Die Kunst des Fondsvertriebs besteht darin, je nach Situation den Akzent auf die Vergangenheit oder auf die Zukunft zu legen. Bei Schwellenländern, vor allem wenn es um Anleihen geht, wäre ein Blick zurück wohl verkaufshemmend. Die Schuldenkrisen in Asien, Mexiko, Argentinien oder Russland liegen ja noch nicht so weit zurück, dass sich überhaupt kein Anleger mehr daran erinnerte.
Deshalb argumentieren die Vertriebsprofis lieber damit, dass in Schwellenländern die Staatsverschuldung nennenswert unter der in Europa oder in den Vereinigten Staaten liegt und in Zukunft weiter darunter bliebe. Dass dies die Situation beschreibt, die in vielen dieser Länder erst nach zum Teil harten Schuldenschnitten entstand, verschweigen sie lieber.
So weit, so gut
Schwellenländer haben sich nicht nur als Thema für Aktienfonds fest etabliert. Auch bei Rentenfonds zählen sie heute zum Standardrepertoire vieler Fondsgesellschaften. Sie haben in den vergangenen drei Jahren in der Tat nicht nur hohe Renditen abgeworfen, sondern auch zum Teil recht stabile Wertzuwächse erzielt. Dies zeigt unsere jüngste Auswertung der Rentenfonds mit stabilem Ertrag, die das Fondsanalysehaus Lipper regelmäßig für diese Zeitung berechnet.
Von den 30 besten Rentenfonds dieser Kategorie sind neun Produkte auf Anleihen aus Schwellenländern ausgerichtet. Hinzu kommen zwei, die sich auf Schwellenländer in Europa beschränken. Die einzelnen Fondsgesellschaften unterscheiden sich darin, welchen Ländern sie den Schwellenmarktstatus zuschreiben. Der DWS Europe Convergence Bonds zum Beispiel ist in Russland investiert, aber auch in der Türkei, in der Ukraine, in Ungarn, Polen und Kroatien, selbst in Albanien, Kasachstan oder auch in Weißrussland. Schließlich sind in unserer Rangliste sieben Fonds vertreten, deren Fondsmanager auf der ganzen Welt nach attraktiven Anleihen suchen und diese zuletzt häufig in Schwellenländern fanden.
Bekanntheit ist nicht gleich Erfolfg
Auffallend ist auch, dass nicht unbedingt jene Produkte in unserer Rangliste oben stehen, die in der Öffentlichkeit die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So hat sich still und leise die Fondsgesellschaft Pioneer Investments mit einem Schwellenländer-Rentenfonds auf den zweiten Rang geschoben, dank eines Wertzuwachses von etwas mehr als 130 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Dieses Produkt wird nur von einem anderen Pioneer-Fonds übertroffen, dem Euro Strategic Bonds, der in Hochzinsanleihen investiert, die auf Euro denominiert sind.
Manche Branchenbeobachter hatten Pioneer schon abgeschrieben. Die Fondsgesellschaft, die wie die Hypo-Vereinsbank zur italienischen Bankengruppe Unicredit gehört, hatte in den vergangenen Jahren eine Schwächephase erlitten. Dies war wohl zum einen fusionsbedingt - heute ist Pioneer eine der wenigen wirklich international ausgerichteten Fondsgesellschaften in Europa mit drei Investmentzentren in Dublin, London und Boston.
Zum anderen hatte wohl auch die Ankündigung der Unicredit-Führung nach der Finanzkrise, Pioneer verkaufen zu wollen, für Unsicherheit gesorgt. Dass dies Unicredit dann nicht gelungen ist, hatte Pioneer wohl zusätzlich zurückgeworfen. Schließlich belastete speziell in Deutschland eine große Unruhe in der Geschäftsführung die Gesellschaft. Das alles scheint ausgestanden zu sein, und Pioneer etabliert sich in der Zwischenzeit in verschiedenen Fondskategorien immer wieder in der Spitzengruppe.
Nicht risikofrei
Auch wenn im Finanzvertrieb gerne damit argumentiert wird, die Risiken in Schwellenländern seien niedriger als in Europa oder den Vereinigten Staaten, sollten die Anleger vorsichtig sein. Die Höhe der Staatsverschuldung ist nur ein Aspekt, der die Bonität von Anleihen beeinflusst. Auch sollte nicht vergessen werden, dass nicht in allen Fällen eine weise Staatsführung den Anteil der Verschuldung am Bruttoinlandsprodukt so niedrig hielt.
In vielen Schwellenländern, in denen Fondsmanager Anleihen kaufen, herrschen Misswirtschaft, Korruption und Vetternwirtschaft. Auch ist die Bonität von Schwellenländer-Anleihen häufig schlechter als die von Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen aus Europa. So ist der UBS (Lux) Emerging Economies Global Bonds zu rund einem Drittel in Anleihen investiert, die institutionelle Investoren für nicht investitionswürdig erachten, die also von den Ratingagenturen eine Bonitätsnote von BB und schlechter bekommen. Beim DWS Europe Convergence beträgt deren Anteil gut 60 Prozent. Dies sollte Anleger bei Schwellenländer-Rentenfonds besonders vorsichtig machen.