14.12.2009 · Die Debatte um aktive und passive Strategien der Vermögensverwaltung beschäftigt Anleger zwangsläufig. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die eine kostengünstige Ausrichtung auf eine indexgebundene Anlagenklasse bieten, ziehen Geld an.
Von David BogoslawWährend die Anleger darüber nachdenken, wie sie ihre Portfolios für das kommende Jahr positionieren, spielt die ewige Debatte um aktive und passive Strategien der Anlagenverwaltung zwangsläufig eine Rolle in ihrem Entscheidungsprozess, bzw. dem ihrer Finanzberater.
Börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die den Anlegern eine relativ kostengünstige Ausrichtung auf eine indexgebundene Anlagenklasse bieten können, ziehen weiterhin Geld an. In amerikanischen ETFs gehaltene Anlagen nahmen im am 30. November beendeten Jahr um 54 Prozent auf 752 Milliarden Dollar, doch das ist unbedeutend im Vergleich zu den Billionen Dollar, die in offene Investmentfonds mit aktivem wie auch passivem Management investiert wurden.
Nur ein Drittel der aktien Fonds ist besser alls der Markt
Laut Studien von Russ Kinnel, Direktor für Fondsforschung bei Morningstar, schneiden ein Drittel der aktiv verwalteten offenen Aktieninvestmentfonds in der Regel besser ab als die Indexfonds in ihrer Kategorie. „Die Frage ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit man sich in jenem Drittel befindet, das überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt, und welche Nachteile es mit sich bringt, wenn man sich geirrt hat“, meint er. „Für einige aktiv verwaltete Fonds, die wenig kosten und geringe Umsätze im Portfolio aufweisen, dürften die Kosten eines unterdurchschnittlichen Abschneidens nicht sehr hoch sein.“
Meist muss es heutzutage keine Entweder-/Oder-Entscheidung sein. „Bei der Strategieentwicklung zur Portfoliostrukturierung lässt sich vermehrt beobachten, dass aktive und passive Strategien kombiniert werden, denn beide sind mit Vor- und Nachteilen verbunden und für beide ist Spielraum vorhanden“, sagt Carl Resnick, Managing Director und Portfolio-Stratege bei Rydex SGI. Zunächst müssen die Finanzberater entscheiden, in welchem Umfang sie aktiv oder passiv verwaltete Anlagen im Portfolio eines Kunden verwenden wollen. Die Mischung wird entsprechend den Anlagezielen und der Risikotoleranz des jeweiligen Kunden festgelegt, fügt er hinzu.
100 Prozent Aktien
Ein Nachteil der passiv verwalteten Aktienfonds besteht beispielsweise darin, dass diese stets zu 100 Prozent in Aktien angelegt sein müssen, sagt Resnick. Damit war das Desaster für einen großen Teil des Jahres 2008 und die ersten drei Monate von 2009 perfekt. Ein aktiver Manager dagegen hätte Geld vom Tisch nehmen und in bar anlegen können, um den Sturm auszusitzen. Ein geschickter Manager hätte sich den Ausverkauf an den Märkten sogar zunutze machen und sich zu Schnäppchenpreisen andere Anlagen, z.B. hochverzinsliche Unternehmensanleihen, aussuchen können, meint Kinnel von Morningstar.
Ein Pluspunkt für konventionelle Investmentfonds ist darin zu sehen, dass man weiß, dass sie am Ende des Tages zu ihrem Nettoinventarwert gehandelt werden, während bei ETFs immer das Risiko besteht, sie zur falschen Tageszeit zu kaufen oder zu vekaufen, meint Michael Goodman, Präsident von Wealthstream Advisors in New York. „Für den Durchschnittsanleger, der diesen Stress nicht auf sich nehmen möchte, stellen Investmentfonds angenehmere Vehikel dar“, sagt er.
Die Vermögensverwalter sind sich generell einig, dass Fonds, die an einen Aktienindex oder einen Index festverzinslicher Wertpapiere gebunden sind, die Renditen nicht durch eine zu starke Marktbindung schmälern, solange man den Rest seines Portfolios aus einem breiten Spektrum an Anlageklassen zusammensetzt.
Mithilfe von ETFs können sich Privatanleger eine Auswahl an Papieren mit unterschiedlich hohen Marktkapitalisierungen, Anlagestilen und Renditen aus verschiedenen Sektoren und geografischen Regionen zu angemessenen Preisen sichern. (Die Kosten sind in der Regel niedriger als bei offenen Indexfonds.) Außerdem bieten sie Zugang zu Long-, Short- und marktneutralen Strategien, die sich Kleinanlegern sonst nur schwierig erschließen, gibt Kenneth Leon, Leiter des Recherche-Teams von Standard & Poor's, zu bedenken. Seiner Ansicht nach sind ETFs für taktische Allokationen wie Währungen oder Rohstoffe ebenso sinnvoll wie für die elementare strategische Portfoliostrukturierung eines Anlegers aus Aktien und Anleihen.
Struktur eines Portfolios ist wichtiger als die Wahl des Einzelfonds
Mark Ragusa, Präsident von Money Map Advisors in Conroe, Texas, zitiert William Sharpe, der 1990 mit dem Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde und die Auffassung vertritt, dass der durchschnittliche aktiv verwaltete Dollar nach korrekter Messung langfristig schlechtere Renditen erzielt als der durchschnittliche passiv verwaltete Dollar.
Ragusa zufolge besteht die wichtigste Entscheidung eines Anlegers nicht in der Auswahl des richtigen Vermögensverwalters sondern vielmehr in der Auswahl der Portfoliostrukturierung. Diese ist allgemein für 95 Prozent seiner Rendite verantwortlich. Obendrein unterliegen im Gegensatz zu offenen Investmentfonds nicht alle Umsätze eines ETF-Portfolios der Kapitalertragssteuer. Selbst bei gleicher Wertentwicklung würde Ragusa es vorziehen, keine Kapitalertragssteuern zahlen zu müssen. Zudem verweist er auf Studien, die ergaben, dass die aktiven Fondsmanager mit den besten Bewertungen ihre übergroßen Renditen langfristig nicht aufrechterhalten können.
Scott Kubie, Chefinvestmentstratege bei CLS Investments in Omaha, behandelt ETFs als aktive Anlage, um die Portfoliostrukturierung an entstehende Marktrisiken anzupassen. Die Liquidität, die die ETFs bieten, macht sie zu einem effektiven Instrument, um eine Ausrichtung zu verstärken oder abzuschwächen, erklärt er. „Seit 2005 ist die Granularität der ETFs so weit gestiegen, dass man einige recht spezifische teilsektor- oder länderbezogene Allokationen vornehmen kann. Dies nutzen wir, um einen Teils unseres Portfolios so zu strukturieren, wie wir es wirklich möchten.“
Gleichgewichtete Indexfonds sind „wachstumsträchtig“
Heute gibt es Möglichkeiten, die Renditen indexgebundener ETFs zu maximieren. Grundlage hierfür ist die Art und Weise, wie die Wertpapiere in einem Index gewichtet sind. Vor vier Jahren entwickelte Robert Arnott, Vorsitzender von Research Affiliates in Pasadena (Kalifornien) und Herausgeber des Financial Analysts Journal, eine Alternative zur Gewichtung von Indizes nach der Marktkapitalisierung der Aktien. Bei einem kapitalisierungsgewichteten Index wird jede Aktie, die über ihrem Kurswert gehandelt wird, übergewichtet, während jede Aktie, die unter ihrem Kurswert gehandelt wird, eine Untergewichtung erhält. Dies führt zu einer strukturellen Belastung der Renditen, stellte er fest.
Rydex SGI und WisdomTree bieten gleichgewichtete ETFs auf Grundlage des S&P-500-Index, die die im Index abgebildeten Unternehmen umfassender repräsentieren als mit der traditionellen Methode der Marktgewichtung. Bei dieser konzentriert sich die Marktkapitalisierung größtenteils in den Beständen der oberen 10 oder 25 Unternehmen des Index, meint Leon von S&P. „Insbesondere in der Kategorie der hochkapitalisierten Unternehmen kann diese Strategie zu einem 'wachstumsträchtigeren‘ Profil verhelfen“, da sie diversifizierter ist, meint Leon.
Das wichtigste Argument für gleichgewichtete Indizes ist, dass sie eine stärkere Ausrichtung auf kleinere und mittelgroße Unternehmen bieten, die, wie sich herausstellte, im Laufe der Zeit besser abschneiden als größere Unternehmen, sagt Resnick von der Fondsgesellschaft Rydex SGI, die 10 ETFs eines gleichgewichteten Index anbietet. Der andere Grund, warum sie besser als marktgewichtete Indizes abschneiden, liegt darin, dass sie nicht einmal jährlich, sondern vierteljährlich rebalanciert werden.
Fundamental gewichtete Indexfonds berücksichtigen die Bewertung
Noch besser ist es, Indizes nach Fundamentaldaten wie Buchwert, Ertrag oder Gewinn zu gewichten, insbesondere bei Nutzung durch institutionelle Anleger, erklärte Arnott im Jahr 2005. Der WisdomTree Emerging Markets Small-Cap Dividend Fund, der die Indexkomponenten nach ihrer Dividendenrendite gewichtet, legte von Jahresbeginn bis zum 10. Dezember 72,57 Prozent zu und stellte damit die 65-prozentige Rendite des kapitalisierungsgewichteten iShares Morgan Stanley Emerging Markets Index in den Schatten. Diese Rendite bezieht sich nur auf den Kurs, doch wenn man die Wiederanlage von Dividenden berücksichtigt, ist der WisdomTree ETF von Jahresbeginn bis zum 30. November um 74,5 Prozent gestiegen. (Seine aktuelle Rendite beträgt 3,69 Prozent.)
„Heute spielen Dividenden eine größere Rolle als in den vergangenen 10 Jahren und seit 1950 stammen 84 Prozent der Renditen aus der Wiederanlage von Dividenden“, meint Ragusa. „Dies bietet mehr Sicherheit bei internationalen Anlagen. Ich traue Dividenden mehr als allen anderen Kennzahlen, da sich eine Dividende nicht austricksen lässt.“
Auch Money Map Advisors verwendet einen fundamental gewichteten Index, der von Arnotts Unternehmen Research Affiliates erstellt wurde und von PowerShares vermarket wird.
Ein Problem bei fundamental gewichteten ETFs besteht darin, dass diese infolge der von ihnen verwendeten Kriterien letztendlich eine starke Wertausrichtung aufweisen, meint Goodman von Wealthstream. Ihm gefällt diese Tendenz, da diese seiner Überzeugung entspricht, dass Wertaktien das Kriterium Wachstum auf lange Sicht übertreffen. Für wachstumsorientierte Anleger wäre diese Gewichtung weniger geeignet.
Aktiv verwaltete ETFs mit erhöhtem Aufwand
Der neueste Trend an dem sich entwickelnden ETF-Markt sind aktiv verwaltete Fonds, deren Bestände nicht durch Verfolgung eines Index bestimmt, sondern von einem Manager handverlesen werden. Bislang ist nur eine Handvoll dieser Fonds auf den Markt gekommen, doch einige stehen kurz vor ihrer Markteinführung und erwarten die Genehmigung durch die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde, Securities & Exchange Commission.
Die Verwendung aktiv verwalteter ETFs gestaltet sich relativ schwierig für Portfoliomanager, die üblicherweise eine Feinabstimmung des Risikoniveaus vornehmen, indem sie die Portfoliostrukturierung ändern, sagt Kubie von CLS Investments. „Bei aktiv verwalteten ETFs lässt sich dies etwas schlechter kontrollieren“, meint er. „Wir haben noch nicht herausgefunden, wie wir sie derzeit mit unserer Managementstrategie in Einklang bringen sollen.“ Hinzu kommt, dass eine Wertschöpfung erforderlich ist, um das höhere Verhältnis zwischen Aufwand und Umsatzerlös auszugleichen, das sie im Vergleich zu passiv verwalteten ETFs aufweisen, fügt er an.
Sogar an den internationalen Märkten, wo man mit größerer Wahrscheinlichkeit aktive Manager offener Investmentfonds vorfindet, die ihre Benchmarks übertreffen, lösen sich die Marktineffizienzen, die dies möglich machen, immer rascher auf, erklärt Ragusa.
„In Zukunft wird es, insbesondere mit Gebühren, nicht einfach sein, zu versuchen, den Markt zu überflügeln“, meint er. „Für eine Gebühr von rund 0,5 Prozent kann ich einen indexgebundenen ETF erwerben. Somit bin ich den meisten aktiven Managern bereits eine Nasenlänge voraus. Bringt man fundamental gewichtete Indizes ins Spiel, dann ist dies erst recht der Fall.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |