13.07.2006 · Ratings sollen dabei helfen, im Fondsdschungel das richtige Produkt zu finden. Doch bei den vielen Ratings selbst fällt der Überblick schwer. Privatanleger sollten den Urteilen nicht zu viel Gewicht beimessen.
Anleger tun sich schwer, im Fondsdschungel den Überblick zu bewahren. Das ist kein Wunder, schließlich geht die Zahl der in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds in die Tausende. Viele vertrauen darum auf Ratings einschlägiger Agenturen wie Standard & Poor's oder Morningstar.
Doch was bedeutet eigentlich ein „AA“ hier und ein Sternchen dort? Was sagen die Ratings aus, wer bezahlt sie und für wen sind sie eigentlich gedacht? Der Wiener Informationsanbieter für Investmentfonds e-fundresearch.com stellt die einschlägigen Ratings in einem aktuellen Beitrag kurz vor (siehe Kasten am Ende des Textes).
Rankings...
Wichtig ist zunächst die Unterscheidung zwischen Rating und Ranking: Ein Ranking weist einen Rangplatz zu, Basis sind allein quantifizierbare Kriterien. Rankings bilden die historische Wertentwicklung ab und berücksichtigen zum Teil auch die historische Volatilität, also die Schwankungen der Fondspreise.
Die Plazierung eines Fonds hängt nicht nur von der Performance ab, sondern natürlich auch vom gewählten Maßstab. So wird ein Fonds mit deutschen Aktien vielleicht im Vergleich zu anderen Anlageprodukten mit diesen Titeln sehr gut abschneiden. Auf einer Rangliste der besten Aktienfonds weltweit taucht er aber vielleicht gar nicht auf.
... und Ratings
Ratings haben im Unterschied zu Rankings Prognosecharakter. Neben quantifizierbaren spielen auch qualifizierbare Kriterien ein Rolle, zum Beispiel das Können des Fondsmanagers und der Prozeß der Aktienauswahl. Doch auch diese stoßen schnell an ihre Grenzen, wie der Branchenverband BVI schreibt: „Keineswegs alle Fondsbeurteilungen, die für sich die Bezeichnung 'Rating' in Anspruch nehmen, sind in der Lage, eine Prognosefähigkeit für künftige Wertentwicklungsergebnisse zu belegen“, heißt es im Jahrbuch des Verbandes.
Tests auf die Güte der Wahrscheinlichkeitsaussage von Ratings fielen in einigen Fällen zwar recht ermutigend aus, im Großen und Ganzen seien sie jedoch enttäuschend, „was sich unter anderem in einem besseren Abschneiden zuvor unterdurchschnittlich beurteilter Fonds äußert.“
Profis sind skeptisch
Zu hoch sollte man die Ratings also nicht hängen. Auch die Profis sind übrigens oft genug skeptisch. Für Erika Karitnig, Leiterin des Bereiches Dachfondsmanagement bei der Volksbanken KAG, spielen Ratings nur eine sehr untergeordnete Rolle. „Eigentlich schauen wir gar nicht darauf, da wir uns die Fonds die für unsere Dachfonds in Frage kommen selbst genau ansehen“, wird sie von e-fundresearch.com zitiert.
Einzig die Veränderung des S&P-Ratings, läßt sie in ihre Überlegung mit einfließen: „Dabei schaue ich mir vor allem an, wie Ratingveränderungen begründet werden“, sagt Karitnig. Ein gutes Rating sei für sie aber kein Grund, einen Fonds in die Portfolios aufzunehmen. Ihre Bedeutung hätten Ratings dafür im Marketing: „Im Retailgeschäft darf der Einsatz von Ratings als Marketinginstrument nicht unterschätzt werden.“
Zielgruppe: Fondsverkäufer
Kein Wunder also, daß vor allem die Fondsverkäufer die Ratings als Gütesiegel für sich entdeckt haben. „Wie im Supermarkt - wo mit Qualitätsurteilen à la Stiftung Warentest für Produkte geworben wird - soll mit einem Top-Rating dem Kunden suggeriert werden, einen Top-Fonds zu kaufen“, schreibt e-fundresearch.com.
Der Informationsdienstleister zitiert eine Studie, nach der in den Vereinigten Staaten die Fonds mit einen Rating im oberen Drittel schon 98 Prozent der Nettomittelzuflüsse auf sich vereinen. Ohne gute Bewertung haben die Fonds im Vertrieb also keine Chance.
Selbst schuld am Fondsdschungel
In Europa ist die Situation - noch - anders: In Deutschland etwa gingen der Studie zufolge erst 60 Prozent der Nettomittelzuflüsse in Fonds mit einem Top-Rating. In Spanien, Frankreich oder Italien liege dieser Anteil sogar unter 40 Prozent.
Die Anleger setzen in Deutschland bekanntermaßen eher auf neue Fonds, die noch gar kein Rating haben können (siehe auch: Sind neue Fonds besser?). Zu einem guten Teil sind die Kunden also selbst am Fondsdschungel schuld - ihre Nachfrage veranlaßt die Fondshäuser schließlich, ständig neue Produkte auf den Markt zu werfen.
Schlechte Ratings werden oft nicht veröffentlicht
In Deutschland gewinnen die Ratings also erst nach und nach an Bedeutung. Das führt dazu, daß immer neue Rating-Agenturen auf den Markt drängen - inzwischen sind es mehr als ein Dutzend. Doch wer finanziert diese Ratings eigentlich? Meist sind es die Fondsgesellschaften selbst. Das wird so bleiben, solange Anleger nicht selbst für unabhängige Ratings zahlen wollen.
Daher werden die Ratings in erster Linie ein Vertriebsargument bleiben. Den Fondsgesellschaften kann man aus diesem Grund auch nicht verübeln, daß sie schlechte Ratings häufig nicht veröffentlichen.
Privatanleger sollten ein Rating beim Fondskauf also nur als eines von vielen Kriterien zu Rate ziehen. Ein gutes Rating darf nicht überbewertet werden, ein schlechtes Rating ist dagegen ein guter Grund, genauer nachzuschauen, warum der Fonds denn so schlecht eingestuft wird.
Überblick über die wichtigsten Rating-Anbieter:
1. Standard & Poor´s
S&P legt besonderes Augenmerk auf die Konsistenz der erzielten Anlageergebnisse. Ein Rating erhalten schließlich nur die Fonds, die zu den besten 20 Prozent ihrer Vergleichsgruppe gehören. Die Bewertungen schwanken zwischen AAA und A. Rentenfonds werden zusätzlich nach ihrer Volatilität beurteilt, hier reicht die Skala von V1 (wenig schwankend) bis V6 (stark schwankend).
2. Morningstar
Morningstar untersucht monatlich die Qualität eines Fonds in einem vergleichbaren Segment. Hierbei werden nur Fonds unter die Lupe genommen, die länger als drei Jahre am Markt sind. Je nach Güte des Fonds in Bezug auf die Performance in seiner Kategorie werden zwischen ein und fünf Sterne vergeben. Während ein Fünf-Sterne-Fonds zu den besten zehn Prozent in Europa gehört, zählt ein Ein-Sterne Fonds zu den schlechtesten zehn Prozent seiner Gruppe. Damit kann dieses Rating kaum mehr als Gütesiegel gelten.
3. Lipper Leaders
Bei der zur Reuters gehörenden amerikanischen Rating-Agentur Lipper stehen vier Kriterien im Vordergrund: Kapitalerhalt, konsistente und absolute Erträge sowie Kosten und Gebühren. Die Notenskala der Lipper Leaders reicht jeweils von eins bis fünf. Während die besten 20 Prozent eine Eins bekommen, erhalten die schlechtesten 20 Prozent die Note Fünf. Je nach den Bedürfnissen der Anleger können die einzelnen Bewertungen entsprechend miteinander verknüpft werden.
4. Feri Trust
Um ein Rating von Feri Trust aus Bad Homburg zu erhalten, muß der zu untersuchende Fonds mindestens fünf Jahre am Markt sein und innerhalb der Kategorie noch mindestens 20 Konkurrenten haben. Danach prüft die Rating-Agentur zwölf Kriterien wie Volatilität, Tracking Error und die Wahrscheinlichkeit, eine Outperformance gegenüber der Benchmark zu erzielen. Das abschließende Urteil setzt sich zu 70 Prozent aus Performance- und zu 30 Prozent aus Risiko-Kriterien zusammen. Die Skala geht dabei von A bis E.
5. Sauren
Die Sauren Fonds-Research AG nimmt bei der Aufteilung in gute und schlechte Fonds das Fondsmanagement genau unter die Lupe. Untersuchungsgegenstand sind die Anlagepolitik, der Investmentprozeß und die Erfolge der Fondsmanager in der Vergangenheit. Im Fokus der Urteilsfindung stehen auch das Fondsvolumen und seine Auswirkungen auf die Managementphilosophie. Sauren führt jährlich über 250 Interviews und zeichnet nur die besten Portfoliomanager mit einem bis drei Goldmedaillen je nach Bewertung aus.
6. Scope
Die Berliner Ratingagentur Scope bietet einen neuartigen Ansatz zur Bewertung von offenen Investmentfonds an. Das von Scope selbst entwickelte System entschlüsselt die Zielmärkte des Fonds unabhängig und wöchentlich über die gesamten drei Jahre des Betrachtungszeitraums - einzig und allein über den Fondspreis. Als Resultat können die Fähigkeiten der Fondsmanager sowohl in Bezug auf seine Zielmarkt-Allokation als auch seine Stock-Picking-Fähigkeiten getrennt ausgewiesen und bewertet werden. Für die Gesamtbewertung der einzelnen Performancebeiträge werden neun Bewertungsstufen auf einer Skala von (AAA) bis (D) vergeben. Das Sterne-Rating (ein bis fünf Sterne) hingegen weist die aktiven Fähigkeiten des Fondsmanagements aus.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |