18.09.2009 · Fondsgesellschaften folgen mit ihrem Angebot gern dem Auf und Ab der Börse. In guten Zeiten versuchen sie, die Anleger mit immer neuen Produktideen zu ködern. Die Folgen jedoch gehen zu Lasten der Käufer.
Von Christian Hiller von GaertringenDie Fondsgesellschaften folgen in ihrer Produktpolitik gern dem Trend an den Aktienmärkten. In guten Zeiten versuchen sie, die Anleger mit immer neuen Produktideen zu ködern. In Zeiten der Baisse dagegen überwiegen Kostenüberlegungen - da streichen die Fondsgesellschaften gerne ihre Produktpalette zusammen und legen überholte Fonds mit anderen zusammen oder lösen sie komplett auf. Die Leidtragenden dieser Politik sind in erster Linie jene Anleger, die sich hinreißen ließen und ihr Geld in Fondsideen investierten, an denen die Fondsgesellschaften in schlechten Zeiten nicht festhalten wollen.
Allianz Global Investors schließt in diesem Jahr 109 Fonds. Und auch für das nächste Jahr habe die Fondsgesellschaft die Zahl der Schließungen nun von 35 auf „mindestens 40“ erhöht, sagte ein Geschäftsführer von Allianz Global Investors am Rande einer Branchenveranstaltung. Auch die DWS, Deka und viele andere Fondsgesellschaften dünnen in diesen Monaten ihr Angebot aus.
76 neue Produkte in drei Monaten
„Die Fondsgesellschaften in Deutschland haben eine zittrige Hand“, sagt denn auch Gerd Bennewirtz, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensberatung SJB Fondsskyline. „Nach dem Salami-Crash 2000 bis 2003 ist dies die zweite große Schließungswelle in der deutschen Fondsindustrie.“
Dies zeigt eine historische Analyse der Welle von Fondsauflagen und Fondsschließungen der vergangenen zehn Jahre. Fazit: Bis zum Platzen der Internetblase im März 2000 brachte die deutsche Fondsbranche unermüdlich neue Produkte auf den Markt. Damit folgte sie dem internationalen Trend (siehe Grafik). Denn die meisten Fonds wurden weltweit im zweiten Quartal 2000 aufgelegt. Allein in diesen drei Monaten wurden 76 neue Produkte auf den Markt geworfen. Dem Fondsvertrieb spielte dabei in die Hände, dass der internationale Aktienindex MSCI World über die 15 Monate zuvor ein Plus von mehr als 40 Prozent verzeichnete. Als es dann an den Aktienmärkten bergab ging, folgte die Fondsbranche, indem sie Neuauflagen zurückfuhr und Fonds zu schließen begann.
„Der härteste Einschnitt der vergangenen 20 Jahre“
Die nächste Aufwärtsphase an den Märkten von 2003 bis 2007 begleitete die Fondsbranche mit zahlreichen neuen Produkten: 597 Fonds legte sie in dieser Zeit neu auf, während sie nur 338 Fonds schloss oder mit anderen verschmolz. Produktideen fanden relativ unkompliziert Niederschlag im Angebot der Fondsgesellschaften, ohne dass Kostenkontrolleure großen Einfluss gehabt hätten. „Erlaubt ist, was gefällt“, umschreibt Bennewirtz das vorherrschende Motto in diesen Jahren.
Nun werden wieder Fonds, die aus Sicht des Anbieters nicht rentabel sind, rigoros vom Markt genommen. 213 Fonds seien allein zwischen April 2008 und April 2009 in den großen Geldanlagemärkten der Welt vom Markt genommen worden. „Für die Branche bedeutet das den härtesten Einschnitt der vergangenen 20 Jahre“, sagt Bennewirtz. Manchen Fonds war sogar eine Lebensdauer von nicht mehr als 13 Monaten beschieden. „Eine nachhaltige strategische Planung ist nicht zu erkennen“, sagt Bennewirtz.
Zögerliche Reaktionen auf bessere Zeitenm
Das geringe Durchhaltevermögen der Fondsgesellschaften hat Nachteile für den Anleger. So kann es ihm passieren, dass ihn die Zwangsentscheidung um lukrative Anlagechancen bringt. So wurde der GAM Star All Germany am 23. April 2003 geschlossen und somit genau in dem Augenblick, als der deutsche Aktienmarkt nach der langen Abwärtsbewegung Boden gefunden hatte.
Umgekehrt reagieren die Fondsgesellschaften zögerlich auf bessere Zeiten an den Märkten und kommen zu spät mit attraktiven Ideen auf den Markt. So legte der Aktienindex MSCI World zwischen April 2003 und Juni 2005 um rund 17 Prozent zu. Doch die Fondsbranche folgte dem Trend in dieser Zeit nur zögernd.
„Ein Fonds ist nicht gut, weil er neu ist“
Derzeit sind die Ressourcen der Fondsgesellschaften vor allem mit der Ausdünnung der Produktpalette gebunden. Neue Ideen, die in die neue Marktphase passen könnten, kommen - wenn überhaupt - nur sehr zögerlich auf den Markt. Doch die Vergangenheit zeigt, dass es für Anleger ein gewisses Risiko birgt, in Fondsmoden zu investieren. „Vorausschauende Fondskäufer lassen sich nicht von vermeintlich gutgemeinten Anlagevorschlägen in Produkte locken, die in der nächsten Welle von der Schließung betroffen sind“, warnt der Frankfurter Bankenberater Christoph Pape.
Anleger sind daher laut SJB gut beraten, einige Grundregeln zu befolgen: Ein Fonds sollte mindestens ein Volumen von 20 Millionen Euro haben - darunter ist er für die Fondsgesellschaft meist nicht rentabel. Und er sollte in der Regel mehr als drei Jahre alt sein. Erst dann lässt sich sagen, wie zuverlässig der Fonds geführt wird und ob die Aussagen des Fondsmanagements mit der Realität dauerhaft übereinstimmen. Außerdem sollten die Anleger darauf achten, ob sich die Fondsgesellschaft, der sie ihr Geld anvertrauen, prozyklisch verhält oder ob sie auch in schlechteren Zeiten zu ihren Überzeugungen, sprich, zu ihren Produkten steht. Generell warnen Anlageberater: „Ein Fonds ist nicht gut, weil er neu ist.“ Deshalb sollten Anleger Fondsgesellschaften bevorzugen, die eine langfristige Produktpolitik verfolgen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |