22.09.2011 · Die Staatsschuldenkrise und Wachstumssorgen lasten mal auf Aktien, mal auf Anleihen, mal auf Rohstoffen. Wer alle Anlageklassen zugleich nutzen darf, kann trotzdem gut fahren. Der Fondsbericht.
Von Alexander ArmbrusterDer jüngste Kursrutsch an den Aktienmärkten hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es für die Vermögensanlage ist, nicht nur innerhalb einer Anlageklasse, sondern auch zwischen verschiedenen Klassen zu streuen. Mischfonds können genau das. Sie dürfen das Geld ihrer Anleger beispielsweise in Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffen und Edelmetallen anlegen. Viele Mischfonds sind damit auch während der jüngsten Marktturbulenzen nicht schlecht gefahren, offenbart ein Blick auf unsere Rangliste der besten Mischfonds mit stabilem Ertrag, die das Fondsanalysehaus Lipper in regelmäßigen Abständen für diese Zeitung ermittelt. Von den besten zehn Fonds - die Rangliste setzt sich nach der in den vergangenen drei Jahren erzielten Rendite zusammen - haben sechs Fonds ihren Anlegern auch mit Blick auf die vergangenen sechs Monate einen Wertzuwachs erbracht.
Am besten schlug sich während dieser Zeit der aktuelle Zweitplazierte, der Flossbach von Storch Multiple Opportunities. Der Fonds des in Köln beheimateten Vermögensverwalters Flossbach von Storch erzielte einen Wertzuwachs von 8,65 Prozent (siehe Tabelle). Im August betrug seine Rendite 1,8 Prozent, im September sind es bisher 2 Prozent - was sich mit einem schwachen Aktienmarkt vergleicht. Dabei ist es nicht so, dass der Fonds den Aktienmarkt meidet, im Gegenteil. "Wir haben derzeit rund 60 Prozent unseres Fondsvermögens in Aktien investiert", sagt Fondsmanager Bert Flossbach. Das Aktienportfolio setzt sich aus rund 40 Titeln zusammen, überwiegend aus Aktien großer Unternehmen, deren Geschäfte vergleichsweise wenig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Dazu zählen etwa der schweizerische Nahrungsmittelhersteller Nestlé, der amerikanische Konsumgüterhersteller Procter & Gamble und der ebenfalls in den Vereinigten Staaten beheimatete Nahrungsmittelkonzern Pepsico. Daneben hält der Fonds aber auch Positionen in Unternehmen aus der zweiten Reihe, wie etwa in dem Internetanbieter Freenet und dem Immobilienunternehmen TAG Immobilien. Rund ein Drittel des Aktienportfolios hat Flossbach mit Hilfe von standardisierten Terminmarktinstrumenten (Futures) gegen Kursverluste abgesichert. Zyklische Werte meidet er.
Und auch Aktien von Banken sind in seinem Fonds derzeit nicht enthalten, die Risiken der Branche seien einfach zu hoch, was der Markt während der vergangenen Monate auch gezeigt habe. Die Kurse europäischer Bankaktien sind wesentlich stärker eingebrochen als der gesamte Aktienmarkt und erst recht als die Kurse der defensiver ausgerichteten Titel. Die eskalierte Staatsschuldenkrise in Europa, die für das schwache Abschneiden der Bankaktien verantwortlich ist, wird nach Ansicht Flossbachs auch das beherrschende Thema der nächsten Zeit bleiben. "Die unvermeidbare Insolvenz Griechenlands wird wahrscheinlich noch in diesem Jahr erfolgen." Flossbach plädiert dafür, keine weiteren Anleihen von Peripherieländern zu kaufen, sondern stattdessen einen Mechanismus einzurichten, der Banken, die im Falle einer Staatspleite selbst unterzugehen drohen, mit neuem Eigenkapital auszustatten. Eine Beruhigung des Finanzsektors werde nur über eine vorübergehende (Teil-)Verstaatlichung von Banken erreicht werden können. Neben Aktien setzt Flossbach in seinem Fonds auf Edelmetalle. Rund 20 Prozent des vom Fonds verwalteten Vermögens sind in Gold und Silber investiert. Weitere 20 Prozent hat er als liquide Mittel in deutschen Bundesanleihen mit kurzer Restlaufzeit geparkt - Anleihen selbst findet Flossbach als Anlageklasse derzeit nicht sehr attraktiv.
Während der Flossbach von Storch Multiple Opportunities auf Platz 2 unserer aktuellen Rangliste der besten Mischfonds mit stabilem Ertrag vorgerückt ist, hat die Dominanz von auf den Schweizer Franken ausgerichteten Fonds abgenommen. Franken-Fonds belegten in der vorangegangenen Rangliste in derselben Kategorie noch die ersten vier Plätze. Grund dafür ist die Entscheidung der Schweizer Nationalbank, die Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro zu stoppen und stattdessen eine Wechselkursuntergrenze bei 1,20 Franken je Euro einzuziehen. Das hat die Rendite dieser Fonds aus Sicht eines Anlegers mit Heimat im Euroraum gedrückt. Gleichwohl befinden sich mit dem LGT Strategy 3 Years, dem LGT Strategy 4 Years und dem Swisscanto Capital Protect drei Franken-Fonds unter den zehn besten Mischfonds auch unseres aktuellen Fondsvergleichs.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.264,38 | −0,26% |
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| TecDAX | 751,01 | −0,01% |
| MDAX | 10.147,80 | −0,59% |
| SDAX | 4.823,45 | +0,10% |
| REX | 437,51 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.118,94 | +0,13% |
| F.A.Z. EURO | 68,54 | −0,23% |
| Dow Jones | 12.393,50 | −0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.524,87 | −0,49% |
| S&P500 | 1.310,33 | −0,23% |
| Nikkei225 | 8.542,73 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2347 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 101,74 $ | +0,12% |
| Gold | 1.558,00 $ | +1,17% |
| Bund Future | 145,92 € | +0,31% |