Das für die Fondsbranche Unangenehme am Vormarsch der börsengehandelten Indexfonds (ETF) sind nicht allein die niedrigen Kosten, die Anleger für diese Produkte tragen müssen. Noch störender ist, dass die ETFs der Fondsbranche so sichtbar den ausbleibenden Anlageerfolg der traditionellen Investmentfonds vor Augen führen. So zählt mit einer Rendite von 17,8 Prozent über drei Jahre der Ishares eb.rexx Government Germany 5.5-10.5 zu den besten Produkten unserer Rangliste für Rentenfonds mit stabilem Ertrag.
Ishares ist die ETF-Marke der britischen Fondsgesellschaft Barclays Global Investors, die in diesen Monaten von der britischen Großbank Barclays zur amerikanischen Fondsgesellschaft Blackrock wechselt. Um diesen Erfolg zu erzielen, vollführten die Ishare-Fondsmanager keine besonderen Kunststückchen. Sie folgten einfach dem Rentenindex eb.rexx, den die Deutsche Börse börsentäglich für verschiedene Laufzeiten und für bestimmte Marktsegmente (deutsche Staatsanleihen, Jumbopfandbriefe und Geldmarkt) veröffentlicht. Das Besondere an dieser Indexfamilie ist, dass den einzelnen Indizes reale Anleihen zugrunde liegen, so dass ETF-Anbieter die einzelnen eb.rexx-Indizes relativ leicht nachbilden können.
Ishares konnte sich als einziger so weit oben plazieren
Denn Ishares zählt zu jenen ETF-Anbietern, die versuchen, den Index dadurch abzubilden, dass sie die einzelnen Wertpapiere in einem Index in der Gewichtung kaufen, wie sie auch in den Index eingehen. Andere ETF-Anbieter dagegen arbeiten mit Swap-Konzepten, die für außenstehende Anleger weniger leicht nachzuvollziehen sind.
Angesichts der Kursgewinne von deutschen Staatsanleihen allein in den vergangenen zwölf Monaten sind die Wertzuwächse in Renten-ETFs nicht verwunderlich: Der eb.rexx Government Germany 5.5-10.5 legte seit Anfang September 2008 von rund 105 auf zuletzt etwa 114 Punkte zu. Doch sollten Anleger auch bei ETFs genau darauf achten, welches Produkt sie auswählen. Immerhin ist Ishares der einzige Vertreter seiner Anlagekategorie, der sich in unserer Rangliste so weit oben plazieren konnte.
Favoritenwechsel in der Wertentwicklung von Rentenfonds
Das Konzept der ETFs überzeugt so viele Anleger, dass allein in Europa per Ende Juli laut Barclays Global Investors 183 Milliarden Dollar in diesen Produkten angelegt waren. Das ist noch bescheiden im Vergleich zu den 531 Milliarden Euro, die per Ende Juli deutsche Wertpapierpublikumsfonds auswiesen. Doch die ETF-Branche holt mit großen Schritten auf. Allein im Ishares eb.rexx Government Germany 5.5-10.5 liegen mehr als 760 Millionen Euro. Der Thames River Global Bond, Spitzenreiter unserer aktuellen Rangliste, kommt nur auf ein Vermögen von gut 80 Millionen Euro.
Trotz der vergangenen Erfolge für die ETF-Branche sehen die Manager der aktiv verwalteten Rentenfonds nun ihre Stunde kommen. Die Aufwärtsbewegung bei europäischen Staatsanleihen scheint nämlich zum Stillstand gekommen zu sein. So hatte der Index eb.rexx Government Germany 5.5-10.5 im Frühjahr sein Jahreshoch bei rund 116 Punkten erreicht und blieb seitdem in dem Bereich um 112 bis 114 Punkte gefangen.
Viele Rentenfondsmanager erwarten, dass die Aufwärtsbewegung bei europäischen Staatsanleihen allmählich ausläuft - zugunsten anderer Segmente am Anleihemarkt. „Staatsanleihen und Geldmarktanlagen sind unattraktiv“, meint beispielsweise Thomas Härter, Leiter Anlagestrategie der Schweizer Fondsgesellschaft Swisscanto, und setzt lieber auf Unternehmensanleihen. Viele Anleger hätten die Rally an den Märkten für Aktien und Unternehmensanleihen verpasst und suchten günstige Gelegenheiten zum Einstieg. Sollte sich diese Erwartung bewahrheiten, stünde in der Wertentwicklung von Rentenfonds ein Favoritenwechsel an.