17.03.2003 · Im Gegensatz zu Privatanlegern setzen immer mehr Institutionelle auf Mischfonds. Sie setzen immer mehr auf eine absolut positive Wertentwicklung ihres Portfolios.
Von Hanno BeckHeißt von den Profis lernen nicht siegen lernen? In diesem Fall sollten Anleger aufmerken: Von 523 Spezialfondsmandaten, welche institutionelle Anleger im vergangenen Jahr vergaben, entfielen 352 auf Mischfonds.
Mit anderen Worten: Rund zwei Drittel aller neu vergebenen Mandate im vergangenen Jahr entfielen auf Mischfonds. An zweiter Stelle folgten Rentenfonds mit einem Anteil von 20 Prozent am Neugeschäft, nur 7,8 Prozent der Mandate entfielen auf Aktienfonds, und die von Anlegern geschätzten Immobilienfonds sind bei Institutionellen nicht so beliebt: Nur anderthalb Prozent der Mandate entfielen auf Betonfonds.
Mischfonds sind bei Privatanlegern nicht beliebt
Was für ein Unterschied zu den Privatanlegern: Nach wie vor fliehen die Anleger in Geldmarktfonds und Offene Immobilienfonds, während Mischfonds ein Mauerblümchendasein führen. Alleine im Januar dieses Jahres flossen rund 3,4 Milliarden Euro in Offene Immobilienfonds und 4,6 Milliarden Euro in Geldmarktfonds. Mischfonds hingegen verbuchten Mittelabflüsse in Höhe von 432 Millionen Euro - seit Juni 2002 verbuchen sie kontinuierlich Abflüsse.
Ist das Desinteresse der Anleger gerechtfertigt? Hier dürfte ein Blick auf die Zahlen helfen. In der Regel unterscheidet man bei Mischfonds defensive, moderate und aggressive Mischfonds. Defensive Mischfonds haben einen Aktienanteil von bis zu 30 Prozent, aggressive Mischfonds haben einen Aktienanteil von mehr als 70 Prozent; alle Fonds zwischen diesen beiden Wassermarken gelten als moderate Mischfonds. Angesichts der vergangenen drei Aktienjahre liegen die Anlageergebnisse auf der Hand: Je geringer der Aktienanteil, um so besser die Wertentwicklung.
So weist der Finanzdienstleister Morningstar für defensive Mischfonds auf drei Jahre eine Wertentwicklung zwischen 12,5 und minus 27,6 Prozent aus. Zum Vergleich: Fonds, die in europäische Anleihen investiert haben, weisen laut Morningstar auf drei Jahre eine Wertentwicklung zwischen 33 und minus 25 Prozent aus, wobei allerdings nur die letzten acht Fonds im Minus sind. Die Ergebnisse moderater und aggressiver Mischfonds bewegen sich laut Morningstar auf drei Jahre zwischen einer roten Null und Verlusten von 70 bis 80 Prozent.
Mischfonds bieten ein diversifiziertes Portfolio
Also warum Mischfonds kaufen? Argument Nummer eins: der Mix von Risiko und Chance. Bei den derzeitigen Bewertungen an den Aktienmärkten hoffen viele Marktteilnehmer auf eine kräftige Gegenbewegung, sollten die Unsicherheiten des Irak-Konfliktes aus dem Weg geräumt sein. Wer einen Mischfonds besitzt, wahrt sich zumindest eine Teilchance auf steigende Aktienkurse. Umgekehrt schützt das diversifizierte Portfolio eines Mischfonds vor einem möglichen Einbruch des mittlerweile hoch bewerteten Rentenmarktes. Die Mischung von Aktien und Anleihen nimmt Volatilität aus dem Portfolio - das geht zwar auch zu Lasten der Wertentwicklung; doch in diesen unruhigen Zeiten ist das ein Preis, mit dem mancher Anleger gut leben kann.
Für aktive Anleger ist das alles nichts Neues: Sie haben sich im Zweifelsfalle ihren eigenen Mischfonds gestrickt, indem sie ihr Portfolio in einer entsprechenden Gewichtung mit Aktien- und Rentenfonds bestücken. In ihren Portfolio-Mix passen Mischfonds so gar nicht hinein: Wer sich entschieden hat, in seinem Portfolio einen Rentenanteil von exakt 60 Prozent zu fahren, kann keinen Mischfonds gebrauchen, denn mit jeder Veränderung im Anleihenanteil des Mischfonds verändert sich dann auch der Rentenanteil des Gesamtportfolios - ob es dem Anleger paßt oder nicht. Doch wer wenig Zeit oder Lust hat, sich über seine Portfoliozusammensetzung Gedanken zu machen, der greift eben zu Mischfonds - hier übernimmt der Fondsmanager für den Anleger die Gewichtung von Aktien und Renten. Mischfonds sind also etwas für bequeme Anleger.
Mit einem Mischfonds zum „absolute Return“
Mit Blick auf die Zahlen könnte man nun also zu dem Schluß gelangen, daß die institutionellen Anleger bequem geworden sind. Das dürfte wohl kaum der Fall sein, der Wind weht eher aus einer anderen Richtung: "Die institutionellen Anleger kaufen eigentlich nicht Mischfonds, sondern sie ändern ihre Anlageziele: Statt sich an der Entwicklung eines Vergleichsindex zu orientieren, wollen sie eine absolut positive Wertentwicklung ihres Portfolios", sagt Rüdiger Sälze vom Münchener Finanzdienstleister Fondsconsult. Mit anderen Worten: In den allgemein als eher langweilig erachteten Mischfonds wittern Anleger jetzt die Möglichkeit, ähnlich wie in Hedge Fonds sogenannte absolute Return-Strategien umzusetzen - nicht ein Index soll geschlagen werden, sondern eine positive Rendite erwirtschaftet werden.
Mischfonds laden geradezu zu einer solchen Betrachtung ein, da man sie nur schwer so plakativ an der Kursentwicklung eines einzigen Index messen und vergleichen kann wie reine Aktien- oder Anleihenfonds. Leider erschwert es diese Eigenschaft den Anlegern auch, aus der Fülle des Angebotes den richtigen Fonds auszuwählen: Je größer die Unterschiede in der Strategie der jeweiligen Fonds sind, um so fragwürdiger wird ein Vergleich dieser Fonds.
Strategie des Mischfonds entscheidend
Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist allenfalls ein leises Indiz für die Qualität eines Mischfonds und kein Garant für künftige Erfolge. Nach einem ersten Blick auf diese Wertentwicklung des Fonds und auf dessen Rating ist es ratsam, sich auch mit der Strategie des Fonds zu befassen - je sprunghafter der Fondsmanager agiert, um so schlechter für den Anleger. "Einmal im Jahr sollte man überprüfen, ob der Mischfonds das macht, was man sich als Anleger vorstellt", sagt Kai Wiecking von Morningstar. Das tun auch die Profis, und von denen lernen heißt ja bekanntlich siegen lernen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |