppen: Da werden neben Staatsanleihen auch Unternehmensanleihen, Pfandbriefe oder Anleihen von Staaten mit geringerer Bonität ins Portfolio gepackt, die alle eine Zusatzrendite gegenüber Staatsanleihen versprechen. Und spätestens dann sind die meisten Rentenfonds nicht mehr mit einer Bundesobligation oder Bundesanleihe zu vergleichen. "Ein Fonds diversifiziert mehr, kann mehr Vermögensklassen beimischen und weist dementsprechend eine bessere risikoadjustierte Wertentwicklung auf", sagt Johannes Müller von DWS. Ein weiteres Argument könnten steuerliche Aspekte sein: Die Fondsmanager in den Rentenfonds können ihre Papiere umschichten, ohne dabei immer gleich Spekulationssteuer zu zahlen - allerdings spielt das Argument für Anleger, die ihre Papiere fünf Jahre halten wollen, keine Rolle.
Aber unter dem Strich scheint das alles nichts zu nützen, legen zumindest die Ergebnisse der IBW nahe. Jedoch: "Ein Fünf-Jahres-Vergleich wäre im Durchschnitt dann aussagekräftiger, wenn man ihn einmal über die vergangenen 30 Jahre anstellen würde", gibt Müller zu bedenken. In der Tat: Mit einem veränderten Risikoprofil ist der Rentenfonds direkt mit der Bundesobligation zu vergleichen. Will man dann aber die Leistungsfähigkeit der beiden Produkte vergleichen, so muß ein längerer Zeitraum betrachtet werden - eine größere Stichprobe, wie Statistiker sagen würden.
Doch auch ohne größere Stichproben läßt sich vorsichtig zumindest eines sagen: Ein Rentenfonds, der nur auf erstklassige Anleihen setzt - um solche handelt es sich ja bei den Bundesobligationen -, ist ebensowenig oder -viel sinnvoll wie ein aktiv gemanagter Aktienfonds, der sklavisch an seinem Vergleichsindex klebt. Je aktiver der Fonds aber agiert, um so weniger ist der Vergleich zu den Bundeswertpapieren gerechtfertigt, und um so eher kann der Beitrag des Fondsmanagers auch eine höhere Gebühr rechtfertigen.
Muß der Vergleich also die Fondsbranche ärgern? Inhaltlich vielleicht mäßig, in der Praxis aber schon: Warum, so fragen sich die Fondsgesellschaften, vergleicht man die Bundespapiere mit Rentenfonds, nicht aber mit Banksparplänen, Versicherungen, Zertifikaten oder auch Versicherungen? Auch hier wäre ein Vergleich mit ähnlichen Abstrichen wie beim Fondsvergleich durchaus interessant. Ein Trost allerdings bleibt der vertriebsorientierten Branche noch: Bundeswertpapiere müssen aktiv gekauft werden, anstatt daß man sie - wie die meisten andere Finanzprodukte - vom Berater verkauft bekommt. Möglich, daß ein guter Berater seinen Kunden auch die Adresse in Bad Homburg verraten würde, statt ihnen provisionierte Produkte zu verkaufen. Man müßte ihn nur - wie immer im Leben - auch dafür bezahlen, zumindest dann, wenn die Beratung auch ihr Geld wert ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |