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Fondsbericht Die riskanteren Fonds liegen vorn

 ·  Höhere Rendite lässt sich derzeit nur mit größerem Risiko erreichen. Das zeigt sich ganz deutlich daran, dass die höchst rentierlichen Fonds auch die größten Wertschwankungen aufweisen.

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Der Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko ist vielen Anlegern zwar bewusst. Doch er lässt sich nur schwer fassen. Dabei zeigt die aktuelle Rangliste der Mischfonds mit der besten Wertentwicklung, dass sich eine höhere Rendite nur mit einem größeren Risiko erreichen lässt. Der beste Fonds im Renditevergleich über drei Jahre, der französische Fonds Carmignac Patrimoine, liegt bei der Standardabweichung mit 8,6 Prozent an dritter Stelle.

Das Konzept der Standardabweichung zur Risikomessung ist außerhalb der professionellen Finanzkreise noch weitgehend unbekannt. Das liegt auch daran, dass sich das Risiko einer Geldanlage nur schwer in objektive Kennziffern zusammenfassen lässt. Mit der Rendite ist es einfacher: Der Erfolg einer Geldanlage beispielsweise in Fonds speist sich aus der Wertveränderung des Fonds und den Ausschüttungen, die der Fondsanbieter dem Anleger im Laufe der Zeit überweist.

Die Zitterprämie

Risiko jedoch ist keine reale Größe, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis in der Zukunft eintritt. Wer Risiko messen will, begibt sich zwangsläufig auf das Gebiet von Annahmen. Meistens wird unterstellt, dass sich aus der vergangenen Rendite Schlüsse über die künftige Entwicklung der Geldanlage ableiten lassen.

So misst die Standardabweichung, wie stark der Preis einer Geldanlage schwankt, genauer gesagt, wie stark die einzelnen Preise in der Vergangenheit um ihren Mittelwert verteilt waren. Eine hohe Standardabweichung bedeutet, dass die Preise stark um den Mittelwert schwanken. Anleger bevorzugen es, wenn sich die Preise dicht um den Mittelwert drängen, weil dies als Zeichen gilt, dass der Fondsmanager nachhaltig und zuverlässig die ausgewiesene Rendite erzielte. Die Standardabweichung drückt eine Zitterprämie aus, die der Anleger implizit zahlen muss.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis

Bei der Sharpe-Ratio gehen die Finanzmathematiker von der Überlegung aus, dass eine Geldanlage gegenüber einer risikolosen Anlage - zum Beispiel einer Bundesanleihe - einen höheren Ertrag bieten muss, als Ausgleich für das höhere Risiko, das der Anleger eingeht. Diese Überschussrendite ist die Differenz aus der Rendite des Fonds und der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die derzeit bei 3,4 Prozent liegt. Zur Berechnung der Sharpe-Ratio wird die Überschussrendite ins Verhältnis zur Standardabweichung gesetzt. Die Sharpe-Ratio misst, mit welcher Schwankungsanfälligkeit der Anleger den eventuellen Mehrertrag seiner Geldanlage erkauft.

Die Sharpe-Ratio ist das Preis-Leistungs-Verhältnis einer Geldanlage. Die Leistung ist die Überschussrendite im Vergleich zu einer risikolosen Anlage, der Preis ist die Schwankungsanfälligkeit, ausgedrückt in Form der Standardabweichung. Die Sharpe-Ratio erfasst nicht alle Risiken, zum Beispiel nicht das Insolvenzrisiko eines Emittenten, dessen Anleihen oder Aktien in dem Fonds enthalten sind. Auch ist sie bei Werten im negativen Bereich nicht aussagekräftig. In diesem Fall führt eine höhere Schwankungsanfälligkeit zu einer weniger negativen und somit zu einer besseren Sharpe-Ratio.

Zur Rendite gezittert

Mit dem Carmignac Patrimoine haben die Anleger zwar im Rückblick die höchste Rendite unserer Rangliste in den vergangenen drei Jahren erhalten, müssen aber zugleich die höchste Zitterprämie unter den 30 Fonds unserer Rangliste bezahlen. Ob eine Standardabweichung von 8,6 Prozent zu hoch oder angemessen ist, lässt sich nicht absolut sagen. Das muss jeder Anleger für sich entscheiden - genauso wie er auch selbst ermessen muss, welche Rendite er als hoch genug oder als zu niedrig empfindet.

Als gängige Regel wird den Anlegern immer wieder mitgegeben, dass sich eine höhere Rendite nur mit einem höheren Risiko erreichen lässt. Doch der Umkehrschluss ist nicht richtig, wie sich immer wieder zeigt. Ein größeres Risiko wird nicht zwangsläufig mit einer höheren Rendite entgolten. So weist der Fonds Walser Portfolio German Select eine höhere Standardabweichung auf als der Carmignac Patrimoine und kommt dennoch nicht an dessen Rendite über drei Jahre heran.

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