Manche Gesetze im Kapitalmarktgeschehen sind auch in diesen Zeiten in Kraft. Eines davon lautet: Nach einem Kursrückschlag führen meist die großen Standardwerte die darauffolgende Erholung an, und erst später folgen die Nebenwerte.
Dies ist auch nach der Finanzkrise von 2008 der Fall, wie unsere jüngste Auswertung der besten Aktienfonds mit geringem Verlustrisiko zeigt. Wie jede Woche haben die Fondsanalysten von Lipper diese Daten zusammengetragen.
Nebenwerte rund um die Welt im Kommen
Das Gesetz, dass sich Aktien aus der zweiten Reihe in der zweiten Runde erholen, scheint zurzeit rund um den Erdball zu gelten. So haben sich zwei Nebenwerte-Fonds mit Fokus auf Großbritannien für unsere Rangliste qualifiziert. Sie stammen von der südafrikanischen Fondsgesellschaft Investec und von ihrem britischen Konkurrenten Threadneedle.
Auch ein Fonds von Aberdeen, der auf asiatische Nebenwerte ausgerichtet ist, gelang der Sprung in die Liga der Besten. Schließlich ist dies auch einem Fonds mit Schwerpunkt auf europäische Nebenwerte gelungen, dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Einen Wertzuwachs von kumuliert knapp 120 Prozent hat der Fonds in den vergangenen drei Jahren geschafft.
So wie Warren Buffett
Diese Leistung ist Frank Fischer, zugleich Vorstandsmitglied der Shareholder Value Management AG (SVM) in Frankfurt, gelungen. Er wendet die Prinzipien an, die der amerikanische Investor Warren Buffett auf Basis der Gedanken des amerikanischen Ökonomen und Investors Benjamin Graham entwickelt hatte.
Value Investing lautet der Anlagestil, wertorientiertes Anlegen auf Deutsch, der auf einer akkuraten Fundamentalanalyse der Unternehmen basiert, in die sich der Investor engagieren will. Eine Anlageentscheidung sollte sich laut Graham an den Ertragserwartungen orientieren und nicht am aktuellen Buchwert des Unternehmens.
Ungewöhnliche Titelauswahl
"Wichtig ist uns auch das Konzept der Sicherheitsmarge, wie es Buffett entwickelt hatte", sagt Fischer. Demnach soll ein Anleger den inneren Wert einer Aktie ermitteln und prüfen, ob die Aktie, daran gemessen, an der Börse unterbewertet ist. Value-Investoren schauen auch auf die Qualität des Managements, wobei ihnen gefällt, wenn Eigentümer in die Unternehmensführung eingebunden sind.
Heraus kommt bei Fischer eine andere Titelauswahl als bei den meisten Aktienfonds, die in deutsche Aktien oder deutsche Nebenwerte investieren. So hält Fischer eine Position in Washtec. Das Unternehmen in Augsburg stellt Autowaschanlagen her und hat in den vergangenen zwölf Monaten knapp 14 Prozent an Börsenwert verloren. Die Aktie kam unter Druck, als der amerikanische Geschäftsführer des Betrugs überführt wurde. "Da haben wir zugekauft, weil wir von dem Unternehmen überzeugt sind", sagt Fischer. In den vergangenen drei Monaten stieg der Kurs um 23 Prozent.
Washtec, Sto und Frosta
Auch im Bauzulieferer Sto oder im Haushaltswarenhersteller WMF ist Fischer investiert, zwei Titel, die sich in kaum einem Fonds finden. "Über WMF gibt es keine Aktienanalysen, und Analystentreffen halten die auch nicht ab", sagt Fischer. Aber bei WMF sei besonders das Geschäft mit Kaffeemaschinen hochprofitabel.
Eine weitere Aktie, die Fischer überzeugt, ist die von Frosta. Der Tiefkühlkosthersteller werde in den kommenden Jahren stark in Osteuropa wachsen. Schließlich hat Fischer nun italienische Nebenwerte entdeckt. "Italien ist zurzeit der günstigste Aktienmarkt in Europa", sagt der Fondsmanager. "Die Aktienkurse sind extrem gedrückt, aber es gibt viele gute Unternehmen." Manche Fondsmanager trauen sich eben noch, sich abseits der ausgetretenen Trampelpfade zu bewegen.
Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen kocht auch nur mit Wasser
Martin Enzinger (FlorianGeyer)
- 24.02.2012, 01:09 Uhr
Grenzwertig....
Michael Meier (never1)
- 23.02.2012, 11:20 Uhr