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Veröffentlicht: 10.03.2017, 15:34 Uhr

Robo-Advising Fondsbranche ist beim digitalen Wandel zu bequem

Verschläft die Fondsbranche den digitalen Wandel? Nach Umfragen ist das Thema dort noch nicht angekommen. Experten finden: Es wird allmählich Zeit.

von
© Vaamo Finanz AG Fintech Vaamo - Bedrohung für die Fondsbranche?

Vermögensverwaltung ist eine konservative Branche. Das zeigt sich nicht nur in ihrer Treue zu den Finanzmetropolen der Welt, sondern auch ihr Verhältnis zum technischen Wandel. Das ist eines der Ergebnisse der jüngsten jährlichen Umfrage der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers unter 185 Vorstandsvorsitzenden von Fondsgesellschaften aus 45 Ländern.

Martin Hock Folgen:

Dabei sehen sie ihn zwar nicht als unwichtig an. Immerhin waren zwei Drittel der Ansicht, der technische Wandel werde in den kommenden fünf Jahren das Wettbewerbsumfeld zumindest deutlich beeinflussen. Doch das sind nicht nur deutlich weniger als mit 77 Prozent in der Finanzdienstleistungsbranche in ihrer Gesamtheit.

Vielmehr aber sehen nur zehn Prozent die Förderung digitaler und technischer Fertigkeiten als Priorität, gegenüber 32 Prozent der Spitzenbanker und 28 Prozent der Chefs von Versicherungen. „Die Branche denkt beim Thema technologischer Umbruch nicht so agil wie sie sollte“, resümiert Barry Benjamin, Leiter der Abteilung Asset Management weltweit bei PwC.

Vorsicht vor den Internet-Riesen

Dabei scheinen neue Unternehmen, deren Geschäftsfeld eine weitgehend automatisierte Vermögensanlage ist, derzeit schier aus dem Boden zu sprießen und sind sie im Grunde eine Billig-Konkurrenz wie weiland die Direktbanken für das traditionelle Wertpapiergeschäft der Banken.

Christian Leurs von der Unternehmensberatung EGC Eurogroup Consulting hält die augenscheinliche Gelassenheit in der Fondsbranche auch für einen Fehler. Die größte Gefahr gehe dabei nicht so sehr von den Fintechs, sondern von den großen Internet-Unternehmen aus. Wenn Banken und Vermögensverwalter keine Agenda entwickelten, wo sie in fünf Jahren in puncto Digitalisierung stehen wollten, kämen irgendwann Apple, Google oder Facebook mit Macht in den Markt.

Das bedrohe zwar nicht Vermögensverwalter wie die Platzhirsche Deka, Union oder DWS. Denn diese verfügten über die Banken, zu denen sie gehörten, über direkte Vertriebskanäle weniger bedroht. „Wer die aber nicht hat, wird unter Druck geraten. Dann wird es sogar für etablierte Unternehmen sehr schwierig.“

Im Robo-Advising steckt viel Potential

Noch ist es aber nicht so weit. Mit Anlagesummen von einigen 100 Millionen Euro nimmt sich der Erfolg der „Fintechs“ gegenüber den rund 200 Milliarden Euro, die allein die Fondsgesellschaften der Sparkassen, der Volks- und Raiffeisenbanken und der Deutschen Bank verwalten, noch immer bescheiden aus.

Die automatisierte Vermögensverwaltung, oft auch als „Robo-Advising“ paraphrasiert, erzeuge derzeit in Deutschland noch keinen großen Veränderungsdruck, meint Markus Hammer, der bei PwC Deutschland den Bereich Asset & Wealth Management leitet. „Für Robo-Advising brauchen sie entweder Kunden mit hoher Sachkenntnis oder eine hoch entwickelte Technik, die ihm das Thema nahebringt. Von beidem sind wir in Deutschland noch ein ganzes Stück entfernt.“ Kurzfristig sei das Thema nur für versierte Anleger interessant und daher eher ein Randprodukt.

Leurs sieht aber Potential. Die Digitalisierung werde besonders für große Gesellschaften immer wichtiger. Ändern werde sich aber vor allem die Betreuung der Kleinkunden, die unverhältnismäßig teuer und mittels Robo-Advising sehr viel schlanker zu realisieren sei. Daher investierten viele Banken und Kapitalanlagegesellschaften in diesem Bereich bereits. Den Kunden könne das sogar zugute kommen, sei die Beratungsqualität in diesem Bereich bisweilen stark verbesserungsfähig. Es komme dabei darauf an, wie der Roboter-Berater aufgebaut sei. „Diese sind teilweise sehr, sehr gut aufgesetzt, berücksichtigen auch Anpassungen des Portfolios und eine Verteilung auf unterschiedliche Vermögenswerte und liefern auch eine gute Performance.“

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Für Hammer ist der Weg dahin allerdings eher lang. Erst einmal müsse sich die Branche der Fintechs in diesem Bereich auf einige leistungsfähige Anbieter konsolidieren. Auch Leurs räumt den Newcomern auf Dauer wenig Chancen ein. „Die Fintechs profitieren derzeit von einer geringen Regulierung. Sie müssen keine Beratungsprotokolle erstellen, sie haben keine Kosten für Richtlinien wie Mifid. Aber das wird irgendwann kommen. Und dann kommt es darauf an, wie viele Kunden man hat. Dann kommt man mit 500 bis 1000 nicht aus.“ Allzumal das Robo-Advising derzeit stark mit passiven Fonds verknüpft ist. Und dieses Geschäft sei doch eher margenschwach, sagt Hammer.

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