19.04.2004 · Was ist besser - Fonds oder Zertifikate? Einfache Frage - schwierige Antwort. Wer Zertifikate versteht, dürfte mit ihnen zurecht kommen. Wer an die Qualität der Fondsmanager glaubt, könnte zur Fondsanlage neigen.
Von Hanno BeckDer Mensch - speziell der investierende Mensch - sehnt sich nach einfachen Lösungen und klaren Antworten: Werden die Märkte steigen oder fallen? Ist die Aktie günstig bewertet? Und: Was ist besser - Fonds oder Zertifikate?
Mit der letzteren Frage muß sich die Fondsbranche zunehmend auseinandersetzen, denn der Markt für Zertifikate blüht und gedeiht, während in der Fondsbranche Sättigungserscheinungen heraufbeschworen werden. Zudem scheinen die Verfechter der Zertifikate die besseren Argumente an der Hand zu haben: Zertifikate sind für den Anleger kostengünstiger und transparenter, zudem seien die meisten Fondsmanager nicht in der Lage, den Index auf Dauer zu schlagen - da könne man dann gleich mit einem Zertifikat den Index kaufen. Ist dies aber wirklich so einfach und klar?
Transparenzdefizite sowohl bei Fonds als auch Zertifikaten
Hinsichtlich der Transparenz sind Einschränkungen angebracht, denn was die Quellen der Erträge für die Emittenten angeht, so sind diese bei Zertifikaten nicht immer transparent: Die Emittenten verdienen ihr Geld über die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, über mögliche einbehaltene Dividenden, über Zinsvorteile, die ihnen aus der sofortigen Überlassung der Kundengelder entstehen, und teilweise aus Gebühren. Wie die Ertragsstruktur eines Zertifikates aussieht, können von außen nicht einmal Profis exakt einschätzen. Hingegen kann der Anleger bei Fonds auf die Gesamtkostenquote, die sogenannte "total expense ratio" (TER), zurückgreifen - allerdings zeigt auch die TER nicht alle Fondskosten. Insofern muß man, was die Herkunft der Erträge angeht, zwischen Zertifikaten und Fonds zumindest ein Unentschieden konstatieren.
Transparenter aber, so die Zertifikatefreunde, seien Zertifikate hinsichtlich des Kostenvergleichs - man vergleiche Zertifikate mit gleicher Laufzeit auf den gleichen Index und könne dann immer unmittelbar ablesen, welches der beiden Produkte günstiger sei. Bei Fonds ist das in der Tat schwieriger: Es werden sich kaum zwei Fonds finden, die sich einwandfrei miteinander vergleichen lassen, da sich der Anleger mit dem Fonds unterschiedliche Managementleistungen und Risikoprofile einkauft. Der Haken an dem Zertifikatevergleich: So einfach ist es auch nicht, zwei hinsichtlich ihrer Ausstattung völlig identische Produkte zu finden - trotz der fast 10.000 Zertifikate, die mittlerweile in Deutschland im Umlauf sind.
Fonds als Option auf einen guten Fondsmanager
Und wie sieht es mit der Transparenz der Produkte aus? Wer in ein Zertifikat investiert, der weiß genau, welche Werte darin enthalten sind, und kann bei Indexzertifikaten den Wert des Produktes unmittelbar jeder Tageszeitung oder dem Videotext entnehmen. Klarer geht es nicht mehr, oder? Die Fondsbranche reklamiert, daß auch Fonds transparent seien: "Wir veröffentlichen Rechenschaftsberichte und Halbjahresberichte, denen der Anleger entnehmen kann, was das Management gemacht hat - wo gibt es das für Zertifikate?" fragt Andreas Fink vom BVI, der Interessenvertretung der Fondsbranche. Allerdings kann sich der Kunde nie sicher sein, was sein Fondsmanager morgen machen wird. Beim Zertifikat bleiben da keine Fragen offen, außer vielleicht einer Frage: Wer ist besser, der Fondsmanager oder ein mehr oder weniger statisches Zertifikat? Klar ist zumindest, daß ein Indexzertifikat seinem Besitzer nie mehr einbringen kann als der Index; beim Fonds hingegen kauft der Anleger die Option, daß der Fondsmanager flexibler auf Änderungen im Investmentuniversum reagieren kann. Wenn sich die Spielregeln am Markt ändern, kann das natürlich von Vorteil sein - muß es aber nicht.
Einen wesentlichen Vorteil sieht die Fondsbranche in der Konstruktion der Sondervermögen, die dem Anleger stets sein Kapital sichert, auch wenn die Fondsgesellschaft untergeht. Das ist in der Zertifikatewelt anders: Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen: Sollte der Emittent dieses Papiers in Konkurs gehen, so stehen die Zertifikatekäufer mit leeren Händen da. Vor diesem Hintergrund muß es verwundern, daß die Bonität des Emittenten für den Preis eines Zertifikates bisher keine Rolle spielt - auf dem Anleihemarkt wäre das undenkbar. "Die meisten Zertifikate haben eine so kurze Laufzeit, daß das Bonitätsproblem hier keine große Rolle spielt", sagt Christian Fischer von Io Capital Partners. Allerdings kommen derzeit zunehmend Endloszertifikate mit unbegrenzter Laufzeit in Mode - da stellt sich schon die Frage nach der Bonität des Emittenten.
Bei Endloszertifikaten stellt sich die Frage nach Bonität der Emittenten
Noch komplizierter wird die Diskussion, wenn man sich klarmacht, daß die Argumente der Zertifikatebefürworter implizit eigentlich immer auf klare, einfache Indexzertifikate abstellen; doch machen diese Papiere Schätzungen zufolge gerade einmal 5 Prozent des Gesamtmarktes aus. Widmet man sich exotischeren Zertifikaten, die mit Optionskomponenten ausgestattet sind, nach beliebigen Regeln Aktienkörbe zusammenstellen oder auf Branchenthemen setzen, so spricht man hier rasch von komplexen Produkten, deren Gebührenstruktur sich dem Anleger ebensowenig erschließt wie die Strategie, die diesem Papier zugrunde liegt. Diese Produkte kann man nicht mehr mit einem normalen Brot-und-Butter-Fonds vergleichen. Hinsichtlich der Beratungskosten kann man bei den Produkten Gleichstand konstatieren: In beiden Fällen weiß der Anleger nicht, welche Anteile der Gesamtkosten an den Berater fließen. Der Berater könnte beispielsweise kurzlaufende Zertifikate bevorzugen, da jeder erneute Anlagebedarf auch wieder neues Geschäft für ihn bedeutet.
Gibt es also eine klare, einfache Antwort? Wohl kaum, eher ein "es kommt darauf an". Wer die Strategie der komplexeren Produkte versteht, ist mit Zertifikaten sicher gut beraten. Auch wer einen breiten Aktienmarkt passiv abdecken will, macht mit einem Zertifikat keinen Fehler. Wer auf einzelne Themen setzt, langfristig denkt und glaubt, daß es Fondsmanager gibt, die ihr Gehalt wert sind, kann ihnen auch sein Geld anvertrauen. Der Rest der Welt scheint interessanterweise den Fondsmanagern mehr zu vertrauen als die Deutschen: Zwei Drittel des Marktes für Derivate im Endkundengeschäft sind fest in Hand der deutschen Endkunden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |