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Fondsmarkt Der Markt für Rating-Agenturen ist übersättigt

29.08.2006 ·  Offenheit ist im Finanzgeschäft eine so rare Münze, daß sie um so lauter im Beutel klingelt, wenn man sie dann einmal erhascht. Das Scheitern von Scope zeigt, wie sich das Dickicht der Ratingagenturen wieder etwas lichtet.

Von Hanno Beck
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Offenheit ist im Finanzgeschäft eine so rare Münze, daß sie um so lauter im Beutel klingelt, wenn man sie dann einmal erhascht. So klang in der vergangenen Woche das Eingeständnis der Ratingagentur Scope nach: Der Markt für Wertpapierfonds-Ratings sei übersättigt, und das eigene Produkt habe sich angesichts dieser Übersättigung nicht gerechnet - deshalb werde man in Zukunft darauf verzichten, Aktien- und Rentenfonds zu bewerten.

So einfach kann es sein, unternehmerisches Scheitern einzugestehen - eine Übung, vor der sich Unternehmenslenker und -führer stets scheuen und einem auch noch die sattesten Verluste gerne als „Investitionen“ unter die Anlegerweste jubeln wollen.

Investment-Mann oder Anlage-Frau

So hell die Scope-Meldung auf dem Tresen der Finanzbranche klingelte, so wenig überraschend war sie auch: Schon seit längerem sagen Branchenbeobachter voraus, daß sich das Dickicht der verschiedenen Fonds-Ratingagenturen lichten wird. Mehr als zehn Anbieter sind in diesem engen Markt unterwegs, um ihre Dienste - eine Bewertung der Fonds zur Information von Investoren - an den Investment-Mann oder die Anlage-Frau zu bringen.

Die Grundidee ist simpel: Ein unabhängiger Dienstleister bewertet die Fonds - die Anleger, die in einen Fonds investieren wollen, können anhand dieser Bewertung dann den für sie besten Fonds aussuchen. Bei zu vielen Ratinganbietern verliert dieses Modell jedoch rasch an Charme: Je weniger der Kunde überblicken kann, welche Agentur mit welchen Methoden was für Noten vergeben hat, um so weniger wird er auf das Rating achten - was man nicht kennt und nicht versteht, braucht niemand.

Mehr als eine Ratingagentur

Diese Überlegung erklärt, warum der Markt für Ratings ausgedünnt werden muß. Doch sie beantwortet erstens nicht, wie viele Ratingagenturen der Markt braucht, und hat zweitens auch keine Antwort darauf, welches Rating denn auf dem Markt bleibt. Auf die erste Frage läßt sich nur eine unscharfe Antwort geben: Es braucht mehr als eine Ratingagentur, damit es auch Konkurrenz unter den Anbietern gibt, die Schlamperei, Ineffizienzen und unsaubere Methoden verhindert.

Es braucht aber offenbar weniger Agenturen, als bereits unterwegs sind. Die genaue Antwort wird man dereinst den Geschichtsbüchern der deutschen Finanzbranche entnehmen können - vielleicht. Frage Nummer zwei - wer denn am Markt bleiben werde - ist genauso schwierig. Daß Scope nicht zu den Favoriten im Wettlauf um den Rating-Kunden gehört, wußte man allerdings schon vorher - zu laut waren die Ereignisse um den Berliner Finanzdienstleister und seine umstrittene Kurzzeit-Galionsfigur, das Immobilienfonds-Enfant-Terrible Alexandra Merz.

Familiäre Bande aufgedeckt

Frau Merz wechselte unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen von der Ratingagentur Moody's zu Scope und brachte auch das Wertpapierfonds-Rating-Konzept mit - respektive ihr Ehemann brachte es mit. Doch das Rating-Modell floppte. Darüber hinaus machte sich Frau Merz keine Freunde mit ihrem Streit mit der Immobilien-Fondsmanagerin Barbara Knoflach und ihrer Verkaufsempfehlung für einen Fonds der Gesellschaft Kan-Am, die zur vorübergehenden Schließung zweier Kan-Am-Fonds führte.

Als sich Frau Merz und Scope inmitten des Schlachtenlärms leise trennten, war eigentlich klar, warum - und doch nicht so klar: Manche Branchenkenner wollen wissen, daß Frau Merz den Mißerfolg des Wertpapierfonds-Ratings ebenso antizipierte wie die Gefahr, daß die Ermittlungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wegen möglicher Verletzung der Sorgfalt zu sehr auf ihre Person deuten könnten. Keine Frage - Alexandra Merz hat laut getrommelt und damit dem Unternehmen einen Bärendienst erwiesen; Scope selbst sattelte noch ein Pelztier drauf, als bekannt wurde, daß es familiäre Bande zwischen Scope und einem von Scope bewerteten Fonds gab.

Auf Kernkompetenzen konzentrieren

Also jetzt ein Neuanfang: Scope will sich nun wieder auf die vielbeschworenen Kernkompetenzen konzentrieren - die Bewertung geschlossener Fonds, von Zertifikaten und von offenen Immobilienfonds. Auf letzterem Gebiet wird sich Scope einer neuen Konkurrenz stellen müssen.

Der ehemalige Kooperationspartner Bullwien-Gesa wird nun mit einer eigenen Ratingagentur auf den Markt kommen, um offene Immobilienfonds zu bewerten. Mit im Boot: Alexandra Merz. Es scheint, als sei der Markt für Immobilien-Fonds-Ratings noch nicht übersättigt. Die Anleger allerdings, die man im Schlachtenlärm aus den Augen verliert, sind vielleicht schon lange satt.

Quelle: F.A.Z., 29.08.2006, Nr. 200 / Seite 19
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