10.12.2008 · Deutliche Wertzuwächse beenden eine lange Schwächephase der Rentenfonds. Zu danken ist das der Finanzkrise, die Staatsanleihen beliebt macht - und dem Wechsel in der Zinspolitik.
Anleger in den meisten Euro-Rentenfonds mit einem Schwerpunkt auf Staatsanleihen haben nach zwei enttäuschenden Jahren in diesen Tagen wieder Grund zur Freude. Die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen, verbunden mit kräftig steigenden Kursen, geht auch an der Wertentwicklung ihrer Fondsanteile nicht spurlos vorüber. Kuponzahlungen und Kursgewinne zusammengenommen, sind Zuwächse von 7 Prozent über die vergangenen zwölf Monate inzwischen keine Seltenheit mehr.
Diese erfreuliche Entwicklung ist nicht nur bei börsengehandelten Indexfonds zu beobachten, die mit ihrer geringen Gebührenbelastung - die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt im Normalfall nur 0,15 Prozent - einen unbestreitbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber aktiv verwalteten Rentenfonds besitzen und deshalb in unserer aktuellen Rangliste besonders zahlreich vertreten sind.
Rezession macht Rentiers Freude
Auch ein weitverbreiteter Rentenfonds wie der Cominvest Adirenta aus der Commerzbank-Gruppe - der eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,75 Prozent erhebt - überwindet inzwischen die 7-Prozent-Marke. Zwischenzeitliche Verlustphasen in den vergangenen drei Jahren macht der jüngste Anstieg vergessen.
Entscheidend für den Richtungswechsel sind die Verschärfung der Finanzkrise und ihr Durchschlagen auf die Realwirtschaft. Inzwischen herrscht Rezession in den großen Industrieländern. Deshalb gehen nun die Leitzinsen nach unten, um die Wirtschaftsaktivitäten zu stimulieren. Die Talfahrt der Marktzinsen ist aber auch von der Angst vor einer Deflation und ihren Folgen beschleunigt worden - was sich unmittelbar in Kursgewinnen der Schuldtitel niederschlägt.
Zu viel Schulden
„Die Diskussion um die zwei D-Wörter - Depression und Deflation - spricht bis ins Frühjahr 2009 hinein gegen einen nachhaltigen Zinsanstieg“, sagt Ingo Mainert, Chefanlagestratege der Cominvest. Er erwartet kein abruptes Ende des Kursanstiegs. Allerdings sitzen die Erfahrungen der Schwächephase aus den Jahren 2006 und 2007 noch tief, so dass er der Entwicklung offenbar nicht ganz traut. „Temporär könnte die hohe öffentliche Kreditaufnahme zur Finanzierung von Fiskalprogrammen die Rentenmärkte belasten“, fügt er hinzu.
Die über die vergangenen Monate deutlich optimistischer gewordene Markteinschätzung spiegelt sich auch in einem aktuellen Kommentar der Anleiheabteilung der amerikanischen Investmentgesellschaft Franklin-Templeton. „Wir meinen, dass uns die niedrigen Kurzfristsätze eine Weile erhalten bleiben werden, die mit geringem oder stagnierendem Wachstum einhergehen“, lautet ihr Ausblick. „Die Inflation dürfte im Gegensatz zu den vorangegangenen Monaten nicht mehr das dringendste Anliegen der Währungshüter sein.“
Zinsrichtungswechsel noch nicht durchgedrungen
Noch vor einem halben Jahr warnten viele Anlagestrategen inständig vor einem Engagement in dem Marktsegment. Damals ließen die Zentralbanken der großen Industrieländer keinen Zweifel daran aufkommen, dass angesichts steigender Inflationsraten nicht mit irgendwelchen Zinssenkungen zu rechnen ist. Vielmehr konnte von Zinsschritten nach oben ausgegangen werden. Klassische Rentenfonds bekamen in diesem Umfeld zunehmend Schwierigkeiten.
In der Anlegerschaft ist die Botschaft vom Richtungswechsel in der Wertentwicklung allerdings noch nicht angekommen. So floss im Oktober die Rekordsumme von 18 Milliarden Euro aus Rentenfonds ab. Zwar entfiel der größte Teil dieser Fluchtbewegung auf Kurzläufer-Rentenfonds, die sich plötzlich in Konkurrenz zu staatlich garantierten Spareinlagen wiederfanden. Mit 3 Milliarden Euro fiel aber auch der Rückzug aus klassischen Euro-Rentenfonds deutlich aus.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 9.001,37 | +0,61% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |