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Fondsmarkt Fondskäufer ignorieren die Gebühren

04.07.2006 ·  Ein Experiment hat das Kaufverhalten von Fondsinvestoren untersucht. Das Ergebnis: Anleger orientieren sich stark an der Wertentwicklung und zahlen dabei viel zu hohe Gebühren.

Von Hanno Beck
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Auf was achtet man denn so im allgemeinen, wenn man einkaufen geht? Natürlich auf Qualität, Design, die Marke und vor allem natürlich den Preis. Dabei dürfte wohl als Faustregel gelten: Je ähnlicher sich die Produkte sind, um so wichtiger wird der Preis - wer würde etwas anderes behaupten?

Na, beispielsweise die Wirtschaftswissenschaftler James Choi, David Laibson und Brigitte Madrian. Sie haben sich nämlich das Kaufverhalten von Fondsinvestoren angesehen und sind zu einem merkwürdigen Ergebnis gekommen: Fondskäufer ignorieren die Gebühren der Fonds, die sie kaufen.

Testanleger kauften Fonds teurer als möglich

Die Sensibilität der Investoren gegenüber Gebühren erforschten die Wissenschaftler mit einem einfachen Experiment: Man gab den Versuchspersonen virtuelle 10.000 Dollar an die Hand, die sie in vier verschiedene Fonds investieren sollten. Damit die Probanden das Experiment auch ernst nehmen, kündigte man an, daß man per Los einigen Teilnehmern ihre im Experiment erwirtschafteten Rendite auszahlen würde. Zunächst drückte man den Probanden lediglich die Prospekte der Fonds in die Hand.

Das Ergebnis: Im Durchschnitt kauften die Testanleger Fonds wesentlich teurer, als es möglich gewesen wäre - mehr als 100 Dollar hätten sie sparen können, wenn sie die billigsten Fonds gekauft hätten. Das Problem dabei: Man hatte den Probanden vier Index-Fonds zur Auswahl gegeben, die sich alle nach dem gleichen Index richten und sich damit was Wertentwicklung und Managementqualität angeht, völlig gleichen.

80 Prozent zahlten viel zu hohe Gebühren

Warum haben die Probanden nicht den billigsten Fonds genommen? Eine Antwort auf diese Frage wären Informationskosten: Man ist zu bequem, um den billigsten Fonds herauszusuchen. In der Tat: Gab man den Probanden zusätzlich zu den Prospekten eine Kurzübersicht über die Gebühren der zur Auswahl stehenden Fonds, so griffen die Versuchspersonen tendenziell zu den billigeren Produkten - aber immer noch zahlten 80 Prozent der Versuchspersonen viel zu hohe Gebühren.

Ein etwas verwirrender Befund: Bei mit Blick auf die Wertentwicklung mehr oder weniger identischen Produkten und Informationskosten von praktisch null haben die Anleger dennoch nicht die billigsten Fonds gewählt - wie kann das denn sein?

MBA-Studenten mit guten Finanzkenntnissen

Offenbar sind es andere Entscheidungskriterien, welche die Fondskäufer zu Rate ziehen. Beispielsweise dieses: Einer dritten Kontrollgruppe legte man zusätzlich Grafiken mit der Wertentwicklung der Fonds seit deren Auflage vor. Da es sich um Indexfonds handelte, war die Wertentwicklung zwar grundsätzlich gleich, da die Fonds aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgelegt worden waren, wiesen sie natürlich eine unterschiedliche Gesamtwertentwicklung auf. Nach rationalen Maßstäben spielt diese Information also für die Kaufentscheidung keine Rolle - tat sie aber doch: Die Versuchspersonen griffen häufiger zu den Fonds mit der scheinbar besseren Wertentwicklung und verhagelten sich damit ihren Anlageerfolg.

Denn perfiderweise hatten die Wissenschaftler die Fonds so ausgesucht, daß die Fonds mit der scheinbar höheren Wertentwicklung höhere Gebühren hatten. Nun kann man ja dieses investmenttheoretisch befremdliche Verhalten damit begründen, daß es sich bei den Versuchspersonen um finanziell eher weniger gebildete Personen handelte - was leider nicht stimmt: Die Probanden waren MBA-Studenten mit guten Finanzkenntnissen.

Nicht Gebühren, sondern Marke entscheidet den Erfolg

Aber was hat sie zu diesem Verhalten bewogen? Eine mögliche Erklärung wäre eine falsch verstandene Diversifikation. So haben die Probanden ihr Geld auf verschiedene Fonds aufgeteilt, womöglich mit der Intention der Risikostreuung - auch wenn das bei identischen Produkten nicht nötig ist. Vielleicht war es aber auch die Marke, die anziehend wirkte? Das wäre Wasser auf die Mühlen der Marketing-Abteilungen. Nicht die Gebühren, sondern die Marke entscheidet über den Erfolg. Verhindern läßt sich das aber allemal.

Erstens zeigt das Experiment, daß die Gebühren um so mehr beachtet wurden, je besser die finanziellen Kenntnisse der Versuchspersonen waren. Und zweitens zeigten Befragungen der Probanden, daß diejenigen, die zu wenig auf die Gebühren geachtet hatten, unsicher waren und sich bei ihrer Anlageentscheidung selbst nicht wohl fühlten. Manchmal sollte man seinem Bauchgefühl vertrauen und auf den Kopf hören.

Quelle: F.A.Z., 04.07.2006, Nr. 152 / Seite 21
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