05.01.2006 · Bei Fondsmanagern globaler Aktienfonds stehen japanische Aktien wieder hoch im Kurs. Sie bauen ihre Positionierung aus, zulasten der europäischen Aktienmärkte und der Schwellenländerbörsen.
Bei Fondsmanagern globaler Aktienfonds stehen japanische Aktien wieder hoch im Kurs. Sie bauen ihre Positionierung aus, zulasten der europäischen Aktienmärkte und der Schwellenländerbörsen.
Im Jahr 2005 überschritt das Anlagevolumen internationale Anleger in japanischen Aktien erstmals die Marke von 10 Billionen Yen oder umgerechnet 71,4 Milliarden Euro. Sie alle setzen darauf, daß die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sich erholt. Zumal im japanischen Bankensektor neue Strukturen Einzug gehalten haben und er weniger von notleidenden Krediten belastet wird.
Spekulation auf die Wirtschaftserholung und auf Aktienrückkäufe
Außerdem sollen Aktienrückkäufe die Börse weiter beflügeln. Im Jahr 2005 ließ der Nikkei 225 die zehn größten Benchmark-Aktienindizes hinter sich. Sein Anstieg von 40 Prozent war der größte seit 1986.
„Die schlechten Nachrichten werden immer schwächer“, sagt Donald Gimbel. Der Fondsmanager von Carret & Co. in New York hatte über zehn Jahren lang keine japanischen Aktien mehr gekauft. Jetzt hat er rund 12 Prozent seines Anlagevolumens von 200 Millionen Dollar in japanische Aktien angelegt. Er plant sogar, seine Positionierung in japanische Aktien in den nächsten zwölf Monaten zulasten von europäischen Aktien auf bis zu 20 Prozent auszubauen.
Im Januar 2005 kaufte er seine erste japanische Aktie, die des Industrieroboterbauers Fanuc. „Japanische Unternehmen sind jetzt wieder profitabel, das waren sie eine ganze Weile nicht.“ Die Fanuc-Aktie hat 2005 rund 49 Prozent zugelegt. Weiteren Schub für die Börse dürften Aktienrückkäufe und höhere Dividenden bringen: Fanuc hatte am 21. Februar angekündigt, 9,85 Millionen Aktien zum Kurs von 7.100 Yen je Aktie zurückzukaufen. Dies entspricht vier Prozent des Streubesitzes des Roboterherstellers mit Sitz in Yamanashi. Canon, der weltgrößte Hersteller von Kopierern und Digitalkameras, erhöhte seine halbjährliche Dividende um mehr als das Doppelte auf 67,50 Yen je Aktie.
Das japanische Börsenbarometer Nikkei 225, das in zwölf der 15 Jahre von 1989 bis 2004 hinter dem amerikanischen Index Standard & Poor's 500 herhinkte, überholte 2005 die zehn weltweit größten Benchmark-Aktienindizes. Der Nikkei schnellte 40 Prozent nach oben, auf 16.111,43 Zähler, dies war der größte Zuwachs seit 1986. Der S&P 500 gewann dagegen gerade mal drei Prozent.
Nachdem der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi am 8. August vorgezogene Parlamentswahlen angekündigt hatte, hob der Nikkei 37 Prozent ab. Nach seinem erdrutschartigen Sieg am 11. September konnte Koizumi die geplante Privatisierung der japanischen Postsparkasse - mit Spareinlagen in Höhe von 3,1 Billionen Dollar die weltgrößte - in Angriff nehmen und darüber hinaus den japanischen Bankensektor sowie den Immobilienmarkt beleben.
Japanische Aktien sind jedoch längst nicht mehr günstig
Amerikanische Vermögensverwalter globaler und internationaler Aktienportfolios kauften in den drei Monaten nach Koizumis Wahlsieg japanische Aktien im Nettovolumen von 9,2 Milliarden Dollar, zeigen Zahlen des Bostoner Analyseunternehmens Emerging Portfolio.com Fund Research (EPFR), das Vermögensverwalter mit einem verwalteten Gesamtanlagekapital von 4,7 Billionen Dollar beobachtet. Damit ist deren Positionierung in japanischen Aktien seit Anfang 2005 von 13,6 Prozent auf 16,3 Prozent gestiegen, führte Geschäftsführer Brad Durham aus.
Mehr Zuversicht schöpfen internationaler Anleger auch aus der Tatsache, daß die Bilanzen japanischer Banken weniger durch notleidende Kredite belastet werden. Sie erwarten, daß eine Erholung des Bankensektors das Wirtschaftswachstum in Japan stützt. „Zum ersten Mal seit Jahren ist das Problem der notleidenden Kredite aus dem Weg“, sagt der Fondsmanager des Merrill Lynch Pacific Fund, James Russell, in Plainsboro, New Jersey.
Bis vergangenes Jahr hielt er keine japanischen Bankentitel in seinem Portefeuille. Die Geldpolitik der Bank of Japan habe in den Jahren davor keinen Stimulus für das Wachstum geboten, den die japanischen Banken in Form von Krediten hätten weitergeben können, erläutert Russell.
Günstig bewertet sind japanische Aktien indes nicht. Der Nikkei wird zum 26,5-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Der S&P 500 hingegen weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,3 auf. „Die Unternehmensgewinne werden Schritt halten müssen mit der Expansion“ beim Kurs-Gewinn-Verhältnis, sagt Robert Holt, Fondsmanager des 3,8 Milliarden Dollar schweren Vanguard International Value Fonds. „Die zugrunde liegenden Unternehmensgewinne werden in Zukunft ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |