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Zertifikate und ETFs

Fondsbranche Aktien werden am liebsten als ETF gekauft

In börsengehandelte Indexfonds fließt mehr Geld als in traditionelle Aktienfonds. Sie profitieren vom Unvermögen der Fondsmanager, besser abzuschneiden als die Referenzgröße.

© F.A.Z. Vergrößern

Börsengehandelte Indexfonds (ETF) haben im vergangenen Jahr ihren Siegeszug fortgesetzt. Erstmals floss in diese Produkte mehr Geld als in herkömmliche Aktienfonds. 6,6 Milliarden Euro netto betrug der Mittelzufluss für Aktien-ETF, während er für traditionelle Aktienfonds mit 3,6 Milliarden Euro spürbar darunter lag. Dies teilte der Fondsbranchenverband BVI am Donnerstag mit. Über alle Produktgruppen hinweg haben ETF der Fondsbranche wieder die Jahresbilanz gerettet. Der Nettomittelzufluss in traditionelle Investmentfonds betrug 10,7 Milliarden Euro, während er sich für ETF schon auf 8,6 Milliarden Euro belief.

Insgesamt hat die deutsche Fondsbranche im vergangenen Jahr unter dem Strich 87,1 Milliarden Euro eingesammelt, so viel wie seit 2005 nicht mehr. „Man spürt eine gewisse Aufbruchstimmung“, sagte BVI-Präsident Thomas Neiße. Auch die finanzielle Lage der Fondsgesellschaften habe sich verbessert. „Der Branche geht es gut“, pflichtete BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip bei. Allerdings lässt der Vormarsch der ETF die Gewinnmarge im Fondsgeschäft senken. Denn ETF werden günstiger angeboten als herkömmliche Fonds.

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So erhebt Neißes Arbeitgeber, die Deka, für den Deka-Euro Stocks eine Gesamtkostenquote von 1,47 Prozent, zu der eine erfolgsbezogene Vergütung von 0,48 Prozent kommt. Die ETF Lab, die wie die Deka zum Sparkassensektor gehört, verlangt für den vergleichbaren ETF Lab Stoxx Europe 50 eine Gesamtkostenquote von gerade einmal 0,19 Prozent.

Vom Unvermögen der Fondsmanager profitiert

Herkömmliche Investmentfonds dürften auch darunter gelitten haben, dass einige Fondsgesellschaften - wie die Deka in diesem Beispiel - am eventuellen Erfolg des Fonds beteiligt sein wollen. Dabei verfolgen traditionelle Fonds das Ziel, besser abzuschneiden als die Referenzgröße des Fonds wie hier der Aktienindex Stoxx Europe 50. Vielen Fondsmanagern gelingt dies jedoch nicht. Aus diesem Unvermögen heraus entwickelten sich ETF. Diese sollen nur so genau wie möglich den Verlauf eines Aktienindex - oder eines anderen Index - nachzeichnen.

ETF dürften in hohem Maße davon profitiert haben, dass institutionelle Anleger - dies sind in erster Linie Versicherer und Einrichtungen zur Altersvorsorge - wieder stärker Fonds gekauft haben. Denn den größten Teil zum Wachstum der Fondsbranche trugen Spezialfonds bei, die speziell für institutionelle Anleger konzipiert werden. Hier betrug das Nettomittelaufkommen 70,9 Milliarden Euro und damit gut 80 Prozent des Gesamtwachstums von 87,1 Milliarden Euro.

Entspannung bei den Immobilienfonds

Mischfonds dagegen zeigten sich auch im vergangenen Jahr immun gegen den Vormarsch der ETF-Branche. Hier flossen 13,8 Milliarden Euro in traditionelle Produkte und nur 20 Millionen Euro in ETF-Versionen. Offenbar gestehen die Anleger den Fondsmanagern von aktiv gemanagten Varianten eine größere Kompetenz zu als passiv geführten ETF. Bei vielen Mischfonds kann der Fondsmanager relativ frei entscheiden, ob er stärker in Aktien oder in Anleihen investiert.

Die Branchenvertreter warben auch für die Reform der offenen Immobilienfonds, die der Bundestag möglicherweise an diesem Freitag beschließt und die für Privatanleger die Verfügbarkeit dieser Produkte einschränkt. Auch bei den in die Krise geratenen offenen Immobilienfonds, die abgewickelt werden müssen, sehen Branchenvertreter eine Entspannung der Lage. Diese müssen derzeit ihren Immobilienbestand abverkaufen, um die Anleger ausbezahlen zu können. Dies werde nun angesichts wieder steigender Preise leichter: „Das zuletzt sehr starke Anziehen bei den Immobilienpreisen verbessert die Lage für die Immobilienfonds deutlich“, sagte Barbara Knoflach, Geschäftsführerin der SEB Asset Management.

Quelle: F.A.Z.

 
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