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Fonds Strafzahlungen im Fondsskandal gehen in die Milliarden

16.03.2004 ·  Die Bank of America und Fleet Boston einigen sich mit der Börsenaufsicht SEC und zahlen eine Vergleichssumme von 675 Millionen Dollar.

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Die wegen unlauterer Handelsmethoden bei amerikanischen Investmentfonds verhängten Strafen sprengen die bisher an der Wall Street üblichen Dimensionen. Am späten Montag haben die Großbanken Bank of America und Fleet Boston Financial mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer und der Börsenaufsicht SEC einen Vergleich in Höhe von insgesamt 675 Millionen Dollar bekanntgegeben.

Damit hat sich nun eine Handvoll Fondsgesellschaften mit den Aufsichtsbehörden auf eine Vergleichssumme von insgesamt schon 1,65 Milliarden Dollar verständigt. Und die Summe dürfte noch höher werden, da bei einigen Fondsgesellschaften die Einigungen noch ausstehen. Der Betrag übertrifft indes schon jetzt die 1,4 Milliarden Dollar, auf die sich im vergangenen Jahr die größten Investmentbanken wegen Interessenkonflikten von Analysten in einem außergerichtlichen Vergleich mit der Börsenaufsicht geeinigt hatten.

Verschulden weder eingestanden noch zurückgewiesen

Der jüngste Vergleich ist der bisher größte Einzelvergleich in dem seit September schwelenden Fondsskandal. Der Vergleich beinhaltet Strafe und Rückerstattung an Investoren in Höhe von 515 Millionen Dollar. Überdies werden die Finanzdienstleister über die nächsten fünf Jahre hinweg ihre Fondsgebühren um 160 Millionen Dollar senken. An diesem Mittwoch stimmen die Aktionäre beider Banken über deren geplante Fusion ab, weswegen Bank of America und Fleet wahrscheinlich auch mit Hochdruck an einem Vergleich gearbeitet hatten.

Zum ersten Male gehen die Aufsichtsbehörden auch gegen Verwaltungsräte vor. Acht der zehn Mitglieder im Verwaltungsrat der zur Bank of America gehörenden Nations Funds werden dieses Kontrollgremium bis Mai 2005 verlassen, teilte Staatsanwalt Spitzer mit. "Diese Verwaltungsräte haben ganz klar dabei versagt, die Interessen der Anleger zu vertreten", sagte Spitzer. Die Banken haben, wie bei solchen Abkommen üblich, ein Verschulden weder eingestanden noch zurückgewiesen.

Fragwürdige Praktiken

Die Ermittlungen der Aufsichtsbehörden konzentrierten sich auf kurzfristigen Handel mit Fondsanteilen sowie den illegalen Handel mit Anteilen nach Börsenschluß zum Preis des Vortags. Mit dem Kauf und Verkauf von Fondsanteilen in kurzen zeitlichen Abständen haben von Fonds bevorzugte Anleger Preisunterschiede auf internationalen Finanzmärkten ausgenutzt. Diese als "Market-Timing" bekannte Praxis ist zwar nicht illegal, verstößt aber gegen die Statuten der meisten Fondsanbieter, weil sie die Kosten erhöht und somit normale Anleger schädigt. Beim Späthandel, der nicht ganz so weit verbreitet war, konnten Anleger von Nachrichten profitieren, die erst nach Börsenschluß öffentlich wurden.

Die Fonds der Bank of America gehörten zu den ersten, die von Staatsanwalt Spitzer in Zusammenhang mit fragwürdigen Praktiken in der Branche angeprangert wurden. Zu den anderen Fondsgesellschaften, die sich bereits mit den Behörden verglichen haben, gehört Alliance Capital, die mehrheitlich zum französischen Versicherungskonzern Axa gehört. Alliance zahlt insgesamt 600 Millionen Dollar. Massachusetts Financial Services, eine Tochtergesellschaft der kanadischen Versicherung Sun Life, wird 350 Millionen Dollar zahlen. Andere große Gesellschaften wie Janus Capital, Putnam, Bank One haben sich noch nicht mit den Behörden geeinigt.

Auch amerikanische Fondstochtergesellschaften des deutschen Versicherungskonzerns Allianz stehen im Visier der Behörden. Vor knapp einem Monat hatte der Generalstaatsanwalt von New Jersey, Peter Harvey, eine Klage gegen mehrere Fondsgruppen der Allianz eingereicht und mit einer hohen Strafe gedroht. Harvey wirft den Gesellschaften vor, einem Risikofonds Market-Timing ermöglicht zu haben. Die SEC erwägt ebenfalls Zwangsmaßnahmen.

Quelle: nks., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2004, Nr. 65 / Seite 23
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