Vertreter von Finanzvertrieben bauen gerne die Mär auf, dass ein Anlageprodukt hohe Renditen abwirft, wenn die Konstruktion für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist. Diese Argumentation wird gerne beim Verkauf von Zertifikaten, aber auch beim Absatz von Investmentfonds eingesetzt.
Es sollen, je nach Marktstimmung, Themen wie Nebenwerte aus Schwellenländern oder Hochzinsanleihen aus Fernost besonders vielversprechend sein. In der Vergangenheit waren es auch schon Minenaktien, Technologiewerte oder die Biotech-Branche.
Bieder ist besser als sexy
Unsere jüngste Auswertung der besten Mischfonds mit geringem Verlustrisiko jedoch bestätigt diese Behauptung nicht. Die Rangliste, die das Fondsanalysehaus Lipper regelmäßig für unsere Zeitung berechnet, wird von Fonds dominiert, die viele Vertreter der Branche als bieder oder langweilig bezeichnen würden. Man könnte sie auch als solide bezeichnen.
Wie sehr sich Augenmaß derzeit durchsetzt, lässt sich auch daran ablesen, dass die Schwankungsanfälligkeit der Fonds, die Lipper in das Universum der Mischfonds mit geringem Verlustrisiko einsortiert, zurzeit gering ist. In der Finanzbranche gelten hohe Kurs- oder Preisschwankungen als Stressfaktor für den Anleger und werden mit Hilfe der Standardabweichung gemessen. Die Kennziffer drückt aus, wie stark ein Preis oder ein Kurs in der Vergangenheit um seinen Mittelwert schwankte. Eine niedrige Standardabweichung in unseren Ranglisten bedeutet, dass sich die Rendite eines Fonds in den vergangenen drei Jahren nur wenig um den Durchschnitt bewegte.
In diesem Punkt heben sich Mischfonds mit geringem Verlustrisiko klar von anderen Mischfonds ab. Die höchste Standardabweichung in unserer aktuellen Rangliste weist der Apo Vivace Inka mit einer Standardabweichung von lediglich 7,1 Prozent auf. In unserer letzten Auswertung der Mischfonds mit der besten Wertentwicklung lag die Standardabweichung häufig bei 13 Prozent und mehr. An der Spitze lag der Plusfonds mit 19,4 Prozent. Dieser Mischfonds war ursprünglich ein Produkt der Cominvest und ging mit der Übernahme der Fondsgesellschaft auf Allianz Global Investors über.
Mit Rentenfonds zum Erfolg
Dass ein Fondsmanager in diesem anspruchsvollen Marktumfeld auch mit grundsoliden Fonds punkten kann, belegt Union Investment mit dem Uni Strategie Konservativ. Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken steht ohnehin nicht im Ruf, jeder Mode in der Fondsbranche hinterher zu laufen. Sie versucht vielmehr, Produkte mit längerfristigem Nutzen aufzulegen.
Und so reiht sich auch der von Thomas Romig verwaltete Dachfonds Uni Strategie Konservativ in diese Herangehensweise ein. Dachfonds investieren in andere Fonds und - wenn überhaupt - nur einen kleinen Teil des Vermögens direkt in Aktien, Anleihen oder Währungen. Der Uni Strategie Konservativ darf seine Chancen auf der ganzen Welt suchen, bei Aktien auch in Schwellenländern oder in aufstrebenden Kapitalmärkten wie Afrika. Nur darf der Aktienanteil 40 Prozent des Portfolios nicht übersteigen.
Gut zwei Drittel des Fondsvermögens von aktuell 682 Millionen Euro ist in Rentenfonds angelegt, knapp 20 Prozent in Aktienfonds. Der Rest verteilt sich auf Liquidität und andere Anlageklassen. Weil Romig vor allem Union-Fonds wählt, hält er die Kosten seines Dachfonds niedrig.
Romig hat einen klassischen „Top-Down“-Ansatz gewählt. Das bedeutet, dass er aus der Vogelperspektive auf die Welt schaut und entsprechend dieser Analyse von oben herab einzelne Fonds auswählt. Romigs Vorsicht hat den Anlegern immerhin eine Wertentwicklung von knapp 32 Prozent in drei Jahren gebracht. Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass auch solide, ja langweilige Strategien in der Geldanlage Erfolg bringen können?