22.06.2004 · Die amerikanische Börsenaufsicht will Fondsgesellschaften verpflichten, branchenunabhängige Verwaltungsratsvorsitzende einzusetzen. Das könnte den bekanntesten Vertretern der Fondsbranche mindestens einen ihrer Jobs kosten.
Wenn es nach den Vorschlägen der SEC geht, verlieren Edward Johnson von Fidelity Investments und John Brennan von der Vanguard Group, zwei der bedeutendsten Manager in der amerikanischen Investmentfondsbranche, mindestens einen ihrer Jobs.
Die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde will die Unabhängigkeit der Fonds-Aufsichtsräte stärken und daher die Fondsgesellschaften zwingen, von der Gesellschaft unabhängige Vorsitzende für die einzelnen Fonds zu wählen. Damit sollen Interessenkonflikte in der 7,5 Billionen Dollar schweren Fondsbranche verhindert werden.
Managern droht zumindest ein Teilverlust an Macht
Johnson und Brennan müßten als Chairman der einzelnen Fonds zurücktreten, könnten jedoch weiter Chairman und Vorstandschef ihrer Fondsgesellschaften bleiben. Die in Boston ansässige Fidelity verwaltet in mehr als 300 Fonds rund eine Billion Dollar an Kapital, Vanguard aus Valley Forge im US-Bundesstaat Pennsylvania betreut 126 Fonds mit einem Anlagekapital von 720 Milliarden Dollar.
Die Chefs von Fidelity und Vanguard haben sich gegen den von der SEC unter ihrem Chairman William Donaldson vorangetriebenen Plan ausgesprochen. Drei der fünf SEC-Kommissionsmitglieder unterstützen den Vorschlag, der am Mittwoch zur Abstimmung ansteht. „Es liegt im besten Interesse der Fondsinvestoren, unabhängige Chairmen bei den Fonds zu haben", sagte Harold Williams, der die SEC von 1977-81 leitete, in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. Zusammen mit sechs anderen ehemaligen SEC-Chefs befürwortete er die Neuerung in einem Brief an die Behörde.
Die neue Vorschrift ist eine von Dutzenden, die die SEC im Gefolge des Fondsskandals in Amerika einführen will. Eine Untersuchung brachte mißbräuchliche Handelspraktiken bei mehr als 20 Fondsgesellschaften ans Licht. Fidelity und Vanguard gehörten nicht zu den betroffenen Gesellschaften.
Unterschiedliche Ansichten zur Notwendigkeit der Vorschriften
„Unabhängige Chairmen haben in der Vergangenheit keinen Mißbrauch verhindert, denn eine Anzahl der in den Skandal verwickelten Gesellschaften hatte unabhängige Chairmen", schrieb Johnson in einem Brief auf der Vanguard-Website. Er sei nicht nur Chairman bei Investmentfonds, sondern investiere auch selbst in Fidelity-Fonds und habe daher dieselben Interessen wie die Fondseigentümer, führte der Fidelity-Chef aus.
Vertreter der SEC und Verbraucherschützer sind indes der Auffassung, daß die Regel notwendig ist, um deutlich zu machen, daß die Fonds den Eigentümern der Fondsanteile gehören und nicht den Fondsgesellschaften. Mit der Gesellschaft verbundene Vorsitzende dürften mißbräuchliche Handelspraktiken vor dem Aufsichtsrat verbergen oder den Investoren nicht unbedingt die niedrigsten Gebühren sichern, argumentieren sie.
Fonds-Aufsichtsräte genehmigen die Verträge, in denen die Vergütung für die Verwaltungs-Dienstleistungen der Fondsgesellschaft festgelegt wird. Sie können auch die Politik des Fonds bei Transaktionen festlegen und achten auf mögliche Interessenkonflikte. Bei den im Fondsskandal aufgedeckten Praktiken hat diese Selbstkontrolle versagt.
Fidelity mit Alternativvorschlag
Fidelity hat der SEC einen Alternativvorschlag unterbreitet, der vorsieht, daß alle Aufsichtsratsausschüsse der Fonds von unabhängigen Aufsichtsratsmitgliedern geleitet werden. Die Aufsichtsräte könnten nur Vorschläge umsetzen, die von einem Ausschuß genehmigt worden sind und die unabhängigen Aufsichtsratsmitglieder würden die Tagesordnung für Meetings festsetzen.
Die Wahl unabhängiger Chairmen für Fonds würde hohe Kosten verursachen, warnte James Riepe, Vice Chairman von T. Rowe Price Group Inc., am Montag in einem Interview mit Bloomberg News. „Wir bräuchten 90 separate Aufsichtsräte und 90 separate Chairman für jeden Fonds", erklärte er. „Sie können sich vorstellen, was für Kosten das für die Investoren verursachen würde."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |