04.07.2005 · Mischfonds sind nicht nur die Vermögensverwaltung des „kleinen Mannes“ - auch große Investoren wissen die Produkte zu schätzen.
Von Hanno BeckEigentlich läßt sich niemand gerne als klein bezeichnen. Und die Bezeichnung "kleiner Mann" als Synonym für den Durchschnittsbürger hat immer eine leicht negative Konnotation - auch wenn schon rein definitorisch bedingt die meisten von uns der kleine Mann respektive die kleine Frau sind, so man denn diesen Ausdruck für den Durchschnittsbürger verwendet.
Und da diese Bevölkerungsgruppe nun einmal die Masse der Bevölkerung stellt, darf man getrost vermuten, daß hier viel Geschäft lauert. Denn Masse gibt es bekanntlich vor allem da zu holen, wo auch Masse ist.
Immer im richtigen Wind..
Gemessen an der Idee, die Masse dort zu suchen, wo Masse ist, sind Mischfonds kein Investment des kleinen Mannes: Rund 300 Mischfonds zählt die Statistik des Branchenverbands BVI, insgesamt werden in Deutschland etwa 500 Mischfonds dem Publikum angedient - bei Aktienfonds weist alleine der BVI schon mehr als 1.000 Produkte aus.
Entsprechend deutlich sind auch die Zahlen, was das Fondsvermögen angeht. In Mischfonds haben die BVI-Gesellschaften rund 26 Milliarden Euro eingesammelt, die Aktienfonds dieser Gesellschaften hingegen verfügen fast über 150 Milliarden Euro an Anlegergeldern. Gemessen an der Masse, scheinen Mischfonds also kein Investment des kleinen Mannes zu sein.
Sind sie doch, glaubt Thilo Steiger, Fondsmanager bei Delta Lloyd: "Mischfonds sind eine günstige Vermögensverwaltung für Kleinanleger, die sich aufgrund ihrer geringen Komplexität vor allem für Einsteiger anbieten", glaubt er. Der Charme dieses Produktes liegt in der Tat in seiner Einfachheit. Ein guter Mischfonds, so die Idee, kann den Stürmen am Aktienmarkt ausweichen, indem er sich auf die Rentenseite schlägt. Ist auf dem Rentenmarkt hingegen wenig zu holen, so kann er sein Heil auf der Aktienseite suchen.
Schafft es der Mischfondsmanager, zur rechten Zeit im rechten Markt zu sein, so kann er die Sicherheit des Rentenmarktes mit den Chancen des Aktienmarktes ausbalancieren und nimmt dem Anleger eine wesentliche Entscheidung ab. Dieser muß sich nicht darum kümmern, zu welchem Zeitpunkt er in welchem Markt aktiv sein will, das macht dann ein Profi für ihn.
.. oder in ständiger Flaute?
Allerdings kann man dieses Szenario auch ein wenig unfreundlicher schildern, mit der Situation wie sie die Mischfonds in den Jahren von 2000 bis 2003 erlebten. Die Baisse am Aktienmarkt belastet das Portfolio, den Wertverlust können die Rentenanteile im Portfolio nur unzureichend auffangen. Geht es an den Aktienbörsen aber wieder nach oben, so sind die Mischfonds nicht zur Gänze dabei, da sie ja auch im Rentenmarkt investiert sind. Der Preis für die theoretisch geringere Volatilität der Mischfonds ist dann eine schlechtere Wertentwicklung.
Nun ist aber Mischfonds nicht gleich Mischfonds. Die Branche unterscheidet zumeist zwischen konservativen, flexiblen und dynamischen Mischfonds, wobei sich die Einordnung des Produktes in die entsprechende Klasse letztlich nach dem riskanten Aktienanteil bestimmt: Fonds mit geringem Aktienanteil gelten als konservativ, Produkte mit hohem Aktienanteil hingegen als dynamisch, und der Rest wird unter dem Sammelbegriff flexibel verbucht.
Wertentwicklung und Risiko dieser Fonds entsprechen zumindest für das laufende Jahr und auf Einjahres-Frist der theoretischen Intuition: Konservative Mischfonds haben im laufenden Jahr rund 3,7 Prozent eingespielt, flexible Mischfonds erbrachten rund 4,8 Prozent und die Dynamiker kommen auf fast 6 Prozent. Wechselt man hingegen auf die Fünf-Jahresfrist, so haben die konservativen Produkte für ihre Anlegern knapp 2,5 Prozent verdient, flexible Fonds kommen fast unverändert heraus raus, und die Dynamiker haben knapp 1,5 Prozent eingebüßt, was dem höheren Aktienanteil geschuldet ist.
Verstehen, was vor sich geht
So einfach das jetzt klingt, aus dieser Palette den richtigen Mischfonds auszuwählen, so schwierig ist es dann doch: "Man muß verstehen, was diese Fonds wirklich machen", sagt Dietmar Herbach von Feri Wealth Management. Manche Fonds bewegen sich innerhalb klar definierter Anteilswerte für Aktien und Renten. Anders hingegen Fondsmanager wie Dennis Stattman von Merrill Lynch. Er darf in seinem Global Allocation Funds ohne Grenzen in Aktien, Anleihen, Geldmarkt investieren, ohne Limits oder regionale Grenzen. "Wenn so ein Fonds Ihrem Risikoprofil entspricht, brauchen Sie kein anderes Produkt mehr", sagt Stattman überzeugt.
Aber genau das ist auch einer der Kritikpunkte an diesen Fonds: Wirft der Anleger nicht sein Geld in ein schwarzes Loch, ohne zu wissen, was dann damit passiert? Die Antwort auf diese Frage ist letztlich auch Geschmackssache: Wer es bequem mag, sich um sein Geld wenig kümmern will und den Profis vertraut, der kann sich der Vermögensverwaltung des kleinen Mannes anvertrauen, vor allem dann, wenn sein Geldbeutel zu schmal ist, um in mehrere verschiedene Investment-Produkte zu investieren.
Auch für erfahrene Anleger interessant
Doch auch für den erfahrenen Anleger können Mischfonds Sinn machen, meint Herbach: "Eine Möglichkeit ist es, einen bestimmten Anteil des eigenen Portfolios selbst festzulegen, beispielsweise 80 Prozent. Ist man sich bei den restlichen 20 Prozent unsicher, ob und wenn ja wann man in welche Vermögensklasse investieren soll, so überläßt man diese Feinabstimmung des Portfolios einem Profi, indem man einen Mischfonds mit aktiver Investitionsgradsteuerung kauft", erklärt er. Als Anleger legt man sozusagen die großen Richtlinien für das eigene Portfolio fest und überläßt die Feinabstimmung dem Mischfondsmanager.
Bei der Auswahl des richtigen Fonds tun sich allerdings selbst Experten schwer - zu groß sind die Unterschiede in Investmentphilosophie, Anlagekonzept, Kosten und Wertentwicklung, als daß man mit einigen einfachen Überlegungen oder Ranglisten rasch den passenden Fonds findet.
Zudem lassen die nackten Zahlen zur Wertentwicklung nicht immer gleich erahnen, welcher Fonds wirklich erfolgreich ist. Ein guter Mischfonds kann sich auch dadurch auszeichnen, daß er nie ganz oben oder ganz unten dabei ist, sondern sich beständig im Mittelfeld hält - den findet man dann in den Ranglisten nicht so leicht. Also zumindest einmal kommt der Anleger nicht umhin, sich ein wenig Zeit zu nehmen, um sein Geld zu investieren und die in Frage kommenden Fonds genauer zu studieren.
Daß sich diese Mühe lohnen kann, legt zumindest eine andere Zahl nahe: Mehr als die Hälfte aller Spezialfondsmandate in Deutschland sind Mischfonds - die institutionellen Anleger wissen offenbar die Vorzüge eines solchen Produktes zu schätzen. Hier kann der kleine Mann vielleicht auch vom großen Investor lernen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |