14.03.2001 · Eine Erholung der amerikanischen Wirtschaft muss ins nächste Jahr verschoben werden. Das belegt eine Merrill Lynch-Umfrage unter mehr als 200 Fondsmanagern weltweit.
Die Stimmung unter den so genannten institutionellen Anlegern verschlechtert sich. Nach einer Umfrage, die das amerikanische Investmenthaus Merrill Lynch beim Meinungsforschungsinstitut Gallup in Auftrag gegeben hat, erwarten die Fondsmanager weltweit ein weiteres Abschmelzen des Gewinnwachstums auf der Unternehmensseite. Gegenüber den Ergebnissen der gleichen Umfrage im Dezember hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA fast verdoppelt. Demnach gehen 43 Prozent der befragten Fondsmanager von einem Konjunkturrückgang aus.
„Die Leute sind besorgt, dass der Gewinntrend weiter nach unten zeigen wird“, kommentiert David Bowers, Chef-Stratege bei Merrill Lynch, die Ergebnisse. Das dürfte dann auch der Grund dafür sein, dass mittlerweile die meisten Fondslenker von einer „U“-förmigen Entwicklung der Konjunktur mit einem länger anhaltenden wirtschaftlichen Tief ausgehen. Nur noch zehn Prozent der Umfrageteilnehmer glauben an einen „V“-förmigen Verlauf, bei dem sich die Wirtschaft bereits 2001 wieder erholen würde. Kaum verwunderlich, dass die Fondsmanager für das laufende Jahr ein Wachstum von nur noch 1,9 Prozent vorhersagen.
Trotz Rezessionsangst werden die Märkte als unterbewertet angesehen
Allerdings dürfte die wirtschaftliche Talfahrt nicht lange anhalten. Bereits im nächsten Jahr soll die US-Konjunktur schon wieder auf Erholungskurs sein, wenn es nach den Experten geht. Dabei stimmen nahezu alle darin überein, dass die Poltitk der Notenbanken weltweit noch zu restriktiv ist. Eine stärkere Versorgung der Märkte mit preiswerterem Geld würde nach Ansicht der befragten Fondsmanager die Gewinnerwartungen stabilisieren und den Aktienmärkten eine Rally von ihren derzeitigen Tiefständen ermöglichen.
Trotz der Bedenken über die Gewinnaussichten der Unternehmen, sieht eine Rekordzahl der Fondsmanager die Aktienmärkte als unterbewertet an. Nach der aktuellen Umfrage gehen heute deutlich mehr Experten als noch im Krisen-September von 1998 davon aus, dass die aktuellen Notierungen zu niedrig sind. Allerdings bleibt eine 20-Prozent-Chance, dass die Kurse in den nächsten drei Monaten noch einmal nach unten gehen.
Optimismus für Europa, Resignation bei Japan
Besonders optimistisch zeigen sich der Umfrage zufolge die europäischen Fondsmanager im Hinblick auf die Entwicklung ihrer heimischen Wirtschaft. Und werden dabei auch von ihren Kollegen in anderen Kontinenten unterstützt: Rund 84 Prozent der Fondsmanager außerhalb Europas gehen davon aus, dass sich die europäische Wirtschaft sich zumindest teilweise von der Entwicklung in den USA wird abkoppeln können. Mit entsprechend positiven Auswirkungen auf den Euro.
Eher enttäuschend fällt das Umfrage-Ergebnis für Anlagen in Japan aus. Die Fondslenker sind mehr und mehr überzeugt, davon, dass es der Wirtschaft im Land des Lächeln nicht gelingen wird, nennenswerte Wachstumsraten auf die Beine zustellen. Folge dieser Erwartung: Die befragten Experten schichten in Japan zunehmend Gelder von Aktien in Anleihen um.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.335,69 | −2,10% |
| Dow Jones | 12.393,50 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,2320 | −0,34% |
| Rohöl Brent Crude | 100,00 $ | −1,59% |
| Gold | 1.558,00 $ | 0,00% |