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Fonds-Studie Wenig Mehrwert, viel Passivität

13.04.2010 ·  Der Nutzen aktiv gemanagter Investmentfonds ist umstritten. Entweder bildeten die Manager nur gegen hohe Gebühren den Index nach, oder es gelinge ihnen nicht, besser abzuschneiden als dieser. Eine Studie des Finanzdienstleisters Gecam legt nahe, dass an dieser Einschätzung einiges dran ist.

Von Martin Hock
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Einer der immer wieder zu hörenden Einwände gegen das Investieren in aktiv gemanagten Investmentfonds ist, dass diese letztlich nur die relevanten Indizes nachbildeten und somit für gezahlte Gebühren keinen Mehrwert böten. Indizien für diese These waren immer wieder der ähnliche Verlauf der Preisentwicklung vieler Aktienfonds insbesondere gegenüber dem zugrundeliegenden Index.

Diese Vermutung wird nun durch eine umfassend Studie des unabhängigen Finanzdienstleister Gecam eindrucksvoll unterstrichen. Gecam hat zum vierten Mal in Folge die Wertentwicklung von 8.650 in Europa zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds ausgewertet, die eine Historie von mehr als drei und von 11.294 Investmentfonds mit einer Historie von mindestens 12 Monaten hinsichtlich ihres Korrelationsverhaltens mit
den ihnen zugrunde liegenden Richtindizes verglichen.

Renten- und Mischfonds werden erheblich aktiver gemanagt

Die Ergebnisse sind frappierend. Drei von vier Fondsmanagern bilden zu mehr als 70 Prozent den Index in Portfolio ab. Dabei wird das Bild nur durch Fonds verbessert, in deren Natur eine Indexorientierung nicht so ausgeprägt ist, vor allem durch Renten-, Misch- und Dachfonds. Geht es hingegen um Aktienfonds, so stellt sich unwillkürlich die Frage, wofür ein Fondsmanager überhaupt bezahlt wird.

Nach den Studienergebnissen bilden drei von vier der Vermögensverwalter über die vergangenen drei Jahre den Index zu mehr als 90 Prozent ab. Im Vorjahr war die Passivität etwas geringer. Dennoch korrelierten 93 Prozent der betrachteten Aktienfonds zu mehr als 80 Prozent mit dem Index. „Einen wirklich aktiven Managementansatz mit einer Korrelation unter 0,6 zeigten lediglich 1,3 Prozent aller Aktienfonds“, schreibt Gecam.

Indexorientierung bisweilen zwangsläufig

Allerdings ist manches davon nachvollziehbar bzw. verzeihlich. So besteht die engste Korrelation zwischen Fonds und Indizes im allgemeinen bei Länderfonds. 99 Prozent beträgt die Korrelation bei Norwegen-Fonds, 98 Prozent bei Skandinavien-, Türkei- oder Indienfonds. Alle diese Fonds haben das Problem, dass ihr Anlageuniversum recht eng begrenzt ist, und eine Kapitalanlage jenseits des Leitindex zumindest nicht ratsam, wenn nicht gar bisweilen nahezu unmöglich ist.

Eine andere Schwierigkeit ist die Größe manches Aktienfonds. Bald 90 Prozent der Schwergewichte bildet zu mehr als 90 Prozent den Index ab, bei den Leichtgewichten waren es nur 53 Prozent. Auch das besitzt eine gewisse Logik - will der Fondsmanager nicht in einzelnen Werten überinvestiert sein und dadurch den Markt selbst verzerren, muss er zunehmend Aktien großkapitalisierte Unternehmen kaufen - und die bilden fast immer den Index.

Enttäuschend ist aber die Tatsache, dass sowohl Schwellenländer- als auch Euroland-Nebenwerte-Fonds ebenfalls zu 97 Prozent mit dem Index korreliert sind, während beispielsweise wechselkursabgesicherte Nebenwertefonds Nordamerika nur zu 68 Prozent und Technologie-Fonds nur zu 77 Prozent an ihren Indizes hängen.

Zwiespältige Erfolgsbilanz

Dabei bringt diese Index-Orientierung nicht unbedingt bessere Ergebnisse. Lediglich sechs der 34 Indienfonds schnitten in den vergangenen drei Jahren besser ab als der Leitindex. Tatsächlich waren die Fonds der sieben schlechtesten Kategorien, gemessen an der Zahl derjenigen, die den Index schlagen konnten, zu 96 Prozent mit den Indizes korrelliert, die Fonds der sieben besten Kategorien aber nur zu 93 Prozent.

Tröstlich mag für deutsche Anleger indes sein, dass es immerhin fast der Hälfte der in deutschen Standardwerten anlegenden Aktienfonds gelang, besser abzuschneiden als der MSCI-Germany-Index. Im vergangenen Jahr waren es allerdings nur 30 Prozent. Dabei scheint sich ein deutliches Abweichen vom Index nicht unbedingt gelohnt zu haben. Während die fünf Fonds, die am besten abschnitten, eine Korrelation von 94 bis 99 Prozent zum Index aufweisen, so bildete das Schlusslicht, der Gerling Deutschland diesen nur zu 76 Prozent nach. Und auch der Parvest German Equities belegt trotz eines Abweichens von 30 Prozent den drittletzten Platz.

Dies könnte auch ein Grund für hohe Indextreue zu sein. „Erstaunlich“ sei die Bandbreite der Ergebnisse, so Gecam-Vorstand Uwe Leonhardt. Die Wertentwicklungsdifferenz zwischen dem besten und dem schlechtesten Portfolio aus deutschen Aktien betrug 2009 immerhin 39 Prozentpunkte. Bei Schwellenländerfonds trennten den Primus und das Schlusslicht gar 82 Prozentpunkte. „Die Schwellenländer erwiesen sich erneut als schwieriges Terrain, das zu hoher Indexnähe einlud und bei der die aktive Auswahl von Einzeltiteln kaum Erfolg versprach“, schlussfolgert Leonhardt.

Aktives Management bringt Rentenfonds keine Vorteile

Das gilt auch für Renten- und Geldmarktfonds. Diese verfolgten in den vergangenen drei Jahren eine moderate Indexorientierung von durchschnittlich 66 Prozent, doch schlug sich dies nicht in einer deutlich bessern Wertentwicklung nieder. Das gelang lediglich 12 Prozent der Fonds. Unter den in kurzlaufenden Euro-Anleihen investierenden Fonds mit immerhin einem Gesamtvolumen von mehr als 85 Milliarden Euro gelang dies trotz einer Indexorientierung von lediglich 53 Prozent sogar nur drei der 183 Fonds. Indextreue scheint sich in dieser Kategorie tendenziell bezahlt gemacht zu haben: Vier der besten fünf Fonds weisen eine überdurchschnittliche hohe Korrelation zur Leitlinie auf.

Besser lief es für Rentenfonds dagegen im vergangenen Jahr. 59 Prozent aller untersuchten Anleihefonds schafften Mehrwert gegenüber dem Markt, vor allem mit Hochzinsanleihen, während Anhänger von Staatstiteln einen Dämpfer erhielten.

Mischfonds: Je mehr Aktien, desto indextreuer

Die geringste Korrelation mit ihren Maßgrößen weisen Dach- und Mischfonds auf. Das liegt nicht zuletzt daran, dass gerade Mischfonds-Manager relativ hohe Freiheiten hinsichtlich der Anlagegrundsätze genießen. Lediglich 13 Prozent der Vertreter dieser Fondsgattung orientierten sich auf Sicht der vergangenen drei Jahre zu mehr als 90 Prozent am jeweiligen Vergleichsindex und immerhin 35 Prozent der Fonds stuft Gecam als „wirklich aktiv“ ein.

Im allgemeinen zeigt sich bei ausgewogen und dynamisch anlegenden Mischfonds, also solchen mit einer höheren Aktienquote, eine größere Indexorientierung als bei konservativen und flexiblen Fonds. Das ist insofern logisch, als der Mischfondsmanager mit steigendem Aktienanteil stärker dem Aktienfondsmanager ähnelt.

Knapp jedem dritten Fondsmanager gelang es dabei, besser abzuschneiden als der Vergleichsindex, wobei sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Indexorientierung und Qualität der Wertentwicklung aufdrängt.

Die Qual der Fondswahl

Indexorientierung müsse per se nichts Negatives sein, resümiert Leonhardt unter Verweis auf die trotz oder wegen einer höheren Korrelation besseren Anlageergebnisse gerade von Aktienfonds im vergangenen Jahr. Bei steigenden Märkten wie 2009 scheine sich wohldosierte Aktivität und mehr Indexnähe im Fondsmanagement durchaus auszuzahlen. Allerdings gelinge die Schöpfung von echtem Mehrwert nur mit der stärkeren Gewichtung einzelner Ertragsperlen, wobei die Chancen kleinerer bis mittelgroßer Portfolios größer seien.

Angesichts der Studienergebnisse stellt sich erneut die Frage nach dem Sinn des Investments in Aktienfonds, gleichzeitig aber nach den Alternativen. Wer Indexfonds wählt, kommt billiger, wird aber nie in den Genuss von mehr Rendite kommen als der Markt eben hergibt. Wer aber auf Mehrwert hofft, muss angesichts der Spannbreiten der Wertentwicklung eine gute Auswahl unter den Fonds treffen. Doch die richtige Entscheidung zu treffen scheint hier fast ebenso schwierig zu sein wie im Falle des Entschlusses, sein eigener Fondsmanager zu sein. Da scheint der Griff zum Indexfonds zumindest die einfachere Alternative, auch wenn sie etwas kosten kann - aber nicht muss.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

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