21.07.2003 · Nach drei Jahren Baisse fühlte sich die Fondsbranche mangels Erträgen wie ausgetrocknet. Hedgefonds gelten nun als erquickende Oasen in der Ertragswüste. Fragt sich nur, wie ergiebig die Quellen sind.
Von Hanno BeckNach fast drei Jahren Baisse fühlte man sich in der Fondsbranche wie ausgetrocknet - sinkende Kurse, die die Erträge aus dem Wertpapierbestand gedrückt haben, sinkendes Neugeschäft im profitablen Aktienfondsgeschäft sowie die nachlassende Begeisterung der Deutschen für Anlagethemen haben die einst sprudelnden Ertragsquellen versiegen lassen.
Doch jetzt keimt Hoffnung. Seit Monaten schon gibt es nur ein beherrschendes Thema: Ab dem kommenden Jahr darf die Branche innerhalb eines bestimmten gesetzlichen Rahmens auch Hedgefonds an Privatanleger verkaufen.
Hedge Fonds als Oase in der Ertragswüste
Für die Zunft der Fondsmanager tut sich damit die Aussicht auf eine erquickende Oase in der Ertragswüste auf, verheißen Hedge Fonds doch zumindest auf dem Papier alles, was Anleger derzeit suchen: Ertrag und Sicherheit. Angesichts dieser Perspektiven rechnen viele Marktbeobachter mit einer starken Nachfrage. Aus dem Bundesfinanzministerium ist zu hören, daß vor allem Banken und Versicherungen ein großes Interesse an Hedgefonds signalisierten. Und auch in der Fondsbranche hofft man auf reges Geschäft: Da Privatanleger nur über Dachfonds in Hedgefonds investieren dürfen, hofft man auf eine rege Nachfrage. Und diese sollte sich dann auch in entsprechenden Mittelzuflüssen und Gebühreneinnahmen niederschlagen - eine neue Mittelquelle in der Ertragswüste.
Doch nicht alle Beobachter sehen in den Hedge Fonds die rettende Oase. Zuerst müsse man sich fragen, wer denn diese Produkte wirklich nachfragen werde. Bei den Großbanken geht man davon aus, daß es vor allem die wohlhabenderen Privatkunden sein werden, die zu Hedgefonds-Produkten greifen werden. Bei der breiten Masse könnte sich das Interesse in Grenzen halten. "Der Kleinanleger wird wenig Verständnis für solche Produkte haben", sagt ein Mitarbeiter einer Großbank. Deren Interesse dürfte auch sinken, wenn sich die Versprechungen hinsichtlich Rendite und Sicherheit der Hedge Fonds relativieren werden.
Üppige Gebührenstruktur - kümmerliche Rendite?
Zum einen haben Hedgefonds zumeist eine üppige Gebührenstruktur: Neben einer fixen Gebühr werden oft noch Erfolgsbeteiligungen von bis zu 20 Prozent fällig. Hinzu kommt das Begehren der Fondsgesellschaften, mit den Dachfonds, die dann in diese Hedgefonds investieren, Geld zu verdienen - da wird dann nochmals ein Gebührenschnaps drauf gelegt. Diese Gebühren wollen erst einmal verdient sein, bevor der Anleger Rendite sieht.
Zudem könnten die Renditen der Hedgefonds auch darunter leiden, daß ihnen immer mehr Geld zufließt. Viele Anlagestrategien lassen sich aber nur mit einem geringen Mittelvolumen verfolgen. Je größer der Fonds aber wird, um so unbeweglicher wird auch das Fondsmanagement. Unter dem Strich könnten die Renditen der Hedgefonds nicht so üppig werden wie versprochen - mit den entsprechenden Folgen für das Interesse der Anleger.
Selbiges dürfte auch in anderer Hinsicht einen Dämpfer erhalten: Unter vielen Branchenbeobachtern gilt es als ausgemacht, daß auch Deutschland früher oder später einen handfesten Skandal um einen Anbieter haben wird - wo so viel Geld unterwegs ist, muß man damit rechnen, daß auch wenig seriösere Anbieter versuchen, ihren Schnitt zu machen.
Aber auch auf der Beratungsseite muß man damit rechnen, daß es Ärger geben wird: Hedgefonds sind komplizierte, beratungsintensive Produkte, die nicht für jedermann geeignet sind. Kann und wird jeder Bankberater dem ratsuchenden Anleger erklären können, was ein Hedgefonds ist und welche Strategien die im Dachfonds vertretenen Fonds verfolgen? Bei den Banken gibt man sich optimistisch: "Wir schulen unsere Berater im Privatkundengeschäft laufend - auch zu Themen wie Hedgefonds", heißt es bei der Dresdner Bank. Man habe bei der Ausbildung der Nachwuchskräfte ein spezielles Lernmodul zu diesem Thema entwickelt und eine Lernbroschüre angefertigt.
Rechtsstreitigkeiten stehen wahrscheinlich früher oder später an
Andere Institute, beispielsweise die Commerzbank berufen sich auch auf die Erfahrung ihrer Berater beim Verkauf von Hedgefonds-Zertifikaten. Dennoch schule man auch die Berater im Privatkundengeschäft mit schriftlichem Informationsmaterial und Informationsveranstaltungen. "Wir schulen unsere Berater laufend, auch zu diesem Thema", heißt es auch bei der Deutschen Bank. Zusätzlich gebe es Lehrbriefe mit einem beigefügten Test zur Kontrolle des Lernerfolgs. Fondsgesellschaften wie die Union Investment verweisen zudem auf Risikoklassifizierungen, die sie auf den Fondsbroschüren abdrucken. Zusätzlicher Schutz vor Fehlberatung, so glaubt man in der Branche, dürfte die Termingeschäftsfähigkeitserklärung sein, die jeder Anleger unterzeichnen muß, bevor er investieren darf.
Doch Schulungen, Warnhinweise und Termingeschäftsfähigkeitserklärungen gab es auch schon, bevor die Deutschen das Hedgefonds-Fieber ergriff - und doch gibt es genügend Beispiele für Fehlberatungen. Vor diesem Hintergrund muß man damit rechnen, daß es auch bei Hedgefonds in absehbarer Zeit einige delikate Rechtsstreitigkeiten einstellen dürften, die dem Image des Produktes nicht unbedingt zuträglich sind. Die Fondsbranche sollte sich vorsehen, daß aus der Oase nicht unversehens eine Fata Morgana wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |