30.05.2008 · Die Wirtschaft Vietnams wächst weiterhin stark. Allerdings hat das Land ein ausgeprägtes Inflationsproblem. Das bringt Aktien, Anleihen und auch die Währung unter Druck. Spezialisierte Fonds und Zertifikate befinden sich in der Defensive.
„Während der Flut steigen alle Boote“ - dieser Spruch wird hin und wieder auch auf die Finanzmärkte übertragen. Er will sagen, dass in Zeiten des allgemeinen Optimismus selbst jene Wertpapiere und Märkte mit nach oben getragen werden können, deren Qualität grundsätzlich mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden sollte.
Im Rahmen der allgemeinen Schwellenländereuphorie scheint das auch für die Börse in Vietnam zugetroffen zu haben. Vom November des Jahres 2003 bis ins Frühjahr des vergangenen Jahres legte der Vietnam Stock Index bis zu knapp 800 Prozent zu. Danach konnte sich der Markt zwar ein paar Monate auf dem erreichten Niveau halten.
Massive Kursverluste an der Börse Vietnams
Im Rahmen der durch die Kreditkrise ausgelösten Risikoreduktion ging es jedoch wieder steil nach unten. Vom Oktober des vergangenen Jahres bis am Freitag hat der Index inzwischen mehr als 62 Prozent nachgegeben. Alle Stabilisierungsversuche der Regierung und selbst das hohe Wirtschaftswachstum des Landes scheinen die Anleger nicht mehr begeistern zu können. Dabei legten die Einzelhandelsumsätze im Land mit rund 80 Millionen relativ jungen Einwohnern im Mai um knapp 30 Prozent zu und die industrielle Produktion wuchs um knapp 17 Prozent im Vergleich mit der Vorjahresperiode.
Solche Zahlen jedoch begeistern Anleger wenig, wenn sie mit einer inflationären Entwicklung verbunden sind. Genau die ist jedoch in Vietnam das Problem: Die Inflationsrate lag im Mai bei 25,2 Prozent. Sie lässt nicht nur die Aktien und Anleihen des Landes nachgeben, sondern inzwischen kommen immer mehr Sorgen auf, das Land werde mit einer Währungskrise konfrontiert werden. Tatsächlich hat der vietnamesische Dong nach einer Aufwertungsbewegung vom Oktober des vergangenen bis in den März des laufenden Jahres inzwischen gegen den Dollar knapp drei Prozent abgewertet.
In gerade einmal fünf Wochen stieg der Kurs von 15.810 auf zuletzt 16.247 Dong je Dollar. Damit befindet sich der Kurs nahe am Allzeithoch, der Wert der Währung liegt nahe am Allzeittief. Gegen den Euro setzt sich auf diese Weise der langfristige Abwertungstrend fort.
Experten rechnen mit weiteren Kursverlusten
Selbst nach den jüngsten Kursverlusten scheinen die Aktien zumindest im Durchschnitt noch nicht günstig zu sein. Das Kurs-Gewinnverhältnis liegt bei etwa 18 auf Basis der abgelieferten Gewinne. So dürfte es kaum verwundern, dass Schwellenländerexperten wie Mark Mobius noch nicht zugreifen wollen. Er gibt ihnen noch etwas Abwärtspotenzial. Wenn man darüber nachdenke, in Vietnam zu investieren, so sollte man langfristig orientiert sein, so sein Motto. Sonst könne man als Anleger in einem ziemlich illiquiden Wertpapiere „gefangen“ werden.
Die meisten Wertpapiere befinden sich zwar in den Händen heimischer Anleger. Allerdings waren in den vergangenen Jahren während der Euphorie auch einige Zertifikate und Fonds auf den Markt gekommen, die von internationalen Anleger erworben wurden. Aufgrund der enttäuschenden Wertentwicklung dürften nicht wenige Anleger zur Begrenzung der Verluste neigen und auf diese Weise zum Verkaufsdruck beitragen.
Insgesamt mag der Markt zwar möglicherweise bei wieder auflebendem Optimismus dann wieder reizvoll werden, wenn sich die makroökonomischen Bedingungen verbessern sollten. Allerdings sind die Risiken einer Investition beachtlich. Wer sich wagen sollte, muss langfristig orientiert sein und sollte auf breit diversifizierte, kostengünstige Instrumente solider Anbieter setzen. Zum Beispiel auf den db x-Trackers FTSE VIETNAM ETF mit der Isin LU0322252924, der eine Verwaltungsvergütung von 0,85 Prozent mit sich bringt. Der Blick sollte sich auch auf die Währung richten. Denn Absicherungsinstrumente sind nur bedingt verfügbar und wenn, dann sind sie „lausig teuer“. Das zumindest erklären die Experten von Vina Capital.
Strukturierte Zertifikate sind grundsätzlich mit der notwendigen Skepsis zu betrachten. Erstens sind sie in der Regel relativ teuer. Zweitens ist selten auf den ersten Blick erkennbar, wie sie im Detail konstruiert sind. So kann es bei der Performance immer wieder zu Überraschungen kommen - meist negativen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |