27.06.2006 · Zwischen arm und reich gibt es ein weites Feld. Dafür bieten Fondsgesellschaften die sogenannte Fondsbasierte Vermögensverwaltung oder Fondsvermögensverwaltung an. Der Service verzeichnet deutliches Wachstum, stößt aber auch auf Kritik.
Von Hanno BeckIm Volksmund und in der Politik ist, wenn es um Geld geht, immer nur von arm und reich die Rede - aber was ist denn mit denen, die nicht arm, aber auch nicht so richtig reich sind?
Nun kann man argumentieren, daß es nur oben und unten, schwarz und weiß, reich und arm gibt, doch dies flaniert an der Realität vorbei, vor allem in der Finanzbranche: Die Zahl derer, die wirklich große Vermögen haben, ist zu begrenzt, um ein einträgliches Massengeschäft zu generieren. Und diejenigen, die wirklich arm sind, drängen sich der Fondsbranche nicht als Zielgruppe Nummer eins auf. Doch zwischen diesen beiden Polen liegen Kunden, die es gilt, mit den Produkten und dem Service der Fondsbranche zu beglücken.
Fondsbasierte Vermögensverwaltung - ein Wachstumsfeld
Ein solcher Service ist die sogenannte Fondsbasierte Vermögensverwaltung oder Fondsvermögensverwaltung. Dabei handelt es sich um betreute Fondsdepots, welche die Banken ihren Kunden anbieten. Mit Summen ab 15.000 Euro ist der Kunde dabei - er muß lediglich mit seinem Berater klären, in welche Risikoklasse er eingestuft wird und wie seine Anlageziele aussehen, den Rest besorgt die Fondsvermögensverwaltung, inklusive einer ausführlichen Dokumentation. Auch etwas für die nicht ganz so Reichen oder Armen, meint Ulrich Gallus, Leiter Fondsberatung und Fondsvermögensverwaltung bei der Deka-Bank: "Anleger können so schnell und bequem weltweit investieren - auch in Randmärkte." Einen Erfolg kann man der Fondsvermögensverwaltung auf alle Fälle nicht absprechen: Sie wächst. Stolze 30 Milliarden Euro verwaltete Bestände zählt das Analysehaus Fondsconsult in seiner aktuellen Studie zur Fondsvermögensverwaltung - ein Plus von rund 50 Prozent innerhalb von etwa anderthalb Jahren. "Die Banken entdecken die Fondsvermögensverwaltung zunehmend als strategisches Geschäftsfeld", sagt Rüdiger Sälzle von Fondsconsult.
Ein Geschäftsfeld, das Kunden nicht unbedingt brauchen, glaubt Oliver Hansen, Leiter Bereich Vermögensverwaltung beim Bankhaus Wölbern - statt fondsbasierter Vermögensverwaltung könne der Anleger auch gleich in Aktien investieren. "Das Einfache ist oft das Geniale, es muß nicht immer ein Umweg sein", glaubt er. Wer nur 50 Euro monatlich sparen könne, komme an Fonds nicht vorbei; wer 250.000 Euro anlegen wolle, müsse diesen Weg nicht mehr gehen. Zum einen sei ein Investment in Aktien günstiger: "Selbst die Gesamtkostenquote weist ihnen nicht alle Kosten aus, mit denen Fonds belastet werden. Hinzu kommen die Vertriebskosten, die durch ausländische Wettbewerber hoch getrieben werden", nennt Hansen als erstes Argument. Auch mit Blick auf das Gesamtportfolio sieht er bei Fonds Probleme: "Wenn Sie mehrere Fonds gleichzeitig halten, wissen Sie nicht genau, wie Ihre Allokation insgesamt aussieht und wie hoch der Anteil einer einzelnen Aktie, die in mehreren Fonds ist, wirklich ist." Konsequenterweise erfolgt beim Bankhaus Wölbern die gesamte Vermögensverwaltung für die etwas betuchteren Kunden ganz ohne Fonds, wie Hansen erläutert. Und statt sämtlicher Gebühren gibt es nur ein Festhonorar.
Leistungsvergleich hat einige Tücken
Welche der beiden Varianten letztlich besser ist, müßte man eigentlich an der Wertentwicklung der fondsbasierten Vermögensverwaltung ablesen - was allerdings schwierig ist: Ein Haken an der Fondsvermögensverwaltung ist, daß ein Leistungsvergleich einige Tücken hat: Die meisten Portfolios sind sehr individuell in der Zusammensetzung, was einen Vergleich mit anderen Portfolios oder Indizes schwierig macht - da läuft man rasch Gefahr, Boskoop mit Williams Christbirne zu vergleichen. Dennoch - bei aller Vorsicht lassen sich Tendenzen ausmachen, sagt Sälzle: "Die Wertentwicklung der Fondsvermögensverwaltungen hat sich in den vergangenen Jahren gebessert - zumindest auf kurze Frist brauchen die Anbieter den Vergleich mit einem Index nicht mehr zu scheuen", sagt er. Allerdings gebe es innerhalb der einzelnen Risikoklassen noch deutliche Unterschiede in der Wertentwicklung, die sich teilweise auf bis zu 50 Prozent belaufen. Auch bei den Gebühren gebe es große Unterschiede, diese bewegen sich Fondsconsult zufolge zwischen 0,95 und 2,32 Prozent.
Für den Anleger dürfte es unter dem Strich auch eine Frage der persönlichen Neigungen sein, ob er diese Form der Vermögensverwaltung wählt - keine einfache Frage. Wenigstens hierin sind alle Anleger - ob arm, nicht so arm, reich oder nicht so reich - offenbar gleichgestellt: Wir haben einen Überschuß an einfachen Fragen und einen Mangel an einfachen Antworten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |