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Fondsmarkt Das Duell: Fonds gegen Lebensversicherungen

11.07.2005 ·  Der Branchendienst Map-Report hat einen Vergleich zwischen Lebensversicherungen und Fondssparplänen angefertigt. Er fällt zu Gunsten der Versicherungen aus. Eine genauere Betrachtung relativiert jedoch das Ergebnis.

Von Hanno Beck
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Das hört man in der Fondsbranche nicht gerne: Der Branchendienst Map-Report hat, nachdem man seine Redakteure als "Volksverdummer" bezeichnet hat, abermals einen Vergleich zwischen Lebensversicherungen und Fondssparplänen angefertigt.

Diesmal ist man sich beim Map-Report aber sicher: Je länger der Zeitraum sei, über den man einen Vergleich anstelle, um so schlechter schnitten die Fondssparpläne im Vergleich zu kapitalbildenden Lebensversicherungen ab. Fonds seien fast chancenlos abgehängt. Da reibt sich nicht nur die Fondsbranche verwundert die Augen, auch der mit rudimentären theoretischen Vorkenntnissen belastete Investor fragt sich, wie das sein kann: Auf lange Frist, so steht es in den Lehrbüchern, werfen Investments mit höherem Risiko eine höhere Rendite ab. Wie kann es da sein, daß die gemeinhin als wenig riskant geltenden Lebensversicherungen die riskanteren Fondssparpläne schlagen? Da hilft nur ein genauer Blick auf die Studie.

Umstrittene „Risikobereinigung“

Zuerst ermittelt der Map-Report die Ablaufleistungen tatsächlicher Fondssparpläne und Lebensversicherungen aus der Vergangenheit; abzüglich der Leistungen für den Todesfallschutz, der ja in Versicherungen enthalten ist. Dabei unterstellte man einen 20jährigen Sparplan von monatlich 50 Euro. Das erste Ergebnis: Lebensversicherungen erbrachten im Schnitt eine Ablaufleistung von 24.263 Euro, Aktienfonds bescherten Anlegern durchschnittlich eine Auszahlung von 29.569 Euro. Das sieht nach einem klaren Sieg der Fondsprodukte aus - aber nicht mehr nach dem nächsten Schritt des Map-Reports. Dieser allerdings überfordert manchen Fachmann, wenn auch nicht aus intellektuellen Gründen: Um der Tatsache Rechnung zu tragen, daß die Kunden eher risikoavers seien, ermittelte der Map-Report die durchschnittlichen Schwankungen in der Wertentwicklung der Sparpläne und Versicherungen - die sogenannte Standardabweichung - und zog diese dann von der zuvor berechneten Wertentwicklung ab.

Um es deutlich zu machen: Laut Map-Report erzielten Aktienfondssparpläne im Schnitt 29.569 Euro. Um diesen Mittelwert streuten die einzelnen Ergebnisse aller Fonds im Schnitt um 10.156 Euro. Diese Summe, so glaubt man beim Map-Report, müsse man von der durchschnittlichen Ablaufleistung aller Fonds abziehen - macht im Schnitt dann nur noch eine Ablaufleistung von 19.412 Euro. Daß bei diesem Szenario Versicherungen besser abschneiden müssen als Fondssparpläne, liegt auf der Hand: Die Versicherer setzen traditionell auf eher wenig riskante Anlageklassen mit geringeren Kursschwankungen, was bedeutet, daß von deren Ergebnissen nach dieser Methode wesentlich geringere Wertschwankungen abgezogen werden. Ganz anders würde das aussehen, wenn man unter Betonung der Chancen eines Fondssparplans die durchschnittlichen Kursschwankungen der Investments zu den Ergebnissen hinzuaddieren würde - methodisch zumindest ist das kein Unterschied zum Vorgehen des Map-Reports.

Aber so ganz befriedigen kann das sicherlich nicht: "Das Verfahren des Map-Reports berücksichtigt einseitig nur die Risiken der Anlagen, nicht aber deren Chancen, es ist methodisch problematisch und so nicht akzeptabel", sagt Klaus Jaeger von der Freien Universität Berlin. Um der Unsicherheit von Investments bei der Auswahl Rechnung zu tragen, stellt er mit den Daten, die der Map-Report erhoben hat, eine etwas andere Frage: Er berechnet, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, daß ein Anleger, wenn er zufällig zu einem bestimmten Produkt greift, eine vorgegebene Mindestablaufleistung erhält. So rechnet er beispielsweise aus, wie hoch denn die Chancen der Anleger sind, den nach der Map-Methode bereinigten Mittelwert der Ablaufleistung einer kapitalbildenden Lebensversicherung, 22.840 Euro nach 20 Jahren, zu erreichen. Wählt der Anleger zufällig eine der Lebensversicherungen, die der Map-Report in seinen Berechnungen berücksichtigt hat, aus, so wird er mit einer Wahrscheinlichkeit von 84 Prozent eine Versicherung erwischen, die ihm mindestens diese Ablaufleistung beschert. Kauft der Kunde hingegen einen beliebigen Aktienfonds, so wird er mit einer Wahrscheinlichkeit von 72 Prozent einen Fonds erwischen, der ihm mindestens diese Wertentwicklung beschert.

Abwägen zwischen Risiko und Rendite entscheident für die Produktwahl

Das sieht zunächst nach einem Punktsieg für die Versicherungen aus, doch dieses Bild relativiert sich rasch, wenn man nun einmal fragt, wie hoch denn die Wahrscheinlichkeit ist, daß ein Kunde mit einem Produkt - Lebensversicherung oder Fondssparplan - mindestens 24.263 Euro erreichen will. Dieser Wert entspricht laut Map-Report dem durchschnittlichen Ertrag einer Lebensversicherung vor Risiko. "Eine kapitalbildende Lebensversicherung war nur in 50 Prozent aller Fälle in der Lage, diese Mindestwertentwicklung zu erreichen, bei den Aktienfonds haben 70 Prozent aller Produkte diesen Mindestertrag erreicht", rechnet Jaeger vor. Je nachdem, welche Ablaufleistung ein Anleger erwartet, ist er also mit Fonds durchaus besser bedient: Wer nur geringe Renditeansprüche stellt, greift besser zu einer Lebensversicherung - diese werden das Versprechen dieser geringeren Rendite mit einer höheren Wahrscheinlichkeit halten als Fondssparpläne.

Wer jedoch ein wenig höhere Ansprüche an die Wertentwicklung seines Produktes stellt, sollte besser zu Aktienfonds greifen: Diese werden mit einer größeren Wahrscheinlichkeit dieses Versprechen erfüllen können als Lebensversicherungen. Die größten Sieger bei diesen Berechnungen sind allerdings Mischfonds: Wer 20 Jahre lang monatlich 50 Euro in einen zufällig ausgewählten Mischfonds einzahlt und eine Mindestablaufleistung von 24263 Euro erwartet, wird in fast 74 Prozent aller Fälle auch diese Ablaufleistung erhalten.

Ein "Desaster für Fondssparpläne" nennt der Map-Report die Ergebnisse seiner etwas eigenwilligen Berechnungen. Die Berechnungen Jaegers könnte man auch anders interpretieren: Nur jede zweite zufällig ausgewählte Lebensversicherung aus der Untersuchung des Map-Reports schaffte es, die nicht risikobereinigte durchschnittliche Wertentwicklung aller Versicherer zu erreichen - die anderen 50 Prozent waren schlechter.

Wer aber die Ergebnisse der Berechnungen Jaegers mit nüchternem und unvoreingenommenem Auge liest, wird aus ihnen eine einfache Erkenntnis ziehen: Wem Sicherheit wichtiger ist als Rendite, der ist mit Lebensversicherungen besser bedient, wer aber ein Faible für Rendite hat, sollte zu Fonds greifen. Oder um es noch einfacher zu sagen: Er lebt noch, der Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite.

Quelle: F.A.Z., 12.07.2005, Nr. 159 / Seite 21
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