14.08.2006 · Umfragen sind so etwas wie die Demokratie des kleinen Mannes: Da kann der Volksmund schnell, unkompliziert und ungeschminkt einmal seine Meinung loswerden. Auch die Finanzbranche mag Umfragen: Keine Woche, in der nicht irgendwo in ...
Von Hanno BeckUmfragen sind so etwas wie die Demokratie des kleinen Mannes: Da kann der Volksmund schnell, unkompliziert und ungeschminkt einmal seine Meinung loswerden. Auch die Finanzbranche mag Umfragen: Keine Woche, in der nicht irgendwo in einem Call-Center ein Mitarbeiter eifrig die Sparer, Anleger, Investoren und Finanzmuffel der Republik zu ihren Spar-, Investitions- und Anlageverhalten und -wünschen befragt.
Die jüngste Umfrage dieses Zuschnittes kursierte in der vergangenen Woche durch die Glasturmschluchten der heimlichen Finanzhauptstadt - das Deutsche Aktieninstitut (DAI) wollte wissen, wie es die Deutschen mit der Aktie halten.
Lust an Aktien und Fonds auf neuem Tief
Das Ergebnis ist entmutigend: Der deutsche Anleger verliert die Lust an Aktien. Um satte 8 Prozent ist die Zahl der Deutschen gefallen, die in Aktien oder Aktienfonds investieren. Nur noch 6,7 Prozent an der Bevölkerung investieren in diese Produkte - das ist der schlechteste Wert seit 1997.
Auch die Fondsbranche muß sich von den Ergebnissen dieser Hiobsbotschaft beeindruckt zeigen: Die Zahl der Aktienfondsbesitzer ist ebenso gefallen wie die Zahl derjenigen Aktionäre, die wenigstens in Mischfonds investiert sind und damit wenigstens ein bißchen Aktie an ihr Portfolio lassen. Von den stolzen 9,7 Millionen Fondsbesitzern, die entweder nur Aktienfonds oder aber wenigstens gemischte Fonds und damit ein klein wenig Aktie ihr eigen nennen, sind mittlerweile nur noch 7,3 Millionen übriggeblieben. Erfolg buchstabiert sich anders.
Renditefeigheit und Steuerfurcht
Natürlich folgt nun das, was immer auf unbefriedigende Umfrageergebnisse folgt: Die Ursachenforschung. Das DAI nennt als Gründe für die Aktienmüdigkeit der Deutschen den allgemeinen Rückgang der Aktienkurse und die Verunsicherung der Anleger durch die aktuelle Steuerdiskussion, die in Zukunft eine eher konfiskatorische Besteuerung von Kapitalerträgen befürchten läßt.
Das erste Argument ist sicherlich zutreffend, und schaut man sich dazu die Absatzzahlen für Garantieprodukte - egal ob Fonds oder Zertifikate - an, so liegt der Gedanke nahe, daß die Deutschen Verluste fürchten. Sehen wir der unangenehmen Wahrheit ins Auge: Wir Deutschen sind Renditefeiglinge.
Hin und Her...
Nun gibt es natürlich Argumente dafür, warum wir so wenig Mut haben, und die vornehmste ist wissenschaftlich. Eine der zentralen Theorien der Psychologen und Ökonomen, die prospect theory, attestiert Menschen generell eine hohe Aversion gegen Verluste: Wer ein Plus im Portfolio hat, neigt zu sehr dazu, dieses Plus zu sichern, indem er seine Gewinne verwirklicht.
Das klingt zutreffend für die Situation der vergangenen Monate: Viele Anleger haben sich in den vergangenen beiden Jahren ins Plus gekämpft und haben die ersten Anzeichen für Nervosität an den Börsen mit dem Griff zum Hasenpanier beantwortet. Was spricht dagegen, sich das zu sichern, was man schon hat?
Vielleicht die Rendite, muß der Einwand natürlich lauten. Hier muß man zwischen zwei Formen der Anleger unterscheiden: Die eine Sorte wirft sich mit ihren Investments mutig in den Kampf mit den Kursen, kauft, verkauft und kauft wieder - und zahlt zumeist dabei drauf. Selbst wer nicht den gesamten Ausgabeaufschlag auf seine Fonds zahlt, muß sich, wenn er Mühen und Zeit und Wertentwicklung seines Portfolios miteinbezieht, sehr sorgfältig überlegen, ob sich all der Aufwand gelohnt hat. Die Psychologie und verschiedene Studien sagen nein und verweisen auf das Phänomen der overconfidence: Studien zufolge zeigen viele Anleger zu viele und zu hektische Handelsaktivitäten, die sich unter dem Strich nicht rechnen.
An die 72er-Regel denken
Bleibt noch die Kategorie Anleger, die ganz auf Aktien oder Aktienfonds verzichten wollen, weil sie kein Risiko ertragen. Was das für die Rendite heißt, kann man einfach anhand der sogenannten 72er-Regel überprüfen. Diese Regel beantwortet die Frage, wie lange es bei einer bestimmten Rendite ungefähr dauert, bis sich ein Investment verdoppelt hat. Dazu teilt man einfach 72 durch den jeweiligen Zinssatz.
Ein Beispiel: Wer keinen Mut zu Aktien hat und in eine Bundesanleihe investiert, muß bei einer großzügig angenommenen Rendite von 4 Prozent rund 18 Jahre warten, bis sich sein Investment verdoppelt hat - 72 geteilt durch 4. Unterstellt man bei Aktien vorsichtig eine Rendite von 6 Prozent, so sind es rund 12 Jahre bis zur Verdoppelung des Investments, bei 8 Prozent nur noch 9 Jahre. Mit Hilfe dieser Regel kann der Anleger sich im Kopf ausrechnen, was ihn seine Aktienaversion in Jahren gerechnet kostet - vielleicht stellt er dabei fest, daß es oft der Mut ist, an dem der Erfolg hängt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |