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Fondsmarkt Neuer Name bringt Fonds mehr Geld

07.04.2003 ·  Namen sind nicht nur Schall und Rauch - zumindest nicht in der Fondsbranche: Der Name eines bekannten Fondsmanagers kann über die Höhe der Mittelzuflüsse entscheiden, sagen amerikanische Wissenschaftler.

Von Hanno Beck
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Wer der Meinung ist, dass Namen nur Schall und Rauch sind, sollte vielleicht einen Blick auf die Fondsbranche werfen und sich dabei möglicherweise eines besseren belehren lassen: dort kann ein Name über eine Menge Geld entscheiden. Doch nicht nur der Name eines bekannten Fondsmanagers, auch der Name des Fonds selbst kann über etliche Millionen entscheiden.

Das jedenfalls behaupten amerikanische Wissenschaftler, die sich systematisch mit dem Zusammenhang zwischen dem Namen eines Fonds und seinen Mittelzuflüssen beschäftigt haben. Und die Ergebnisse ihrer Untersuchung sind - vorsichtig gesagt - interessant: Eine Gesellschaft, die den Namen ihres Fonds an Modetrends ausrichtet, kann mit signifikant höheren Mittelzuflüssen rechnen.

Namen suggeriert Anlagestil

"Ein einfacher Namenswechsel zur richtigen Zeit kann Kunden leicht Glauben machen, daß der Fonds mit seiner Anlagepolitik im Trend liegt", lautet das Fazit von Michael Cooper, Huseyin Gulen und Raghavendra Rau von der Purdue Universität und der Universität Virginia. In einem ersten Schritt haben die Wissenschaftler rund 300 Aktienfonds untersucht, die zwischen April 1994 und Juli 2001 ihren Namen dergestalt geändert haben, dass man aus dem Namenswechsel auf einen Wechsel im Anlagestil schließen könnte. Die Fonds wechselten also ihren Namen beispielsweise von "growth" (wachstumsorientiert) auf "value" (werthaltig) oder von "large" zu "small" (also von Standardwerten auf Nebenwerte).

Alle diese Fonds wiesen in den sechs Monaten vor der Umbenennung im Vergleich zu Wettbewerbern signifikant geringere Mittelzuflüsse auf, zudem waren ihre Erträge nicht so stetig wie die ihrer Konkurrenten und die Gebühren waren geringer. Die Namenswechsel erfolgten stets in Richtung auf den derzeit "heißen" Investmentstil - also zu den Haussezeiten wurden aus value-Fonds growth-Fonds, und mit dem Beginn der Baisse drehte sich das wieder um.

Enorme Wachstumsraten erzielt

Das frappierende Ergebnis der Studie: Wenn Fonds ihren Namen ändern, fließen ihnen deutlich mehr Mittel zu als den Fonds der Vergleichsgruppe. In Zahlen: Die umbenannten Fonds kamen ein Jahr nach der Namensänderung auf Mittelzuflüsse, die um rund 22 Prozent über den Zuflüssen der Vergleichsgruppe lagen. Im Durchschnitt habe ein solcher Fonds nach der Namensänderung Mittel von 67 Millionen Dollar zusätzlich eingesammelt - damit haben die knapp 300 Fonds in einem Zeitraum von sieben Jahren fast 20 Milliarden Dollar alleine durch die Namensänderung eingefahren, schließen die Wissenschaftler.

Doch nicht nur das: In einem weiteren Schritt wurde überprüft, ob der Namenswechsel nur kosmetischer Natur war - ob sich also mit der Namensänderung auch das Portfolio geändert hat. Hier ergab sich kein wesentlicher Unterschied - der bloße Wechsel des Namens reichte offenbar aus, um Mittelzuflüsse zu generieren. Unter dem Strich kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass diejenigen Fonds, die ihren Namen auf den derzeit favorisierten Anlagestil geändert haben und zusätzlich die höchsten Marketing-Anstrengungen unternommen haben, auch die höchsten Mittelzuflüsse erfahren haben.

„Namensänderung ein Warnsignal“

Das Thema Fondsnamen hat auch in Deutschland einen nicht immer einwandfreien Nachgeschmack: "Viele Gesellschaften sind - was die Namensgebung ihrer Fonds angeht - nicht zimperlich", sagen Branchenbeobachter. Wer über die Waschzettel der Vertriebsabteilung hinaus einen Blick in die Rechenschaftsberichte mancher Fonds wirft, findet dort Werte, die nicht so einwandfrei zu dem im Fondsnamen deklarierten Anlagestil passen.

"Eine Namensänderung ist immer auch ein Warnsignal", sagt Kai Wieking vom Finanzdienstleister Morningstar. Der Anleger müsse sich drei Fragen stellen: Wird erstens der Anlagestil des Fonds wirklich geändert? Und will man zweitens als Anleger auch den neuen Anlagestil im Portfolio? Und hat der Fondsanbieter drittens denn überhaupt eine Expertise für den neuen Anlagestil?

Gerade letztere Frage muss man vor allem bei kleineren Fondsgesellschaften oft verneinen. eine Gesellschaft, die jahrelang eine Expertise für Wachstumswerte proklamiert, kann nicht über Nacht zum Value-Experten mutieren - vor allem, wenn der gleiche Fondsmanager, der vorher Wachstumswerte favorisiert und dort eine Expertise aufgebaut hat, jetzt auf einmal den Vorzug werthaltiger Investments preist.

Wertentwicklung nicht immer besser als zuvor

Frage Nummer zwei - passt der neue Stil zu meinem Portfolio - muss der Anleger mit sich selbst ausmachen. Bei Frage Nummer eins - verfolgt der Fonds wirklich die Strategie, die er proklamiert - helfen oftmals Finanzdienstleister wie Morningstar: Das Unternehmen klassifiziert Fonds danach, ob sie eine wertorientierte oder wachstumsorientierte Strategie fahren und ob sie eher auf Nebenwerte oder auf Standardwerte setzen. Die Klassifizierung der Werte erfolgt anhand der Portfoliodaten des Fonds und nicht nach dem Namen. Und wer dann bei Morningstar einen Blick auf die Einordnung wirft, findet beispielsweise den Oyster Europe Value, dessen Name nach Ansicht der Morningstar-Experten nicht zu seinem Anlagestil paßt, denn laut Morningstar-Klassifizierung handelt es sich bei diesem Fonds eher um einen Fonds mit Wachstumswerten. Natürlich läßt sich immer trefflich darüber streiten, wann eine Aktie ein Wachstumswert ist oder ein werthaltiges Investment ist. Doch das ist unter dem Strich wohl auch ein Argument dafür, bei der Namensvergabe für Fonds vorsichtiger zu agieren.

Das Fazit der amerikanischen Forscher: Ein neuer Name und etwas Marketing sind mehr als Schall und Rauch. Damit ist die aber nur die Marketing-Abteilung der Fondsgesellschaft belohnt worden, nicht jedoch die Anleger. Die wechselfreudigen Fonds unterschieden sich zwar von den Vergleichfonds durch die Mittelzuflüsse, nicht jedoch durch die Wertentwicklung. Für manche sind Namen dann eben doch nur Schall und Rauch.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2003, Nr. 83 / Seite 27
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