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Fondsmarkt Aufräumarbeiten bei offenen Immobilienfonds sind angelaufen

24.07.2006 ·  Nach der Krise fließen den offenen Immobiienfonds wieder Mittel zu. Die Branche weiß, wie dicht sie an einer Katastrophe vorbeigeschlittert ist und müht sich nun, die beste Art von Krisenmanagement zu betreiben: Vorsorge.

Von Hanno Beck
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Wer aus dem Sturm heimkommt, hat Erfahrung, sagt ein isländisches Sprichwort. Gemessen daran dürfte die deutsche Fondsbranche um einiges an Erfahrung reicher sein.

Gut sechs Monate sind vergangen, seit mit dem Grundbesitz-Invest der Deutschen Bank der erste offene Immobilienfonds die Rücknahme seiner Anteilsscheine aussetzte und damit eine Lawine auslöste. Teilweise panikartig zogen viele Anleger ihr Geld aus sämtlichen Immobilienfonds ab und brachten damit eine ganze Branche an den Rand einer Katastrophe.

Elementare Finanzierungsregeln verletzt

Das Problem war nicht neu: Die Fonds verwandelten das ihnen zufließende Geld in Beton, garantierten aber zugleich ihren Kunden die tägliche Verfügbarkeit der Mittel. Kurzfristig abrufbare Verbindlichkeiten bei zugleich langfristig gebundenem Kapital haben dann, als die Flucht aus dem Fonds einsetzte, allen Beteiligten gezeigt, was passiert, wenn elementare Finanzierungsregeln – langfristige Investitionsobjekte langfristig finanzieren, kurzfristige Investitionen kurzfristig finanzieren – verletzt werden. Im schlimmsten Fall hätten die Fonds in kürzester Zeit ihre Immobilien unter Wert verschleudern müssen, um den Liquiditätswunsch der Anleger zu befriedigen.

Der Wertverlust von im Expreß-Verfahren verkauften Immobilien hätte dann nicht nur die Anleger Geld gekostet, sondern möglicherweise alle Bilanzen, in denen Immobilien stehen, erheblich belastet – ein Preisverfall der Immobilien auf breiter Front hätte die gesamte Republik gehörig durchgeschüttelt.

Die Aufräumarbeiten sind angelaufen

Um so hörbarer ist das Durchatmen der Fondsanbieter, die zur Jahresmitte vermelden können, daß den offenen Immobilienfonds im vergangenen Monat per Saldo wieder Mittel zugeflossen sind – immerhin 220 Millionen Euro. Auch wenn die Schäden, die dieser Sturm hinterlassen hat, bei weitem noch nicht beseitigt sind, weil allein seit Jahresbeginn Anleger aus den Fonds mehr als 8 Milliarden Euro abgezogen haben – die Aufräumarbeiten sind angelaufen.

So berichtet die Dekabank, deren offener Immobilienfonds schon vor den Unruhen im Dezember vergangenen Jahres in eine Schieflage geraten war, daß die Sanierung des Fonds weitgehend abgeschlossen sei und die Wertentwicklung des Fonds auf knapp 4 Prozent steigen werde – zuvor hatte man mindestens 2 Prozent versprochen, um die Anleger bei der Stange zu halten. Die Deutsche Bank, deren Grundbesitz-Invest-Fonds im laufenden Jahr fast 2,3 Milliarden Euro Mittelabflüsse hinnehmen mußte, plant Berichten zufolge, in Zukunft den Namen ihrer internationalen Immobiliensparte RREEF mehr in den Vordergrund zu stellen – auch eine Form des Krisenmanagements, wenngleich nicht sonderlich originell.

Zwischen 2 und 7 Prozent Rendite

Den Immobilienfonds-Kapitänen kommt aber auch die Entspannung am deutschen Immobilienmarkt entgegen – die Zeit der besonders hohen Leerstände in Deutschland sei vorbei, sagen Experten und hoffen auf anziehende Preise. Zugleich haben die deutschen Fondsmanager, wie Zahlen des BVI zeigen, ihre Portfolios europäischer getrimmt, indem sie per Saldo mehr Immobilien im Ausland hinzukauften; auch das reduziert die Krisenanfälligkeit der deutschlandlastigen Fonds, die lange unter dem renditeschädlichen deutschen Immobilienklima litten. Zugleich, so frohlockt die Branche, hätten die Verkäufe gezeigt, daß die Bewertungen der Immobilien marktgerecht gewesen seien.

Unter dem Strich fällt der Schrecken für Anleger recht gering aus, gemessen an den aktuellen Wertentwicklungszahlen offener Immobilienfonds: Im Schnitt haben diese über zwölf Monate 3,7 Prozent abgeworfen. Die schlechteste Rendite betrug dabei 2 Prozent – das entspricht in etwa der Inflationsrate. Die besten Fonds haben teilweise um 6 oder gar 7 Prozent zugelegt, darunter auch der Kan-Am-Grundinvest-Fonds, der zu Jahresbeginn ebenfalls vorübergehend schließen mußte.

Dicht an der Katastrophe vorbeigeschlittert

Unter dem Strich spricht also vieles für eine kollektive Erleichterung, wenngleich kaum jemand in der Branche das Wort vom Ende des Sturms in den Mund nehmen will. Der Branchenverband BVI hat erste Regeln durchgesetzt, die in Zukunft ein Ausbluten der Fonds verhindern sollen.

Die Branche weiß, wie dicht sie an einer Katastrophe vorbeigeschlittert ist und müht sich nun, die beste Art von Krisenmanagement zu betreiben: Vorsorge. So gesehen, kann eine Krise eine produktive Veranstaltung sein – man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

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