Home
http://www.faz.net/-gvf-qufw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fonds „Stockpicking sollte sich an der türkischen Börse im zweiten Halbjahr auszahlen“

25.07.2007 ·  Die Türkei hat gewählt und sich für die Fortsetzung der wirtschaftspolitisch sehr erfolgreichen AKP-Regierung entschieden. Was das aus ihrer Sicht für die Istanbuler Börse bedeutet, erläutern die Fondsmanager des Magna Turkei Fonds.

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (1)

Die schon bisher regierende Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei, AKP, ist bekanntlich als Siegerin aus den vorgezogenen Parlamentswahlen in der Türkei hervorgegangen. Am Tag nach dem Urnengang wurde das Ergebnis mit einem Kursfeuerwerk begrüßt, ehe in den beiden Handelstagen danach dann zu Gewinnmitnahmen kam.

Mit einem Plus von gut 40 Prozent auf Lira-Basis seit Jahresanfang hat sich der Markt bisher weitaus besser geschlagen, als es ihm die meisten Experten zugetraut hatten. Und wenn es nach den Stefan Hertz und Stefan Böttcher geht, dann könnte das zumindest tendenziell auch so weitergehen. Die beiden Fondsmanager sind bei Charlemagne Capital zuständig für den rund 66 Millionen Euro schweren Magna Türkei Fonds (ISIN: IE00B04R3968).

Aussicht auf Zinssenkungen spricht für Bankaktien

Im Rahmen einer Telefonkonferenz zeigte sich Böttcher verhalten optimistisch für den weiteren Jahresverlauf. Zur Begründung verwies er auf den noch immer bestehenden Bewertungsabschlag, den türkische Aktien im Schnitt verglichen mit den meisten anderen Schwellenländerbörsen aufweisen. „Zieht man die Fundamentaldaten mit einem starken, über sechs Prozent liegenden Wirtschaftswachstum, einer sich reduzierenden Inflation und weiterhin starken Auslandsdirektinvestitionen heran, so scheinen die türkischen Aktie im internationalen Vergleich immer noch günstig bewertet“, pflichtet auch Hertz bei. Etwas einschränkend schiebt Böttcher aber hinterher, dass die Aktien inzwischen nicht mehr ganz so günstig seien wie noch vor einem Jahr. Intern wurde darauf zuletzt auch dadurch reagiert, dass Positionen wieder etwas zurückgefahren wurden. „Stockpicking sollte sich aber auf jeden Fall auszahlen im zweiten Halbjahr“, lautet Böttchers generelle Prognose.

Nachdem nicht mehr alle Aktien durch die Bank niedrig bewertet seien, komme es nun vermutlich stärker als zuletzt auf die richtige Auswahl an Einzelaktien an. Da die türkische Börse noch immer sehr ineffizient sei, gebe es weiterhin große Bewertungsunterschiede. Interessant sei beispielsweise ein Teil jener Titel, die nur ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von fünf bis sieben aufwiesen. Und solche Werte seien an der türkischen Börse durchaus zu finden.

Unter den Branchen hält Böttcher die Bankaktien für am aussichtsreichsten. Das hat zum einen mit deren Bewertung zu tun. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen für 2008 zwischen acht und elf und Kurs-Buchwert-Verhältnissen zwischen 1,5 und 2,4 seien diese Titel im internationalen Vergleich günstig bewertet. Außerdem spricht laut Böttcher für die Bankaktien die Aussicht auf deutlich fallende Leitzinsen. Die Phantasie darauf leitet er aus den hohen Realzinsen ab. Diese ergeben sich durch die Gegenüberstellung der Leitzinsen von 17,5 Prozent und der Inflationsrate von zuletzt 7,5 Prozent. „Der Realzins von zehn Prozent ist unter den Märkten, die wir beobachten, am höchsten und das beinhaltet erhebliche Zinssenkungsphantasie.“ Für die Börse wäre das ein positives Szenario, wenngleich laut Böttcher dann auch ein gewisser Druck auf die zuletzt starke türkische Währung ausgehen könnte.

Wahlen bringen den Börsianern ein Wunschergebnis

Auch politisch gesehen haben sich die Wogen nach dem ruhig verlaufenen Urnengang erst einmal etwas geglättet. Stefan Herz fasst das daraus resultierende Fazit wie folgt zusammen: „Das Ergebnis reflektiert das „Best-Case-Szenario“, was die meisten Investoren erhofft hatten. Dies wird der Börse einen weiteren neuen Schub verleihen, von dem sicherlich auch unser Fonds sehr profitieren wird.“ Das Ergebnis ist aus seiner Sicht deshalb ein Wunschergebnis, weil die bisherige Regierung, die eine Bilanz vorzuweisen hat, im Amt bestätigt wurde, gleichzeitig der AKP aber wegen der dafür fehlenden Zweidrittelmehrheit keine andere Wahl haben dürfte, als in der Präsidentschaftsfrage sowie der Frage der Verfassungsänderung als mit der Opposition einen Konsens zu finden. Die Märkte scheinen nach seiner Lesart das Wahlergebnis auch zu interpretieren, dass der politische Einfluss der Militärs deutlich eingeschränkt worden ist und der Reformprozess im Hinblick auf die EU-Beitrittsgespräche wieder deutlich an Fahrt gewinnen wird.

Bei aller grundsätzlichen Zuversicht weisen die beiden Fondsmanager aber auch auf mögliche Gefahren hin. Diese bestehen im Inland in der Besetzung des Präsidentenstuhls. „Wenn Außenminister Gül erneut als Präsidentschaftskandidat vorgeschlagen würde, dann würden das die Märkte sicherlich nicht begrüßen“, prophezeit Böttcher. Und wie Hertz ergänzt, sollte auch das Thema Nordirak nicht ausgeblendet werden. „Die seit Wochen schwelende Frage nach einem möglichen Einmarsch der türkischen Armee in den Nordirak, um dort gegen die PKK zu kämpfen, bleibt weiterhin unbeantwortet.“

Ansonsten sei die türkische Börse traditionell sehr abhängig von allen externen Einflüssen. Bei einem günstigen Umfeld profitierten türkische Aktien laut Böttcher davon besonders stark. Doch dafür gerieten die Notierungen bei einer eingetrübten Stimmung an den Weltbörsen auch schnell gehörig unter Druck. Auch angesichts der Probleme auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt sollte dies nicht vergessen werden. „Es gibt viel Licht, aber auch potenzielle Gefahren an der türkischen Börse“, fasst Böttcher das aktuelle Umfeld an der türkischen Börse abschließend zusammen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%