Die Frankfurter Börse hatte kaum eröffnet, da jagte auch schon die Nachricht über die Agenturticker: Die Julius Bär Kapitalanlage AG, eine Tochter des Schweizerischen Bankhauses Julius Bär, hat sich von ihrem Vorstandsmitglied Kurt Ochner getrennt. Ochner, der schon vor Wochen durch verschiedene Medienberichte ins Zwielicht des Verdachts auf Insiderhandel gerückt wurde, war gleichzeitig verantwortlicher Fondsmanager für die Spezialwerte-Fonds des Unternehmens.
Am bekanntesten ist der JB MS Special German Stock Fund. Der hatte zuletzt allerdings mit einem Minus von knapp 70 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten kaum an frühere Glanzzeiten anknüpfen können.
Was die Gründe für Ochners sofortige Entlassung angeht, nennt der Aufsichtsratsvorsitzende der Kapitalanlagegesellschaft, Leo Schrutt, „unterschiedliche Auffassungen über die Strategie des Unternehmens. Er hat sehr viel Zeit für Dinge aufgewendet“, so Schrutt, „die nicht Bestandteil des Fondsmanager-Geschäfts sind."
Unternehmensberater statt Fondsmanager
Dabei hatte Ochner offenbar sogar noch die Unterstützung einiger Spezialfonds-Kunden der Julius Bär KAG. Die jedenfalls hatten nicht auf eine Trennung von Ochner gedrängt. Vielmehr habe Ochner nach deren Auffassung als Experte für den Neuen Markt und Pre-IPOs sehr viel zur Profilierung von Julius Bär beigetragen.
Das räumte denn auch Schrutt ein. In der Pionierphase des Neuen Markts sei Ochner "sehr nahe" bei den Unternehmen gewesen und habe zeitweilig mehr die Rolle eines Beraters denn eines Fondsmanagers gespielt. Diese Positionierung Ochners habe in der ersten Phase des Wachstumssegments der Deutschen Börse ihre Berechtigung gehabt, das belegten nicht zuletzt seine Erfolge.
Herbe Kursverluste bei „Ochner-Favoriten“ am Neuen Markt
Jetzt aber befinde man sich in einer Konsolidierungsphase des Wachstumssegments, was eine andere Strategie erfordere. Um jedem Schaden möglichst früh vorzubeugen, beeilte sich Patrik Roeder, Vorstandsmitglied bei der Julius Bär KAG, zu betonen: „Mit dem Weggang ist keine Änderung der generellen Ausrichtung der von bisher von Kurt Ochner betreuten Fonds verbunden.“ Doch Roeder schränkte ein, der „Special German Stock Fund“ werde nicht mehr mit der Ochner eigenen Aggressivität ausschließlich in Werten des Neuen Marktes anlegen.
Das aber reichte schon, um am Neuen Markt für erheblichen Wirbel zu sorgen. Einige große Werte, die auch in Julius-Bär-Fonds vertreten sind, gerieten bis zum Nachmittagshandel unter erheblichen Druck. Am stärksten getroffen hat es die caatoosee AG, die bis zum Nachmittag gut 55 Prozent ihres Wertes verloren hat. Pixelpark gaben um 25 Prozent nach und Heyde gingen um zwölf Prozent zurück.
Schwere Bürde für den Nachfolger
Mit dem Weggang Ochners schlägt jetzt die Stunde von Carlo Seregni. Der ist derzeit noch Teamleiter für die europäischen Small-Cap-Aktivitäten der Schweizer und sitzt in Zürich. Seregni wird künftig zusätzlich die Verantwortung für den „Special German Stock Fund“ übernehmen. Allerdings hat sich auch Seregni mit dem von ihm gemanagten JB MS Special Europe Stock Fund zuletzt nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der Fonds rangiert mit einem Minus von gut 67 Prozent im Einjahresvergleich auf einem der hinteren Plätze im Feld der knapp 40 auf europäische Nebenwerte ausgerichteten Aktienfonds.