11.03.2004 · Der Zeitpunkt für eine Zinswende hat sich ein wenig nach hinten verschoben. Viele Investoren schichten deshalb kurzfristig in Anleihen mit langen Laufzeiten um, um etwas höhere Zinserträge zu generieren.
Die für 2004 schon sicher geglaubte Zinswende droht auszufallen: Nach den überraschend schlechten Arbeitsmarktdaten aus Amerika mehren sich die Erwartungen, daß in diesem Jahr sowohl in Amerika als auch in Europa keine Leitzinserhöhung zu erwarten ist. Die Renditen zehnjähriger Anleihen sind sowohl in Europa als auch in Amerika wieder unter die Marke von 4 Prozent gerutscht. In diesem Umfeld müssen nun auch Rentenfondsmanager ihre Erwartungen sowie ihre Strategie neu überdenken.
„Wir gehen schon seit längerem davon aus, daß die Zinsen in Euroland in diesem Jahr nicht steigen werden", sagt Markus Kohlenbach, Leiter des internationalen Rentenfondsmanagements der DWS. In den Vereinigten Staaten hingegen hält er eine Zinserhöhung für möglich, lediglich der Zeitpunkt habe sich ein wenig nach hinten verschoben.
Aufgeschoben heißt nicht zwangsläufig aufgehoben
„Grundsätzlich bedeuten die aktuellen Daten nicht, daß die Zinswende ausbleibt", meint Reiner Back, Leiter des Rentenportfolio-Managements der Meag, wenngleich er derzeit einige Faktoren sieht, welche das derzeitige Zinsniveau erklären: „Zum einen sorgt der schwache Dollar für niedrige Zinsen: Die asiatischen Notenbanken kaufen Dollar, um ihre Währungen stabil zu halten, und legen einen Teil dieser Dollar in amerikanischen Staatsanleihen an - das hält die Zinsen niedrig."
Hinzu kommt Back zufolge, daß in Amerika mit fallenden Zinsen viele Hypothekenanleihen gekündigt werden. Dann müssen die Besitzer dieser Anleihen ihr Geld erneut anlegen - das sorgt für zusätzliche Nachfrage nach Rentenpapieren und hält die Zinsen ebenfalls niedrig. Die Reaktion der Anleihemärkte auf die schlechten Daten am Freitag war allerdings auch technisch bedingt: "Die meisten Marktteilnehmer hatten gute Zahlen erwartet und mußten sich dann nach den enttäuschenden Zahlen mit Anleihen eindecken", erklärt Jörg Warncke von Union Investment.
Geldmarktfonds kämpfen mit niedrigen Zinsen
Zumindest kurzfristig sind die Zinsänderungserwartungen nach unten revidiert worden, und diesem kurzfristigen Trend wollen sich auch die Manager von Rentenportfolios nicht entgegenstellen: „Langfristig gehen wir von steigenden Zinsen aus, doch kurzfristig handeln wir opportunistisch - wir werden uns nicht gegen den Markt stellen", sagt Warncke. „Viele wollen sich nicht gegen den Trend stellen", meint auch Back. In einer solchen Situation schichten viele Investoren in Anleihen mit langen Laufzeiten um, um etwas höhere Zinserträge zu generieren.
„Solange die Zinsen der zehnjährigen Anleihen nicht wieder über 4 Prozent gehen und sich eine sichtbare Trendwende abzeichnet, sollte man in der Laufzeitenwahl nicht weit unter dem Marktdurchschnitt liegen", meint Back. Diese Strategie beinhaltet natürlich auch ein Risiko: Dreht sich der Markt, so werden Anleihen mit langen Laufzeiten stärker unter steigenden Zinsen leiden als Kurzläufer, wer dann nicht rechtzeitig in Anleihen mit kurzen Laufzeiten umschichten kann, hat das Nachsehen.
Zu kämpfen haben auch die Geldmarktfonds, denn sie können den niedrigen Zinsen kaum ausweichen: Sie können weder wie die Rentenfonds in längere Laufzeiten wechseln und auf diesem Weg ein paar Prozentpunkte Rendite mehr einsammeln, noch können sie beispielsweise durch die Beimischung von Unternehmensanleihen oder Anleihen aus Schwellenländern ein paar Extra-Zinspunkte erwirtschaften.
Die steigenden Zinsen - so sie denn kommen - müssen allerdings nicht notwendigerweise gut für die Aktien sein, glaubt Kohlenbach: „Die klassische entgegengesetzte Bewegung von Aktien und Renten muß nicht immer stimmen. Steigen die Zinsen, fallen zwar die Rentenkurse, doch ist der Zinsanstieg zu stark, dann wäre das auch negativ für die Unternehmensgewinne und die Aktienmärkte."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |