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Fonds Wer braucht eigentlich Garantiefonds?

 ·  Die Mehrheit der Privatanleger wollen Sicherheit bei der Geldanlage. So kamen Garantiefonds auf den Markt. Eine Analyse unter mehr als 230 Produkten zeigt jedoch doch, dass das Kosten-Nutzenverhältnis nicht attraktiv ist.

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Obwohl Anleger mit Aktien in den Aufwärtstrends der vergangenen Jahre gutes Geld verdienen konnten, setzen viele Anleger eher auf Sicherheit bei der Geldanlage als auf das Risiko. Gebrannte Kinder scheuen eben das Feuer und die Baisse vom Frühjahr des Jahres 2000 bis in den März des Jahres 2003 dürfte bei manchem noch nachwirken.

Aus diesem Grund brachten Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter in den vergangnen Jahren immer mehr so genannte Garantiefonds auf den Markt. Nach einer Analyse von e-fundresearch sind aktuell 232 solcher Produkte zum Vertrieb in Österreich, Deutschland oder der Schweiz zugelassen. Diese repräsentieren zusammen ein Volumen von 47,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr, im Oktober 2006 waren es noch 35,1 Milliarden Euro gewesen, bedeutet das eine Steigerung von 36 Prozent.

Garantie wirkt in der Regel nur am Ende der Laufzeit

Das durchschnittliche Alter der Garantiefonds liegt aktuell bei 3,1 Jahren, die durchschnittliche Restlaufzeit bei 5,7 Jahren. Wer in Garantiefonds investiert, bindet also im Durchschnitt sein Kapital für neun Jahre. Die Laufzeit von Garantiefonds ist vielfach befristet, da sich hinter der Garantie nicht selten eine komplexe Strategie verbirgt. Aus diesem Grund ist die 100-prozentige Rückzahlung des eingezahlten Kapitals während der Laufzeit nicht ständig garantiert, sondern sie greift ausschließlich am Laufzeitende. Sollte der Anteilswert während der Laufzeit gerade unter dem Einstandskurs liegen, so wäre es wenig sinnvoll, aus einem solchen Arrangement auszusteigen. Denn in diesem Fall wären die hohen Absicherungskosten von etwa 0,4 Prozentpunkten pro Jahr, die die Fondsgesellschaften im Durchschnitt für ihr Angebot implizit berechnen, verschwendet gewesen.

Fakt ist, dass die Absicherung gegen Kurs- und Wertverluste nie umsonst zu haben sind, auch wenn in Prospekten entsprechender Produkte nicht selten etwas anderes suggeriert wird: Nämlich eine attraktive Rendite bei reduziertem Risiko. Aus diesem Grund sollten sich Anleger vor dem Kauf eines Garantiefonds oder -zertifikats genauestens über die Eigenschaften und vor allem auch über die versteckten Kosten des Produktes beraten lassen.

Garantiefonds im Performance-, Risiko- und Kosten-Check

Generell gibt es bei der Analyse eines Fonds drei Punkte zu beachten: Performance, Risiko und Kosten.

Erstens: Performance

Um ein Gefühl für die realistischerweise erzielbare Erträge bei Garantiefonds zu bekommen hat e-fundresearch.com nachgerechnet, wie viel Performance Garantiefonds im Schnitt erzielen konnten. Dafür wurden alle in Österreich, Deutschland oder der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Garantiefonds analysiert. Die Ergebnisse waren auf den ersten Blick enttäuschend: Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre erzielten die 24 Garantiefonds (mehr Produkte verfügen noch nicht über eine so lange Historie) gerade einmal 3,1 Prozent pro Jahr. Die 93 Fonds, die eine Drei-Jahres-Historie aufwiesen, erzielten mit 6,5 Prozent über diesen Zeitraum höhere Erträge. Aber ein zweiter Blick auf die kurzfristigen Erträge dürfte Anleger kaum glücklicher machen: Alle 205 Garantiefonds mit einer Historie seit Jahresbeginn kamen über diesen Zeitraum im Schnitt auf ein mageres Plus von 3,2 Prozent per annum. Eine fungiblere, risikolose Geldmarktanlage gemessen am 3-Monats-Euroibor kam im selben Zeitraum auf 3,6 Prozent.

Zweitens: Das Risiko

Bei Garantiefonds ist für Anleger, die bis zum Laufzeitende investiert bleiben, das Verlustrisiko de facto ausgeschaltet. Berücksichtigen sollten Anleger jedoch, dass nach einer durchschnittlichen Laufzeit von neun Jahren, eine jährliche Inflationsrate von im Schnitt zwei Prozent den Kapitalendwert um insgesamt 20 Prozent schmälert. Die in den vergangenen fünf Jahren erzielten Durchschnittsrenditen von 3,1 Prozent pro Jahr hätten deswegen das Kapital nach Steuern und sonstigen Kosten wie Ausgabeaufschlag, Depotgebühr, et cetera inflationsbereinigt kaum oder gar nicht vermehrt. Die durchschnittliche jährliche Volatilität aller Garantiefonds lag in den beiden vergangenen Jahren bei 5,2 Prozent. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa jener von globalen Staatsanleihen.

Drittens: Die Kosten

Garantiefonds kosten - gemessen an der jährlichen Gesamtkostenbelastung (TER) - im Schnitt 1,3 Prozent pro Jahr. Aktiv verwaltete Aktienfonds kosten laut Daten von Lipper/Fitzrovia durchschnittlich 1,63 Prozent, Anleihenfonds nur 0,9 Prozent. Vor dem Hintergrund, dass die meisten Garantieprodukte überwiegend aus Anleihen bestehen, kann man Garantiefonds durchaus als teuer bezeichnen. Grund dafür sind vor allem die bereits angesprochenen Kosten für die Kapitalgarantie, welche - je nach Assetklasse - zwischen 0,4 und einem Prozent pro Jahr betragen. Aus diesem Grund sollten Anleger diese Kosten in Relation zu den realistischerweise erzielbaren Renditen setzen. Über den Zeitraum der vergangenen drei bis fünf Jahren waren das im Schnitt drei bis sechs Prozent pro Jahr.

Braucht man Garantiefonds überhaupt?

Aus den oben besprochenen Fakten wird ersichtlich, dass sich Garantiefonds für die kurzfristige Geldanlage aufgrund ihrer Kostenstruktur und der zwischenzeitig nicht wirksamen Kapitalgarantie wenig eignen. Aber auch längerfristig muss der Nutzen von Garantiefonds kritisch hinterfragt werden. Denn über die von den meisten Garantiefonds gewählte Laufzeit von neun Jahren ist das Verlustrisiko bei reinen Aktieninvestments zumindest im historischen Vergleich nicht hoch. So erzielte der MSCI World Index (in amerikanische Dollar) über keine der 29 rollierenden 9-Jahres-Perioden seit 1970 einen geringeren nominellen Jahresertrag als 4,8 Prozent. In der besten Periode der Jahre 1979 bis 1988 kam man sogar auf 20,4 Prozent, im Durchschnitt auf zwölf Prozent. Diese Erträge wurden allerdings nur dann erzielt, wenn der Anleger eine Buy-and-Hold Strategie verfolgte, das heißt die gesamte Zeit hindurch zu 100 Prozent in Weltaktien investiert blieb.

Garantie kostet die halbe Rendite

Das bestätigt auch eine im Auftrag von Franklin Templeton Investments von Professor Uwe Wystup (Frankfurt School of Finance & Management), die Anlageprodukte mit Garantie klassischen Fonds ohne jede Absicherung gegenübergestellt. Das Ergebnis: Mögen sich Garantieprodukte über einen kurzen Zeitraum von fünf Jahren noch rechnen, überstieg die Renditeeinbuße auf lange Sicht deutlich ihren Nutzen. Nach 25 Jahren schnitten die Fonds ohne Garantie in jedem Szenario mit Abstand besser ab. Und die Garantie kostet in allen Marktszenarien rund die Hälfte der Rendite. Im Fazit fällt auf, dass bei Garantieprodukten die Kosten in Relation zu den erzielten Erträgen besonders hoch sind. Aus diesem Grund stellt sich die Frage nach dem Sinn solcher Produkte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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