27.11.2006 · Es liegt in der Natur des Menschen sich für Neues zu begeistern. Auch neue Fonds erhalten meist mehr Aufmerksamkeit als bestehende. Eine Untersuchung von 20.000 Fondstranchen zeigt, daß die Wertentwicklung oft eine Frage des Alters ist.
Von Hanno BeckIn jedem Menschen steckt bisweilen auch der kindliche Zug, seine Aufmerksamkeit und Begeisterung vor allem neuen Dingen zu widmen: Nichts ist so schön wie das neue Spielzeug unterm Weihnachtsbaum, der neue Wagen, der neue Fonds - aber wenn diese Spielsachen dann älter werden, erste Kratzer zeigen, nicht mehr ganz so funkeln, wandern sie rasch in eine dunkle Ecke des Kinderzimmers, während sich der einstmals so stolze Besitzer wieder neuen Besitztümern zuwendet.
Den Vertriebsabteilungen der Fondsgesellschaften kommt die kindliche Begeisterung der Menschen da gerade recht, denn der Verkauf neuer Produkte ist eine lukrative Einnahmequelle, an der man sich gerne mittels Ausgabeaufschlägen und sonstiger Vertriebsprovisionen labt. Nicht umsonst stammt ein ordentlicher Batzen des Neugeschäftes der Fondsgesellschaften aus dem Verkauf neuer Fonds.
Wertentwicklung eine Frage des Alters
Sosehr man den Wunsch aller Beteiligten nach neuen Produkten verstehen oder zumindest respektieren mag - für die Portfoliorendite ist er wenig hilfreich, behauptet Christian Schreckeis vom Analysehaus E-Fundresearch.com. Er hat mehr als 20.000 Fondstranchen darauf untersucht, ob ihre Wertentwicklung auch eine Frage des Alters ist. Seine Antwort: Alte Fonds sind tendenziell besser fürs Portfolio. Im Schnitt liefen alle Fonds, auf drei Jahre gerechnet, um etwa 1,6 Prozent pro Jahr hinter ihrem Vergleichsindex her.
Während jedoch Fonds im Alter zwischen drei und zehn Jahren um rund 1,6 Prozent ihrem Index hinterherhinkten, waren es bei Fonds mit einem Alter zwischen zehn und zwanzig Jahren nur 1,5 Prozent. Die Methusalems unter den Fonds aber, die mehr als zwanzig Jahre an den Märkten unterwegs sind, verfehlten ihren jeweiligen Vergleichsindex um 0,71 Prozent und waren damit um 90 Basispunkte pro Jahr besser als die jüngsten Fonds. Sind alte Fonds also besser als die neuen?
Neue Fonds werden strark beworben
Eine Begründung für diesen Befund könnte das größere Volumen der alten Fonds sein: Während die ältesten Fonds mit mindestens zwanzig Jahren auf dem Buckel ein durchschnittliches Volumen von 600 Millionen Euro verwalten, liegt der Durchschnitt des gesamten Fondsuniversums bei 140 Millionen Euro.
Die alten Fonds sind also mehr als vier Mal so groß wie der Durchschnitt - das bedeutet erhebliche Kosteneinsparungen, wenn die Fixkosten des Fonds auf ein größeres Fondsvolumen verteilt werden. Hinzu kommt, daß neue Fonds auch zumeist mehr beworben werden, um mehr Anleger zu ködern - die Kosten für diese Kundenakquise zahlen natürlich die Kunden selbst -, das drückt wiederum auf die Wertentwicklung.
Fußlahme Fonds aus dem Rennen
Doch diese Erklärungen dürften nicht ausreichen, um die bessere Wertentwicklung zu erklären, zumindest teilweise dürfte dieses Ergebnis auch auf ein statistisches Phänomen zurückzuführen sein, daß sich „survivorship-bias“ nennt: Von all den Fonds, die vor mehr als 20 Jahren das Licht der Investmentwelt erblickten, sind heute nur noch diejenigen übriggeblieben, die wirklich gut sind - die fußlahmen Fonds haben sich schon längst aus dem Rennen verabschiedet und können deswegen auch nicht mehr die Bilanz der alten Fonds als Gruppe belasten.
Würde man die Ergebnisse der alten Fonds, die heute nicht mehr existieren, in die Berechnungen miteinbeziehen, so wäre die durchschnittliche Wertentwicklung der alten Fonds als Ganzes niedriger - was die statistische Überlegenheit der alten Fonds gegenüber den Neuprodukten ins Wanken bringt. Wie stark dieser Effekt ist, läßt sich kaum sagen, hier werden Zahlen zwischen 0,4 und 0,7 Prozentpunkten diskutiert, um die man die Wertentwicklung einer Fondsgruppe aufgrund des survivorship-bias zu hoch ausweisen kann - aber auch das ist Kaffeesatzleserei.
Neue Fonds nicht besser als alte
Doch das spricht nicht gegen die E-Fundresearch-Studie, besagt sie doch zumindest, daß neue Fonds nicht besser sind als alte. „Alte Fonds haben bewiesen, daß sie am Markt überleben können, und haben zumeist aufgrund ihrer Größe die bessere Kostenstruktur als neue Produkte - das macht sie für Anleger so attraktiv“, sagt Schreckeis.
Schaut man sich die alten Produkte näher an, so stellt man fest, daß es sich naturgemäß vor allem um Standardprodukte - Aktien oder Anleihen, national oder international - handelt. Mag der neue Fonds auch noch so verlockend glänzen - oft spielt es sich auch mit dem alten Spielzeug recht schön.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |