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Fondsbranche Geschlossene Fonds geraten in die Krise

 ·  Den Anbietern von geschlossenen Fonds in Deutschland geht es schlecht. Das Interesse der Anleger an unternehmerischen Beteiligungen an Schiffen, Flugzeugen oder Immobilien ist im ersten Halbjahr auf ein mehrjähriges Tief gesunken.

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Den Anbietern von geschlossenen Fonds in Deutschland geht es so schlecht wie lange nicht mehr. Das Interesse der Anleger an unternehmerischen Beteiligungen an Schiffen, Flugzeugen oder Immobilien ist im ersten Halbjahr auf ein mehrjähriges Tief gesunken. Dies geht aus Studien des Fondsanalysehauses Scope Analysis und des Verbands Geschlossene Fonds (VGF) hervor. "Das Geschäftsklima im Bereich geschlossener Fonds befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit Beginn seiner Erhebung Anfang 2003", heißt es in der Untersuchung von Scope. Nun befürchten Branchenvertreter, dass unternehmerische Beteiligungen insgesamt in Deutschland in Mitleidenschaft gezogen werden.

Besonders hart hat es im ersten Halbjahr Schiffsfonds getroffen. "In diesem Bereich ist die Emissionstätigkeit inzwischen fast völlig zum Erliegen gekommen", heißt es bei Scope. Nur rund 20 Schiffsfonds seien in den ersten sechs Monaten 2009 neu auf den Markt gekommen, gegenüber fast dreimal so viel im ersten Halbjahr 2008. Dieser starke Rückgang überrascht angesichts der Flaute in der internationalen Seeschifffahrt nicht.

Viele Schifffonds sind notleitend geworden

Mindestens 70 Schiffsfonds sind schon notleidend geworden, ergab zudem eine Umfrage der Zeitschrift "Fondszeitung" bei den Emittenten. In einigen Fällen müssen die Anleger sogar damit rechnen, Kapital nachschießen zu müssen (F.A.Z. vom 29. Juli). Denn geschlossene Fonds sind unternehmerische Beteiligungen, zum Beispiel an einem Containerschiff oder einem Frachter. Die Investition hat in der Regel eine Laufzeit von 10 bis 25 Jahren. Meistens werden die Fonds in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG aufgelegt, bei der die Anleger Kommanditist mit allen unternehmerischen Rechten und Pflichten und somit Teilhafter werden.

"Schiffsfonds leiden derzeit unter erheblichem Vertrauensverlust", heißt es bei Scope weiter. "Die Fälle, in denen Anleger Ausschüttungen zurückzahlen oder gar Gelder nachschießen müssen, häufen sich derzeit." Momentan nehmen die Anleger lieber schon erlittene oder drohende Verluste in Kauf, als weiteres Geld in der Hoffnung auf eine Erholung der Seeschifffahrt einzuzahlen. Viele Anleger fürchten offenbar, dass sie auch das nachgeschossene Kapital verlieren. Die Bereitschaft sei gering, heißt es bei Scope, weiteren Investitionen in Fonds, die in Schieflage geraten sind, zuzustimmen. Dieser Vertrauensverlust kann weitreichende Folgen haben: Einige Anbieter von Schiffsfonds könnten selbst in Schwierigkeiten geraten, wird in der Branche befürchtet.

Nach Beobachtung des VGF hat sich die Flucht der Anleger aus Schiffsfonds in den vergangenen Monaten noch beschleunigt. Noch 95,8 Millionen Euro investierten die Anleger im ersten Quartal in Schiffsfonds. Im zweiten Quartal waren es nur noch 64,5 Millionen Euro. Das ergibt 160,3 Millionen Euro im ersten Halbjahr und somit 82 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2008.

Die Krise der Schiffsfonds strahlt schon über dieses Marktsegment hinaus. So sind die Finanzvertriebe derzeit kaum noch bereit, ihren Kunden neue Beteiligungen anzubieten. Auch in Beteiligungskapital (Private Equity) und Flugzeuge investierten die Anleger spürbar weniger wie auch in geschlossene Spezialitätenfonds, zu denen Beteiligungen in Wald, Holz, Computerspiele oder Musik zählen.

Viele bieten das an, was sich leicht verlaufen lässt

"In erster Linie kommt es jetzt auf die Vertriebe an", sagt Steffen Möller, Chefanalyst von Scope. "Da herrscht teilweise große Angst, auf die Kunden zuzugehen, weil die zuletzt verkauften Fonds durch die dramatische Entwicklung der jüngsten Zeit oftmals schon Abweichungen vom Fondskonzept aufweisen." Viele Anbieter jedoch gingen danach vor, was sich schnell und leicht verkaufen lässt, heißt es in der Branche.

"Die Palette an attraktiven Produkten ist in diesem Jahr deutlich enger geworden", hat Volker Schmidt-Jennrich, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung SJB Fonds Skyline in Korschenbroich bei Düsseldorf, beobachtet. Dabei gebe es durchaus interessante geschlossene Fonds, zum Beispiel im Immobilienbereich. Doch viele Anleger gingen dazu über, bei größeren Anlagebeträgen lieber direkt zu investieren, beispielsweise in den Kauf vermieteter Mehrfamilienhäuser. Doch selbst Schiffsfonds kann SJB noch vertreiben. "Wir suchen die Nischen", sagt Schmidt-Jennrich. Offshore laufe gut oder auch Schwergutfrachter.

Offenbar wächst die Angst im Verkauf geschlossener Fonds. Schiffsfonds sind die zweite Krisenwelle, die auf die Anleger zurollt und somit auf den Vertrieb, der unter Rechtfertigungszwang gerät. Viele Medienfonds basierten auf Steuervorteilen, die der Fiskus ihnen nun nicht anerkennen will. Den Anlegern droht, dass sie erhaltene Steuervorteile zurückzahlen müssen. Heute ist das Segment der Medienfonds tot - es taucht nicht einmal mehr in der Branchenstatistik auf.

Jahrelang hatten die Initiatoren geschlossener Fonds daran gearbeitet, das Anlagesegment am deutschen Kapitalmarkt zu etablieren. Sollten nach den Medienfonds nun auch Schiffsfonds in Misskredit geraten, wäre dies ein harter Rückschlag für diese Bemühungen.

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