27.05.2009 · Die Branche atmet durch: Die Anleger ziehen zwar noch Geld aus Aktien- oder Rentenfonds ab. Doch die Bewegung verlangsamt sich. Viele parken ihr Geld indes in Geldmarktfonds, bis sie mehr Klarheit über die weitere Entwicklung der Märkte haben.
Von Christian Hiller von GaertringenDie Lage in der europäischen Fondsbranche hat sich im ersten Quartal dieses Jahres entspannt. Die Gesellschaften verzeichneten unter dem Strich Mittelzuflüsse von 22 Milliarden Euro, teilte der europäische Fondsverband Efama am Dienstag mit. Der Jahresauftakt 2009 markiert somit das erste Quartal seit dem Sommer 2007, in dem die europäischen Anleger mehr in Fonds einzahlten, als sie gleichzeitig abzogen. In den sechs Quartalen zuvor überwogen jeweils die Mittelabflüsse. Im vierten Quartal 2008 lagen die Mittelabflüsse bei netto 142 Milliarden Euro. Die Zahlen über den Absatz von Investmentfonds sind ein wichtiger Gradmesser für die Stimmung unter den europäischen Anlegern.
In einzelnen Fondskategorien sind die Verluste jedoch nach wie vor hoch. Ein Minus von 30,3 Prozent meldete der deutsche Fondsbranchenverband BVI für international anlegende Aktienfonds auf Jahresbasis per 30. April. Deutsche Aktienfonds haben in diesem Zeitraum einen Wertverlust von 33,5 Prozent erlitten. Klassische Euro-Geldmarktfonds dagegen erreichten eine jährliche Rendite von 1,7 Prozent und internationale Rentenfonds ein Plus von 9 Prozent.
Geldmarktfonds wieder als sicherer Hafen
Auch auf europäischer Ebene ist die Erholung noch instabil, da sie auf einigen wenigen Sonderfaktoren beruht. So haben hohe Mittelzuflüsse in Frankreich und hier auch nur in Geldmarktfonds für das positive Ergebnis gesorgt. Dort schnitt die Fondsbranche mit Mittelzuflüssen von 32,8 Milliarden Euro im ersten Quartal ab, wobei allein Geldmarktfonds ein Plus von 41,3 Milliarden Euro vorlegten. „Seitdem sich der Geldmarkt vom Schock erholt hat, der durch die Insolvenz von Lehman Brothers ausgelöst wurde, werden Geldmarktfonds wieder als sicherer Hafen wahrgenommen“, heißt es bei der Efama.
Das Interesse an Geldmarktfonds zeige, dass die Unsicherheit über die Lage an den Finanzmärkten anhalte, sagte Bernard Delbecque, Chefvolkswirt der Efama, gegenüber dieser Zeitung. „In der Nachfrage nach Geldmarktfonds schlägt sich nieder, dass die Anleger Parkplätze für ihr Geld suchen, bis sie mehr Klarheit über die weitere Entwicklung an den Märkten haben“, sagte Delbecque.
Druck von Aktien- und Rentenmärkten genommen
Aus Aktienfonds und Mischfonds zogen die Anleger weiterhin mehr Mittel ab, als sie einzahlten. Dennoch kann in der Stimmung der Anleger eine Entspannung festgestellt werden. So flossen im vierten Quartal 2009 unter dem Strich mehr als 27 Milliarden Euro ab. Diese Bewegung verlangsamte sich auf 3,5 Milliarden Euro in den ersten drei Monaten 2009. Bei Rentenfonds verringerten sich die Netto-Mittelabflüsse von 69,6 Milliarden Euro im letzten Quartal 2008 auf 4,3 Milliarden Euro.
Diese Entwicklung ist auch insofern positiv, weil durch die Verlangsamung der Mittelabflüsse der Verkaufsdruck, der auf den Aktien- und Rentenmärkten lastet, abgenommen hat. Damit dürfte die Entspannung im Fondsgeschäft zur Erholung an den europäischen Aktienmärkten in den vergangenen Wochen beigetragen haben. Allerdings fand die Erholung im Absatz von Aktienfonds hauptsächlich im Januar statt. Allein in diesem Monat betrugen die Mittelzuflüsse 27 Milliarden Euro netto.
Besonders deutsche Fondsgesellschaften in Luxemburg vertreten
Die Sonderentwicklung in Frankreich fällt auch deshalb ins Gewicht, da das Land mit einem Anteil von 25,7 Prozent am Vermögen in europäischen Publikumsfonds den zweitgrößten Markt in Europa stellt. Luxemburg ist mit einem Marktanteil von 29,1 Prozent der größte Fondsstandort in Europa, während Deutschland nur auf einen Anteil von 3,9 Prozent kommt. Nach wie vor legen besonders deutsche Fondsgesellschaften viele ihrer Produkte nicht in Deutschland, sondern in Luxemburg auf.
Frankreich hat vor allem dank der starken Stellung der Geldmarktfonds ein großes Gewicht im europäischen Investmentgeschäft. Dort erfüllen diese Produkte die Sparfunktion, die in Deutschland Tages- und Festgeldkonten haben. So kommen Geldmarktfonds in Frankreich auf ein Volumen von 531 Milliarden Euro, während sie in Deutschland nur 14 Milliarden Euro erreichen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |