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Fonds Lupus Alpha schließt das Talenthotel

Sechs Jahre lang konnten sich innovative Querdenker bei Lupus Alpha bewerben, um neue Konzepte zu testen. Da sich zu wenige Strategien durchgesetzt haben, beendet die Fondsgesellschaft das Experiment.

© Wonge Bergmann Experiment mit Talenten beendet: Lupus Alpha in Frankfurt

Es ist eine Institution, um die viele in der Fondsbranche Lupus Alpha beneiden: das Talenthotel. Seit Januar 2007 hat es viele Talente in der Vermögensverwaltung angezogen, die in diesem Rahmen neue Fondskonzepte ausprobieren konnten. Nun beendet Lupus Alpha das Experiment nach sechs Jahren. „Schweren Herzens haben wir uns dazu entschlossen, das Talenthotel Ende dieses Jahres zu schließen“, sagt Ralf Lochmüller, Gründungspartner der Frankfurter Fondsgesellschaft, die auf Nebenwerte und Absolute-Return-Konzepte spezialisiert ist.

Zehn Strategien sind in dieser Zeit an den Start gegangen. Doch nur zwei seien auch erfolgreich gewesen. „Nun könnte man sagen, dass 20 Prozent eine schöne Erfolgsquote sind“, sagt Lochmüller. „Doch ehrlich gesagt, haben wir uns mehr erhofft.“ Und auch hier muss Lochmüller Abstriche machen. Denn von diesen beiden Strategien sei nur der Fonds Commodity Opportunities, den Gerd Henning Beck verwaltet, wirklich erfolgreich.

Für die andere Strategie, Neuro Bayes Short Term Systematic Trading, die der Universitätsprofessor Michael Feindt und Christian Haag zusammen entwickelt haben, sind die Rahmenbedingungen unter anderem auch durch die geplante Einführung der Finanztransaktionssteuer schlechter geworden. „Bevor es zu negativen Auswirkungen auf die Fondsperformance kommt, haben wir uns deshalb entschieden, frühzeitig zu handeln und die Strategie zum Ende des Jahres zu schließen“, sagt Lochmüller.

Ein Rückschlag für das gesamte deutsche Fondsgeschäft

Dass Lupus Alpha das Talenthotel schließt, ist für die Innovationskraft des gesamten deutschen Fondsgeschäfts ein Rückschlag. Denn dies war der einzige Platz, an dem sich innovative Querdenker bewerben konnten, ein neues Konzept testen konnten. Lupus Alpha verschaffte denjenigen, die das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben, Zugang zu Startkapital und zu Handelssystemen sowie Unterstützung bei der Administration des Fonds.

Zwei Jahre lang konnten diejenigen, die sich erfolgreich beworben hatten, zeigen, ob sich ihre Idee unter realen Marktbedingungen bewährt. Dann entschied Lupus Alpha, ob die Strategie die notwendige Marktreife aufweist, um sie aus dem Hotel auszugliedern und als Einzelstrategie in Portfolios institutioneller Kunden aufzunehmen. Manche Bewohner des Talenthotels kamen wie Beck aus dem Finanzgeschäft, andere wie Feindt von Universitäten. Feindt ist Experte für Elementarteilchenphysik. Erfüllte eine Strategie nicht die an sie gestellten Erwartungen, schied diese schon in der Erprobungsphase aus dem Talenthotel aus und wurde durch andere Strategien ersetzt, so dass Lupus Alpha immer wieder neue Talente und Ideen aufnehmen konnte.

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Ein neuer Fonds lässt sich meist nur bei professionellen Großanlegern plazieren, wenn er sich in verschiedenen Marktphasen bewährt hat. Deshalb lässt sich ein Fonds meist nur verkaufen, wenn er eine Historie von mindestens drei Jahre aufweisen kann. Auch hier sieht Lochmüller viele Erfolge: „Das Talenthotel hat in den sechs Jahren alle breiten Hedgefonds-Indizes geschlagen“, sagt Lochmüller. „Das ist in einem anspruchsvollen Umfeld ein respektables Ergebnis.“ In der Fondsbranche kämen heute viele Produkte viel zu früh auf den Markt. Doch auch die Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert. „Neue Hedgefonds-Strategien lassen sich in Deutschland zurzeit nicht entwickeln“, sagt Lochmüller.

„Und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern.“ Auch müsste eine Strategie auf jeden Fall in die Rechtsform eines konformen Publikumsfonds passen, um verkäuflich zu sein. „Damit scheiden von vornherein viele interessante Strategien aus“, beklagt Lochmüller. Dennoch will Lupus Alpha das Talenthotel nicht ersatzlos streichen. „Wir geben unsere Hedgefonds-Plattform in Irland auf, die wir für das Talenthotel genutzt haben“, sagt Lochmüller. „Aber wir werden bei uns eine Teststrecke für neue Strategien behalten.“ Auch schaue sich die Fondsgesellschaft weiter neue Ideen externer Experten an. „Talente können sich weiter bei uns bewerben“, sagt der Lupus-Alpha-Chef. „Wir investieren nach wie vor in neue Strategien.“

Quelle: F.A.Z.

 
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