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Fondsbericht Furcht vor Spekulationsblase in Schwellenländern

 ·  Rentenfonds mit Fokus auf Länder mit hohem Wachstum sind beliebt. Doch die Gefahr von Marktverwerfungen nimmt zu.

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Die Gewichte in der Welt der Geldanlage haben sich in den vergangenen Jahren enorm verschoben. Das zeigt sich besonders eindrucksvoll in unserer aktuellen Rangliste der Rentenfonds mit der besten Wertentwicklung, die wie immer die Analysten des Fondsanalysehauses Lipper für diesen Fondsbericht berechnet haben. Nur noch ein Fonds, der in europäische Anleihen investiert, findet sich unter den besten 30. Elf Fonds in unserer Rangliste und somit gut ein Drittel sind auf Schwellenländer ausgerichtet.

Der einzige verbliebene Eurofonds in unserer Rangliste stammt von Pioneer Investments. Der Pioneer Funds Euro High Yield legt in europäische Hochzinsanleihen an und kommt auf ein Fondsvolumen von etwas mehr als 500 Millionen Euro. Er investiert in Euroanleihen, dies jedoch nur zu rund 78 Prozent. So hält der Fonds auch eine Anleihe der südafrikanischen Textilgesellschaft Edcon Holdings oder eine des amerikanischen Unternehmens Lawson Software. Mit Anleihen aus Europa ist es noch dem schweizerischen Vermögensverwalter Fisch gelungen, sich mit dem Fisch Bond Fund für unsere Rangliste zu qualifizieren. Dieser allerdings legt in Schweizer Franken an.

Der Praxistest steht noch aus

Dominierend geworden sind in den vergangenen Jahren Rentenfonds, die auf Schwellenländer fokussiert sind. Es ist paradox: Die institutionellen Anleger in Deutschland - vor allem Altersvorsorgeeinrichtungen, Lebensversicherer oder auch Stiftungen - meiden Aktien wie der Teufel das Weihwasser, obwohl sich die europäischen Aktienmärkte zuletzt eindrucksvoll erholt haben. Aktien jedoch gelten vielen Investoren als viel zu riskant. Stattdessen wählen sie lieber Anleihen aus Schwellenländern, oft auch in lokaler Währung, weil Anleihen vermeintlich eine größere Sicherheit bieten. Dabei tragen viele Anleihen aus Schwellenländern ein ähnlich großes Kursrisiko wie viele Aktien.

© F.A.Z. Vergrößern

Durch ihre Vorliebe für Anleihen lassen sich viele Anleger attraktive Wertzuwächse entgehen. Die besten Schwellenmarkt-Rentenfonds in unserer Rangliste sind der Dexia Bonds Emerging Markets, der KBC Bonds Emerging Markets und der Goldman Sachs Growth & Emerging Markets Debt. Alle drei kommen für die vergangenen drei Jahre auf einen kumulierten Wertzuwachs von rund 63 Prozent. Bei Aktienfonds mit stabilem Ertrag dagegen - also bei Aktienfonds, die keine allzu riskante Strategie verfolgen - kam beispielsweise der Pan European Smaller Companies der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle zuletzt auf einen Wertzuwachs von 76 Prozent in drei Jahren (F.A.Z. vom 20. September).

Manche Investoren fürchten, dass auf vielen Anleihemärkten in Schwellenländern eine Spekulationsblase entsteht. Ein Merkmal für eine solche Blase ist es, wenn sich Emittenten - Staaten oder zunehmend auch Unternehmen - nur deshalb verschulden, weil diesen Anleihemärkten aufgrund des großen Interesses so viel Kapital zufließt. Sie nehmen dann nicht deshalb eine Anleihe auf, weil sie vielversprechende Projekte verfolgen, sondern vorrangig, weil sie sich günstig verschulden können. Um 16 Prozent jährlich sei seit 2002 das ausstehende Anleihevolumen in Schwellenländern gewachsen, heißt es in einer Studie von ING Investment Management. Das liegt spürbar über dem Wirtschaftswachstum dieser Länder. Aktuell beträgt das handelbare Volumen von Schwellenländer-Anleihen mehr als 9000 Milliarden Dollar. Dabei steht der Praxistest, wie gut diese Titel in Krisenzeiten handelbar sind, noch aus.

Anleger sollten Risiken nicht unterschätzen

Viele Fondsgesellschaften versuchen, auf diesen Trend aufzuspringen und verstärkt Schwellenmarkt-Rentenfonds zu verkaufen. Dabei reden die Vertriebsmannschaften gerne über attraktive Renditen, geringe Ausfallraten in der Vergangenheit und hohe Kurssteigerungen. Und sie überspringen gerne den Einwand, dass hohe Renditen immer erhöhte Risiken spiegeln, dass Vergangenheitsdaten nichts über die Zukunft aussagen und die Kursgewinne von den Anlegern selbst durch ihren hohen Kapitalzufluss ausgelöst werden. Gerne wird auch eine geringere Verschuldung dieser Länder im Vergleich zu Europa oder den Vereinigten Staaten angeführt. Allerdings kam diese in vielen Schwellenländern durch Schuldenschnitte in der Vergangenheit zustande.

„In einigen Fällen kam es zu extremen Marktereignissen, die sich in einer deutlichen Negativperformance und einer negativen Schiefe niederschlagen“, heißt es in der Studie von ING Investment Management weiter. Dann jedoch wird auch hier ein „attraktives Risiko-Ertrags-Profil“ hervorgehoben. Anleger sollten jedoch Risiken von Anleihen in Schwellenländern nicht unterschätzen und vernachlässigen.

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