16.01.2006 · In der Fondsbranche ist die Rendite ein eindeutiger Begriff, sollte man denken. Doch so eindeutig ist er nicht. Denn bei der Renditerechnung kommt es auf die Details an, vor allem auch beim Vergleich unterschiedlicher Renditen.
Von Hanno BeckOft redet man wie selbstverständlich über Dinge, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was es wirklich mit ihnen auf sich hat. Rasch ist ein Begriff auf den Tisch gebracht, ohne daß man sich immer darüber im klaren ist, über was genau man denn redet. Ein solch unscharfer wie vielgenutzter Begriff in der Fondsbranche ist die Rendite: Ein eindeutiger Begriff, oder?
Vielleicht nicht ganz. Angenommen, man kauft eine festverzinsliche Anleihe zum Nennwert von 100 Euro mit einem Kupon von 10 Prozent und verkauft selbige nach fünf Jahren zum Nennwert. Dann hat der Anleger nach fünf Jahren seine 100 Euro plus 50 Euro an Zinsen, macht insgesamt 150 Euro. Welche Rendite wirft diese Anleihe ab? Eindeutig 10 Prozent, sollte man meinen.
Bei der Renditerechnung kommt es auf die Details an ...
Doch so eindeutig ist das nicht: Wer am Anfang der fünf Jahre 100 Euro investiert, benötigt nur einen Zinssatz von rund 8,5 Prozent, um nach fünf Jahren ganze 150 Euro sein eigen zu nennen. Nach dieser Rechnung beträgt die Rendite dieser Investition also nur 8,5 und nicht 10 Prozent. Wie kann das denn sein?
Die Renditediskrepanz erklärt sich wie folgt: Wenn der Anleger jedes Jahr die an ihn ausgeschütteten Dividenden wiederum zu einem Zinssatz von 10 Prozent anlegt, so kommt er nach Ablauf der fünf Jahre auf einen Ertrag von insgesamt 161,051 Euro - 150 Euro aus Nennwert und Zinsen sowie 11,051 Euro aus der Verzinsung seiner erhaltenen Zinsen. Und so stimmt dann die Vergleichsrechnung: Wer 100 Euro auf fünf Jahre anlegt, hat bei einem Zinssatz von 10 Prozent nach Ablauf der fünf Jahre exakt 161,051 Euro. Jetzt kommen beide Berechnungsmethoden zu dem gleichen Ergebnis. Damit ist klar, daß die zehnprozentige Rendite nur dann erreicht wird, wenn alle Erträge aus der Anleihe zum gleichen Zinssatz auch wieder angelegt werden. Wie hoch die Rendite eines Investitionsobjektes ist, hängt also davon ab, was mit den zwischenzeitlich ausgeschütteten Erträgen passiert: Werden sie mit der gleichen Rendite angelegt wie das ursprüngliche Investitionsobjekt, so fällt die Gesamtrendite deutlich höher aus als für den Fall, daß die Ausschüttungen nur zu geringen Renditen angelegt werden können - oder nicht mehr angelegt werden.
Was wie ein akademischer Zeitvertreib klingt, hat recht praktisch-unpraktische Folgen: "Die meisten Renditeangaben von Investmentprodukten sind nur unter der strengen Prämisse gültig, daß alle Erträge zum gleichen Zinssatz wieder angelegt werden - und damit oft wenig realistisch", sagt Klaus Jaeger von der Freien Universität Berlin. In manchem Fondsprodukt findet sich denn auch verschämt im Kleingedruckten der Hinweis, daß die im Großgedruckten ausgewiesenen Renditen nur bei kostenloser Wiederanlage der Rückflüsse korrekt seien. Warum die Branche gerne diese Methode der Renditeberechnung wählt, kann man vermuten: "Mit dieser Methode weisen Sie eine etwas höhere Rendite aus - was nicht das schlechteste Verkaufsargument ist", erklärt Jaeger.
... vor allem auch beim Vergleich unterschiedlicher Renditen
Nun kann man listigerweise argumentieren, daß diese überhöhten Renditen dann nicht ins Gewicht fallen, wenn jeder Anbieter seine Renditen nach der gleichen Methode berechnet - vergleichbar ist das dann immer noch. Doch so einfach ist das nicht: So werden beispielsweise bei thesaurierenden Fonds die Erträge einbehalten - hier wird die Rendite also korrekt berechnet. Doch der Vergleich mit einem ausschüttenden Fonds wäre nur korrekt, wenn man unterstellt, daß der Kunde alle Ausschüttungen ohne Kosten für die Wiederanlage in den gleichen Fonds anlegen kann - ist dies nicht gegeben, so führt der Renditevergleich zwischen den beiden Produkten in die Irre. Hat beispielsweise ein thesaurierender Fonds auf zehn Jahre eine Rendite von 10 Prozent erwirtschaftet, so beträgt die korrekte Rendite des gleichen Fonds, der ausschüttet, bei einem Ausgabeaufschlag von 3 Prozent nur noch knapp 9,5 Prozent, rechnet Jaeger vor. Ebenfalls problematisch sind solche Renditeberechnungen bei den Riester-Sparplänen: Die branchenübliche Renditeberechnung führt dann zu einem korrekten Ergebnis, wenn man unterstellt, daß die Riester-Kunden die Rückflüsse aus ihrer Rente zu den gleichen steuerlich vergünstigten Konditionen anlegen können - eine ambitionierte Annahme.
Was also tun? "Korrekt wäre es, wenn man alternative Renditen auf der Basis alternativer Annahmen zur Wiederanlage ausweisen würde", schlägt Jaeger vor. Nur dann sei ein Renditevergleich möglich. Wie so oft muß man also fragen, worüber man redet - es ist oft der erste Schritt zu einer neuen Erkenntnis.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |