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Sichere Fonds : Favoriten für Anleger mit Inflationssorgen

Ratingagentur vergibt Spitzenwert für Fonds von Crédit Agricole. Bild: dpa

Mit der steigenden Inflation werden Rentenfonds mit inflationsgeschützten Anleihen zunehmend attraktiver. Die niedrige Rentabilität stellt jedoch ein Problem dar. Eine Analyse.

          Die wieder etwas steigende Inflation hat offenbar das Interesse an Rentenfonds mit inflationsgeschützten Anleihen erheblich beflügelt. Allein die beiden größten Fonds am Markt von Axa und iShares verzeichneten in den vergangenen sechs Monaten Nettomittelzuflüsse von zusammen mehr als 1,4 Milliarden Euro. Das geht aus einer Marktanalyse der Ratingagentur Scope hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Insgesamt haben deutsche Anleger Scope zufolge derzeit 60 inflationsindexierte Rentenfonds zur Auswahl, die zusammen 26 Milliarden Euro verwalten.

          Es geht um Inflationsschutz in der Niedrigzinsphase: Inflationsindexierte Anleihen, sogenannte „Linker“, sind eine Möglichkeit für Anleger, sich gegen die Auswirkungen eines stärkeren Anstiegs des allgemeinen Preisniveaus zu schützen – neben Sachwerten wie Aktien, Immobilien oder Rohstoffen. Im Vergleich zu herkömmlichen Anleihen fahren Investoren dann mit inflationsindexierten Anleihen besser, wenn die tatsächliche Inflation über der vom Markt erwarteten liegt. Maßstab ist dabei der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ohne Tabak.

          Bild: F.A.Z.

          Der Grenzwert, von dem an sich inflationsindexierte Anleihen lohnen, ist die sogenannten „Break even rate“. Sie lässt sich aus der Differenz von Nominalrendite am traditionellen Rentenmarkt und der Realrendite am Markt für inflationsgeschützte Anleihen berechnen. Für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit liegt sie im Augenblick nach Angaben des Vermögensverwalters Pimco bei 1,47 Prozent. So viel Inflation ist also für die Restlaufzeit der Anleihen eingepreist – Anleger, die mit mehr rechnen, können sich also durch inflationsgeschützte Anleihen oder entsprechende Fonds absichern. Bei den Fonds kommen Kosten hinzu; die tatsächliche Inflation muss also klar über der erwarteten liegen, damit sich das lohnt.

          Die 60 hierzulande verfügbaren Fonds unterscheiden sich nach Angaben von Scope vor allem hinsichtlich der regionalen Ausrichtung. Während ein Großteil der Fonds lediglich im Euroraum inflationsindexierte Anleihen kauft, investieren andere Fonds in entsprechende Papiere aus aller Welt. Entsprechend klafft das Rendite-Spektrum auseinander. Für die vergangenen drei Jahre reichte die jährliche Rendite von minus 3,6 Prozent bis plus 13,4 Prozent im Jahr. Am besten schnitten dabei amerikanische Fonds ab.

          Allerdings spielte bei diesen ein Währungseffekt eine erhebliche Rolle. Der Dollar ist stärker geworden, und es ist zumindest unsicher, ob es einen solchen Effekt in Zukunft wieder geben wird. Scope jedenfalls meint, repräsentativer sei ein Blick auf die in Euro notierten Fonds. Hier lag der beste in den vergangenen drei Jahren immerhin noch bei 7,7 Prozent im Jahr. Aber auch für die gilt natürlich: Eine hohe Rendite in der Vergangenheit muss keine hohe Rendite in der Zukunft bedeuten.

          Schwierigkeit von niedriger Rentabilität

          Eine Schwierigkeit von Fonds mit inflationsgeschützten Anleihen ist derzeit die niedrige Rentabilität der zugrundeliegenden Papiere – und das Risiko, dass die Kurse bei steigenden Zinsen fallen. So war in letzter Zeit die Rendite der inflationsgeschützten Bundesanleihen die meiste Zeit sogar negativ. Die großen Fonds für die Eurozone mischen daher einem kleineren Anteil von Bundesanleihen größere Teile etwa an französischen, italienischen und spanischen Papieren bei, die besser rentieren. Bei den globalen Fonds hingegen spielen oft amerikanische inflationsgeschützte Staatsanleihen eine zentrale Rolle.

          Bild: F.A.Z.

          Immerhin 20 der 60 verfügbaren Fonds mit inflationsindexierten Anleihen haben dabei ein Rating der Fondsratingagentur; unter ihnen wurde viermal der Spitzenwert „A“ („sehr gut“) vergeben, für einen Fonds von Lyxor, der Fondsgesellschaft der Société Générale, einen von DB X-Trackers, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, einen von Amundi, einer Gründung von Crédit Agricole und Société Générale und einen von Comstage, der Fondsgesellschaft der Commerzbank. Dreimal wurde die Note „B“ („gut“) vergeben, nämlich für den „KBC Bonds Inflation“, den „Natixis Euro Inflation“ und den „3 Banken Inflationsschutzfonds“.

          Der Fonds mit dem größten Volumen unter den 60 ist mit fast vier Milliarden Euro der „AXA WF Global Inflation Bonds“. Er verbuchte im vergangenen halben Jahr Nettomittelzuflüsse von rund 800 Millionen Euro. Der „iShares TIPS UCITS ETF“ ist mit 3,1 Milliarden Dollar der zweitgrößte Fonds. Ihm flossen in sechs Monaten mehr als 600 Millionen Dollar netto zu.

          Name Kurs %
          Dimens Euro Inflation Link € -- --
          NN(L) Gl Infl Lkd Bd P€(hi) -- --
          ComStage iBoxx € Sovereigns -- --
          MUF Lyx UETF EuroMTS Inf EUR -- --
          AMUNDI ETF EURO INFLATION -- --
          AXA WF Gl Infl Bds A Cap € -- --
          iShares $ TIPS UETF -- --
          LGT Fds Bd Fd Gl Infl Lk € B -- --
          iShares € Infl Lkd Gov Bd UETF -- --
          AGIF Alz € Infl-linked AT-€ -- --
          Pimco GIS Global Low Durat E -- --

          Hintergrund der neuen Liebe zu inflationsindexierten Rentenfonds ist die steigende Inflation in vielen Ländern. In Amerika erreichte sie im Januar mit 2,5 Prozent den höchsten Stand seit März 2012. Auch in Deutschland steigen die Preise, wenn auch weniger stark. Im Januar betrug die Inflationsrate 1,9 Prozent.

          Die weitere Entwicklung gerade in Europa ist allerdings mit viel Unsicherheit behaftet. So lag die Inflationsrate im Februar sowohl in Frankreich (1,4 Prozent) als auch in Spanien (drei Prozent) niedriger als allgemein erwartet. Am Donnerstag werden die Zahlen für die Eurozone veröffentlicht, Analysten von BNP Paribas rechnen mit 1,9 Prozent. Unklar ist zudem, ob die Inflation weiter zulegt, wenn der Ölpreisanstieg an Bedeutung verliert.

          Quelle: F.A.Z.

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