Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer wirft mehreren amerikanischen Banken und Fondsgesellschaften „illegale Handelsmethoden“ vor, mit denen ein Hedge-Fonds beim Kauf von Wertpapieren begünstigt worden seien. Dabei soll es Hedge-Fonds ermöglichst worden sein, Anteile an offenen Immobilienfonds zu Preisen zu erwerben, die den meisten anderen Investoren nicht angeboten worden seien.
Zumindest in einem Fall scheint Spitzer einen Treffer gelandet zu haben: Der Hedge-Fonds Canary Capital Partners und sein Hauptmanager Edward Stern haben sich einverstanden erklärt, 30 Millionen Dollar an Erträgen und eine Strafe von zehn Millionen Dollar zu zahlen, wie Bloomberg News meldet.
„System wurde manipuliert“ - Investoren geschädigt
„Einige Unternehmen und Individuen haben die Gelegenheit gehabt, das System zu manipulieren“, rügte Spitzer. Die Fondsgesellschaften, darunter Bank of America Corp., Bank One Corp., Janus Capital Group Inc. und Strong Capital Management Inc. hätten Canary spezielle Handelsmöglichkeiten wie nachbörsliches Handeln geboten, um andere Investoren auszuschließen. Im Gegenzug habe sich Canary bereit erklärt, in ihre Fonds zu investieren, berichtete die Wirtschaftsagentur.
Canary sei im Laufe der Zeit somit zu einem der größten Kunden der Bank of America geworden. Die Bank erklärte, mit der Staatsanwaltschaft kooperieren zu wollen. Weiter wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Spitzer erklärte, die Fonds hätten die Gesetze verletzt. Mögliche Strafzahlungen wollte er nicht auschließen. Die illegalen Aktivitäten sind laut Spitzer in der Industrie weitverbreitet und kosten Investoren solcher Fonds mehrere Milliarden Dollar.
„Überraschend, schockierend und aufreibend“
In der Finanzbranche haben die Erkenntnisse Spitzers und der Zugeständnis von Canary für Aufsehen gesorgt: „Das ist überraschend, schockiend und aufreibend“, sagte Howard Schneider, Berater von Vermögensverwaltern und früherer Mitarbeiter von Fondsgesellschaften, zu Bloomberg. „Wenn sich die Anklagepunkte oder irgendetwas entsprechendes als wahr herausstellen sollte, haben diese Fondsgesellschaften etwas aufzuklären.“
Schneider hob hervor, die Fondsindustrie mit 9,5 Billionen Dollar Anlagevolumen und 95 Millionen Anlegern in Amerika sei zu einem bevorzugten Mittel für Investments geworden, weil sie nachvollziehbaren Kriterien folge. Der Begriff Investmentfonds stehe für die Regel, daß alle Anleger gleich behandelt würden.
Branche schmückt sich mit Skandal-Freiheit
Die Anschuldigungen treffen diesen Industriezweig auch aus einem anderen Grund hart: Führende Vertreter der Fondsbranche haben stets darauf hingewiesen, seit dem Inkrafttreten des Gesetzes über Invetsmentfonds ohne Skandale ausgekommen zu sein. „Die moderne Fondsindustrie ist niemals mit solche Dingen in Verbindung gebracht worden“, sagte Paul Stevens, Partner einer Anwaltskanzlei und früher beim Investment Company Institute in leitendeer Funktion beschäftigt.
Um die Tragweite der Manipulation zu erklären, bemühte der Generalstaatsanwalt ein Bild aus dem Sport: Was die von ihm beschuldigten Institute getan hätten, entspreche der Möglichkeit, Wetten zu plazieren, wenn die Pferde schon im Ziel seien.